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#Kolumne – Matthias Höllings
7. Dezember 2022

Happy-Sound mit Hansi

Matthias Höllings

In seiner Kolumne teilt der ehemalige Pressesprecher der ÖVB-Arena sein Wissen über den Bremer Erfolgsmusiker James Last.

In seiner Kolumne teilt der ehemalige Pressesprecher der ÖVB-Arena sein Wissen über den Bremer Erfolgsmusiker James Last.

Egal, ob er irgendwo in Europa oder in Amerika einen Musiker anrief, um eine neue Schallplatte aufzunehmen oder um für eine Tournee ein neues Orchester zusammenzustellen, bei Hansi sagte niemand nein. Seine Anrufe galten in der Regel der Frage nach zwei Saxofonen oder Flöten, drei Posaunen, vier Trompeten, Piano oder Orgel, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, Percussion und als Sahnehäubchen ein paar Streicher und ein kleiner Chor – fertig war der Happy-Sound von James Last, der ab 1965 auf unzähligen Tonträgern verewigt wurde. Schuld daran, dass der Sound entstand, war sein zehnter Hochzeitstag. Mit seiner Waltraud wollte er ihn 1965 feiern. Eine schöne Party mit vielen Freunden und Bekannten sollte es werden. Doch es ließ sich keine richtige Stimmungsmusik auftreiben. James praktizierte Selbsthilfe und stellte sich aus den damals gängigen Hits einen flotten Melodienreigen zusammen. Die Fete wurde ein voller Erfolg. Alle Gäste sangen mit und waren bester Laune. Da James Musik, Gesang und Applaus auf Tonband festhielt, wurde das Ganze im Tonstudio noch einmal professionell aufgenommen. „Non Stop Dancing 65“ war geboren. Für jedes der Instrumente schrieb Hansi, der eigentlich Hans hieß, sämtliche Noten per Hand und verteilte oder verschickte sie anschließend an seine Bandmitglieder, die mit den Jahren wie eine große Familie zusammenwuchsen.

So erklärt sich auch, dass er einmal nachmittags vor einem Bremen-Konzert alle seine Orchestermitglieder in den Tourbus steigen ließ, um als Reiseleiter mit ihnen eine Stadtrundfahrt durch seine Heimatstadt Bremen zu unternehmen. Dabei ließ er auch den Stadtteil Sebaldsbrück nicht aus, in dem er am 17. April 1929 in der Trinidadstraße 9 geboren wurde und mit der Familie zwei Jahre später in die Helmholzstraße 33 umzog. Vater Louis Lasts Liebe zur Musik sollte Sohn Hans derart beeinflussen, dass dieser es schaffte, 1945 im Alter von 16 Jahren bereits Berufsmusiker zu werden und erst am Piano, später am Bass in Bremer Clubs US-amerikanische Besatzungssoldaten zu begeistern. Es folgte eine Anstellung beim Tanzorchester von Radio Bremen und etliche Engagements in Jazzformationen. Eine Festanstellung als Bassist beim NDR schlug Hansi aus und verfolgte weiter sein Ziel einer eigenen Schallplattenaufnahme bei der Firma Polydor. Der Rest ist Geschichte.

Der Bremer Hans Last brachte es als James Last vom Piano- und Tubaspieler bis zum gefragten Jazzbassisten, betätigte sich als Arrangeur und Komponist für viele Stars und wurde neben seiner Karriere als Musikproduzent vor allem eines: ein weltbekannter Bandleader. Nur so sind 17 Platin- und mehr als 200 goldene Schallplatten zu erklären. Es gab Zeiten in seiner Karriere, in denen er pro Jahr zwölf Langspielplatten, zwölf Fernsehsendungen und zwei Tourneen absolvierte. Die Konzertreisen brachten ihn und seine große Musikerfamilie schon früh bis in die Sowjetunion (1972), Großbritannien (1971-2015), Japan (1975) und in die DDR (1987). Seine Welttourneen führten den „Bremer Jung‘“ Hansi über Südafrika, Australien, Asien und Neuseeland bis in die Volksrepublik China. Und wenn im deutschen Fernsehen in alten und neuen Folgen heute das „Traumschiff“ über die Weltmeere gleitet, geht das nicht ohne seine Titelmelodie. James Last starb am 9. Juni 2015 in seiner Wahlheimat Florida. Hinterlassen hat er den Fans seinen unverwechselbaren Happy-Sound und in der Bremer Lloyd-Passage (Mall of Fame) am 15. April 2005 seinen Handabdruck.

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