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Die Geburt seines Sohnes war für Sasha ein ganz besonderes Ereignis. Foto: Marco Meister
7. Dezember 2022

Sasha: So war das Konzert in Bremen

Von der Kindheit über den ersten Kuss bis hin zum musikalischen Durchbruch und beruflicher Zweifel: In „This Is My Time – Die Show“ zeichnet Sänger Sasha seinen Lebensweg nach und lässt dabei sowohl als Künstler als auch als Privatperson tief blicken. Am vergangenen Freitag feierte die Produktion Premiere im Bremer Metropol Theater. Ein Rückblick.

Von der Kindheit über den ersten Kuss bis hin zum musikalischen Durchbruch und beruflicher Zweifel: In „This Is My Time – Die Show“ zeichnet Sänger Sasha seinen Lebensweg nach und lässt dabei sowohl als Künstler als auch als Privatperson tief blicken. Am vergangenen Freitag feierte die Produktion Premiere im Bremer Metropol Theater. Ein Rückblick.

Inwiewiet schafft es ein 50-jähriger Musiker, der in der Glanzzeit des Neunzigerjahre-Pops zum Superstar avancierte, in der aktuellen Zeit noch zu begeistern? Nun, im Fall von Sasha scheint diese Frage schnell und eindeutig beantwortet. Schon bevor der Sänger am vergangenen Freitag die Bühne am Richtweg betritt und lediglich die erloschenen Lichter den Auftakt der Show vermuten lassen, beginnt das Publikum rhythmisch zu klatschen. Es offenbart nicht nur das Taktgefühl der Zuschauerinnen und Zuschauer, sondern zugleich die Erkenntnis: Der Name Sasha zieht nach wie vor. Und dieser lässt nicht lange auf sich warten.  Mit lässiger Eleganz schreitet der Künstler über die an Las Vegas erinnernde Showtreppe und performt dabei den ersten Song des Abends: „This Is My Time“, eine Nummer, die wortwörtlich Programm ist, schließlich ist es das Leben des Musikers, um das es in den nächsten zweieinhalb Stunden im nahezu ausverkauften Theatersaal gehen soll. „Heute gibt es die blanke Wahrheit“, richtet sich Sasha grinsend an sein Publikum. „Die blanke Wahrheit darüber, wie es einem einfachen Mann aus Soest ein internationales Sexsymbol wurde“, fährt er scherzhaft fort und sichert sich damit das erste von vielen kollektiven Gelächtern. Darüber, wie improvisiert seine durchaus spontan wirkenden Sprüche und Witze wirklich sind, lässt sich streiten. Dass die Bremer Zuschauerinnen und Zuschauer ihm die Rolle des humorvollen Gentlemans abnehmen, ist jedoch offensichtlich.

Ende der Neunzigerjahre wurde Sasha, der mit bürgerlichen Namen Sascha Röntgen-Schmitz heißt, als Popsänger berühmt. Nach seiner Verpflichtung als Gesangpartner der deutschen Rapperin Young Deenay, die ihm erstmalig Einblicke ins kommerzielle Musikbusiness bescherte, gelang dem damals 26-Jährigen mit dem Hit „If You Believe“ 1998 der Durchbruch. Was folgte, waren bis heute neun veröffentlichte Studioalben, internationale Chartplatzierungen und diverse Auszeichnungen. So ließe sich die Karriere des Musikers in wenigen Sätzen zusammenfassen, wird jedoch nicht seinem eigenen Wunsch gerecht. Um seinen Weg zu zelebrieren, hat sich der Künstler erlaubt, einen Blick zurückzuwerfen, nostalgisch zu werden und sich zugleich in „This Is My Time – Die Show“, die in Zusammenarbeit mit Regisseur Thomas Hermanns entstanden ist, neu zu erfinden. „Ich habe mich selbst immer als Entertainer gesehen“, verriet Sasha bereits vor der Premiere. „Diese Seite kann ich nun ausleben und unter Beweis stellen.“

Und so klappert der Künstler nahezu chronologisch seine einprägsamsten Erlebnisse, Meilensteine und Begegnungen ab. Neben humorvollen Anekdoten bedient er sich auf dieser Zeitreise – wie sollte es auch anders sein – in erster Linie der Musik. Doch es sind keinesfalls nur seine eigenen Songs, die es dabei performt. Neben Hits wie „I Feel Lonely“, „Coming Home“ oder „Lucky Day“ werden auch Nummern anderer Künstler von ihm interpretiert und stehen etwa für unvergessliche Partyerlebnisse, Sashas ersten Kuss, musikalische Anfänge in Schülerbands oder auch das Kennenlernen mit seiner Frau. Was zuvor als humorvolle „One-Man-Show“ angekündigt wurde, greift jedoch zu kurz. Schließlich erhält der 50-Jährige auf der Bühne Unterstützung von zwei Backroundsängerinnen, einer Band sowie vier Tänzerinnen und Tänzern, die das Live-Erlebnis komplettieren. Einer der Höhepunkte des Abends, und von vielen mit Sicherheit sehnsüchtig erhofft, ist das Wiedersehen mit Sashas Alter Ego Dick Brave, welches Rock’n‘ Roll-Klänge in das Programm integriert, und das vom Publikum mit Standing Ovations begrüßt wird. Für die jahrelange Funkstille seiner Kunstfigur hat Sasha, der die Rolle nach wie vor zu beherrschen scheint, natürlich die passende Erklärung parat. „Dick Brave ist jetzt Appentwickler“, erklärt er scherzhaft. Seinen wahrscheinlich emotionalsten Moment hebt sich Sasha übrigens bis zum Schluss auf: Die Geburt seines Sohnes Otto, dem er mit „Lighthouse“ einen eigenen Song widmet und sich somit an diesem Abend auch von seiner sensiblen Seite zeigt.

Mit „This Is My Time – Die Show“ ist es Sasha gelungen, sich eingefleischten Fans so persönlich wie nie zuvor zu zeigen und ihnen das Gefühl zu geben, ihn neu kennenzulernen. Und selbst, wer noch nie zuvor von ihm gehört hat oder schlichtweg kein Fan seiner Musik ist, vermag am Ende des Abends die Ansicht zu vertreten: Sasha, das ist wirklich ein feiner Kerl.

Wussten Sie, dass Sasha von seiner Durchbruchsingle „If You Believe" zunächst alles andere als überzeugt war? Im Interview verrät er, warum.

Jennifer Fahrenholz
Redakteurin

Tipp der Redaktion: „Klar im Kopf und Herzen“

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