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Foto: Sparkasse Bremen
29. September 2023

„Langfristig wird es sich lohnen“

Dr. Sascha Otto von der Sparkasse Bremen gibt Tipps zum Thema Geldanlage

Zuletzt schien es schwierig, das eigene Ersparte vernünftig anzulegen. Minimale Zinsen bei den Geldinstituten sowie Skandale wie bei Wirecard oder Lehman schwächten das Vertrauen in die Finanzmärkte. Wir sprachen mit dem Leiter des Wertpapier- und Portfoliomanagements der Sparkasse Bremen, Dr. Sascha Otto, darüber, wie er die Situation an den Märkten in den aktuellen Krisenzeiten einschätzt und fragten den „Börsenflüsterer“, was er all jenen Menschen derzeit empfiehlt, die Geld beispielsweise für ihre Altersvorsorge anlegen wollen.

Zuletzt schien es schwierig, das eigene Ersparte vernünftig anzulegen. Minimale Zinsen bei den Geldinstituten sowie Skandale wie bei Wirecard oder Lehman schwächten das Vertrauen in die Finanzmärkte. Wir sprachen mit dem Leiter des Wertpapier- und Portfoliomanagements der Sparkasse Bremen, Dr. Sascha Otto, darüber, wie er die Situation an den Märkten in den aktuellen Krisenzeiten einschätzt und fragten den „Börsenflüsterer“, was er all jenen Menschen derzeit empfiehlt, die Geld beispielsweise für ihre Altersvorsorge anlegen wollen.

Wie sehen Sie die momentane Situation am Kapitalmarkt?

Grundsätzlich wird sich die Situation aus meiner Sicht deutlich bessern. Derzeit gibt es einige große wirtschaftliche Herausforderungen, die natürlich auch an den Kapitalmärkten nicht vorbeigehen. Wir haben gerade die Coronapandemie überwunden, inklusive der daraus folgenden Lieferketten- und Chinaproblematik, seit einem Jahr herrscht zudem Krieg in der Ukraine. Die Inflationsrate ist sehr hoch und obendrauf kommt noch der Klimawandel. Dennoch erscheint mir momentan das Umfeld für Investitionen wieder sehr gut.

Wie kommen Sie zu dieser Einschätzung?

Zum einen gibt es wieder Zinsen. Zum anderen haben die Unternehmen, die von mir angesprochenen Krisen einigermaßen gut bewältigt. Die Aktienkurse tendieren nach oben, viele Unternehmen haben Dividenden ausgezahlt und Rekordgewinne erwirtschaftet – in Deutschland und weltweit. Zudem führt der Klimawandel dazu, dass Unternehmen neue Geschäftsstrategien entwickeln und auch neue Unternehmen entstehen. Ich treffe jetzt mal eine Pauschalaussage: Derzeit ist ein guter Moment zu investieren, wenn man einen langen Atem mitbringt und die Kapriolen, die an den Kapitalmärkten passieren, bereit ist, auszuhalten. Langfristig wird es sich lohnen.

Viele Menschen, die versucht haben über Aktien Geld für ihre Altersvorsorge anzusparen, sind nach Skandalen wie die um die Pleite der Investmentbank Lehman Brothers oder zuletzt Wirecard verunsichert. Was raten Sie denen?

Generell gilt es, sich möglichst breit aufzustellen und nicht nur auf eine Karte zu setzen. Dann ist es möglich, solche Einbrüche bei einzelnen Kursen einfacher zu verkraften. Ich glaube, dass so etwas, wie bei den beiden von Ihnen genannten Beispielen immer wieder vorkommen wird. Wir werden immer kriminelle Energie bei Unternehmen haben, ich glaube, das liegt einfach in der menschlichen Natur. Gerade bei Wirecard wirkte die Situation für viele Anleger sehr verlockend: ein junges Tech-Unternehmen aus Deutschland mit einer großen Wachstums- und Erfolgsstory. So etwas hat natürlich zunächst viele Anleger :innen angezogen. Leider hat die sich im Nachhinein als komplett erfunden herausgestellt.

Haben Sie einen Tipp, worauf man als Anleger:in achten sollte?

Nicht alles nur auf eine Karte zu setzen. Ich stelle mir bei jeder Anlage als erstes die Frage, was passiert, wenn ich mich irre. Wenn ich merke, dass ich den kompletten Verlust eventuell nicht verkraften könnte, mache ich die Anlage nicht, ganz simpel. Deshalb versuche ich auch ein Portfolio so aufzubauen, dass es möglichst viel beinhaltet. Aus meiner Sicht gehören in ein gutes Portfolio Anleihen, Aktien und zwar aus verschiedene Branchen. Auch wenn ich vielleicht eine Lieblingsbranche habe, sollte man sich trotzdem auch in solchen, die man nicht so sehr schätzt, breit aufstellen. Über Sparpläne gibt es diverse Möglichkeiten, auch schon mit relativ wenig Geld, relativ viel zu machen.

Ab welchem Alter lohnt es sich, einen Sparplan zu erstellen?

Je eher desto besser – und das sage ich Ihnen nicht nur, weil ich Banker bin. Mit dem ersten Gehalt beispielsweise, kann man beginnen, monatlich 50 Euro einzuzahlen. Natürlich tut das anfangs weh, gerade wenn man noch nicht sehr viel Geld verdient. Aber dann hat man die 50 Euro auch recht schnell schon gedanklich abgehakt. Aber auch für diejenigen, die schon etwas älter sind gilt: Besser spät, als nie. Ein Sparplan lohnt sich auch mit Kleinbeträgen.

Dennoch sind viele Menschen aufgrund der vielen Krisen der vergangenen Jahre verunsichert, wie nun mit dem Erspartem umzugehen ist …

Das ist verständlich, weshalb man sich genau überlegen sollte, wie viel Geld man monatlich sparen kann beziehungsweise will. Denn wenn man trotz aller Krisen auf die letzten 30 Jahre des Deutschen Aktienmarktes guckt, so sieht man, dass sich der Wert der Anlagen trotz Irakkrieg, Bankenkrise, Euroschuldenkrise, Coronapandemie, Lehman, Wirecard und Ukrainekrieg in diesem Zeitraum verfünfzehnfacht hat.

Haben Sie einen abschließenden Tipp für die Altersvorsorge?

Am Anfang sollte man sich überlegen, wo man einmal hin will. Die Fragen sind dann: Wann will ich in Rente gehen? Was brauche ich dann zum Leben? Will ich eine Einmalzahlung oder monatlich Geld haben? Ich kann nur jeder und jedem empfehlen, sich einmal etwas Zeit zu nehmen und sich mit dem Thema Geld auseinanderzusetzen. Ziel sollte aus meiner Sicht sein, möglichst früh zu versuchen, monatlich etwas Geld zurückzulegen. Ein Beispiel: Wenn es möglich ist, 100 Euro zu sparen, würde ich 50 Euro in Wertpapieren anlegen und 50 Euro auf ein Sparkonto tun, an das ich jederzeit heran kann. Aus meiner Sicht ist die Zeit dafür derzeit ideal, da wir momentan von stark wachsenden Märkten ausgehen.

Der „Bremer Börsenschnack – ein Podcast mit Dr. Sascha Otto und Patrick Paech“ ist bei allen gängigen Anbietern wie Spotify, Apple Music und Co. zu finden. Jeden Montag gibt es ein anderes Börsenthema.

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