Heiß-kalt erwischt
Unsere Kolumnistin Melanie Öhlenbach erklärt das Phänomen der Eisheiligen.
Die Eisheiligen sind ein fester Termin im Gartenkalender. Auch wenn sie zuletzt seltener eintreten. Der Frühling ist die Zeit der Erwartungen und des Neubeginns. Jetzt können wir die Beete frisch einsäen, die Balkonkästen mit neuen Pflanzen bestücken und von reichen Ernten und überwältigender Blütenpracht träumen. Doch wann beginnt er eigentlich, der Frühling?
Es gibt Gartenbesuch, auf den ich grundsätzlich gut verzichten kann. Den der „kalten Sophie“, zum Beispiel. Denn die macht im wahrsten Sinne des Wortes „alles hie“. Seit Jahrhunderten gehören sie und ihre Gefährten Mamertus, Pankratius, Servatius sowie Bonifatius zu den gefürchteten Eisheiligen – einer Reihe an Tagen in der ersten Maihälfte, bei denen die Temperaturen in der Nacht noch einmal unter null Grad Celsius fallen können.
Ein solch frostiger Besuch verhagelt einem nicht nur ordentlich die Kirschernte. Auch für die wärmeliebenden Tomaten, Zucchini, Gurken und Bohnen ist die Begegnung ein Schock, von dem sie sich nicht mehr erholen. Und so sieht es die Bauernregel vor, dass diese empfindlichen Pflanzen je nach Region erst nach dem 13. beziehungsweise 15. Mai dauerhaft draußen bleiben dürfen.
Eine Lösung, an die sich auch Hobby-Gärtnerinnen und -Gärtner gerne hielten – egal, ob sie auf dem Balkon oder im Beet ihre Schätze anbauen. Doch inzwischen scheinen die Eisheiligen mehr und mehr ins Reich der Legenden einzugehen. Ihren letzten Besuch datiert der Deutsche Wetterdienst ins Jahr 2020. Auch davor schon zeigten sie uns vermehrt die kalte Schulter – oder mutierten zu „Schweißheiligen“ mit sommerlichen Temperaturen. Was die einen freut, deuten andere als weiteres Zeichen der Klimakrise.
Nichtsdestotrotz bleibt es empfehlenswert, vorgezogene Gewächse und die Lieblinge aus dem Winterquartier langsam an die Außenbedingungen zu gewöhnen. Vor dem finalen Umzug müssen sie abgehärtet sein – nicht gegen die Kälte, sondern gegen die Sonne. Denn auch Pflanzen können bei intensiver Einstrahlung Sonnenbrand bekommen. Und dagegen hilft keine Creme, sondern nur schrittweises Anpassen, bis sich der pflanzeneigene UV-Schutz gebildet hat.
Ohne diesen können die Pflanzen schlimmstenfalls eingehen und unser Abenteuer Garten ein jähes Ende finden. Und die Schuld daran könnten wir dann noch nicht mal den Eisheiligen geben.