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Ausgelassene Stimmung unter den Gästen. Foto: Max Stascheit
#Gesundheit
25. Juni 2024

„Heute steppt hier der Bär“

Zu Besuch beim „Frühlingsfest im Nachbarschaftstreff“ Bremer Vahr

Was passiert eigentlich bei einem Frühlingsfest im Seniorentreff? Es gibt natürlich Kaffee und Kuchen – und dann wird wild getanzt und kräftig gefeiert.

Was passiert eigentlich bei einem Frühlingsfest im Seniorentreff? Es gibt natürlich Kaffee und Kuchen – und dann wird wild getanzt und kräftig gefeiert.

Organisatorin Barbara Schneider. Foto: Max Stascheit

Niemand möchte allein zu Hause sitzen

„Heute steppt hier der Bär“, erklärt Barbara Schneider, die Organisatorin des musikalischen Tanznachmittags, gleich zu Beginn. „Wir sind komplett ausgebucht.“ Bereits am Eingang des Nachbarschaftstreffs Bremen- Vahr im Hanna-Harder-Haus sind angeregte Gespräche und heiteres Lachen zu vernehmen. Schneiders Ehemann kümmert sich dort um den Einlass. Der Eintritt liegt bei 2,50 Euro. Die einzelnen Veranstaltungen werden zwar von der Stadt finanziert, Kaffee und Kuchen müssen jedoch von den Besucher:innen selbst bezahlt werden, ebenso wie Sekt, Bier, Wein oder Limonaden.

„Bei allen Zentren, die auf die Bremer Stadtteile verteilt sind, reicht das öffentliche Geld nicht immer aus: Daher müssen wir als einzelner Verein zusätzlich finanzielle Mittel erwirtschaften. Dies geschieht durch Spenden oder Eintrittsgelder, dann können wir Musik bieten und Gäste einladen.“, erklärt Barbara Schneider. Laut der Organisatorin nutzen vor allem Menschen von 60 bis über 90 Jahre die Angebote des Hauses. Der Grund: „Niemand möchte allein zu Hause sitzen. Das gemeinsame Zusammensein und Klönen sorgt für Ablenkung im Alltag.“

Bei Kaffee und Kuchen wird geschnackt und mit gewippt. Foto: Max Stascheit

Lebensfreude an erster Stelle

Barbara Schneider engagiert sich seit sechs Jahren ehrenamtlich. Zuvor war sie im Flüchtlingsbereich tätig und bekam dann das Angebot, mit älteren Menschen zu arbeiten. „Bis heute bin ich mit Herzblut dabei. Als gelernte Sozialpädagogin habe ich alle Altersschichten in meiner beruflichen Laufbahn betreut. Dieser Job hier macht das Leben rund“, erklärt sie. „Lebensfreude steht bei uns an erster Stelle.“ Schneider berichtet, dass sich bei den Veranstaltungen auch gute Freundschaften entwickeln können. „Bei uns haben sich sogar Paare gefunden. Die fahren jetzt gemeinsam in den Urlaub.“

Zu aktuellen Schlagerhits zieht es viele auf die Tanzfläche. Foto: Max Stascheit

Die älteste Teilnehmerin ist bereits 97

Für das leibliche Wohl an diesem Tag sorgen ehrenamtlich engagierte Frauen: Sie verteilen Kaffee, Tee und Kuchen. Auf den Anrichten reihen sich Teller mit Tortenstückchen. „Die Ruhe vor dem Sturm“, sagt eine der Helferinnen mit einem Augenzwinkern. Sabine Gal, die seit über zehn Jahren als „DJ Sabine“ für Musik sorgt, ist eingeladen worden, um für Stimmung zu sorgen. Vor allem Schlager und Evergreens zum Schunkeln und Tanzen hat sie im Programm. „Ich freue mich, wenn meine Musik die Menschen auf die Tanzfläche zieht“, erklärt Gal. Von den gut gelaunten Besucher:innen freuen sich viele seit Tagen auf den Nachmittag.

Die älteste Teilnehmerin ist bereits 97. „Ich komme seit über zehn Jahren her und war früher eine der besten Tänzerinnen. Das geht heute leider nicht mehr, aber meine Füße wippen immer noch mit“, erklärt sie schmunzelnd.

Alle sind mit Spaß und Begeisterung dabei. An einigen Tischen haben die Besucher:innen sogar ihre Pflegerinnen mitgebracht. Geselligkeit gegen die Einsamkeit lautet die Devise. „Immer noch besser, als vor dem Fernseher zu sitzen“, erklärt ein Herr Mitte 80, „es macht einfach nur Freude.“ Nach Kaffee und Kuchen wird die erste Piccolo-Flasche geordert und Wein entkorkt. Sabine Gal eröffnet hinter ihrem DJ Pult die Tanzfläche. Sobald die ersten Töne von „Tulpen aus Amsterdam“ erklingen, stehen einige von ihren Stühlen auf. Die Tanzfläche füllt sich rasch, Paare finden zueinander und drehen ihre Runden über das Parkett.

Organisatorin Barbara Schneider mischt sich selbst unter die Tanzenden, animiert die Senior:innen und wirbelt Hand in Hand mit einer Dame umher. Diejenigen, die nicht tanzen können, schwenken die Arme im Takt, singen lautstark mit und fallen sich gegenseitig in die Arme. Sabines Gals Musikauswahl wird nun aktueller: Bei „Atemlos“ von Helene Fischer hält es nur wenige auf ihren Stühlen. „Diese Lebensfreude, sie kann gegen Alzheimer helfen und hält die kleinen grauen Zellen in Schwung. Wenn ich so alt werde, dann bin ich zufrieden“, erklärt Barbara Schneider begeistert und eilt zurück auf die Tanzfläche, die nun immer voller wird. Wer vermutet hat, dass es sich bei der Veranstaltung um einen ruhigen Nachmittag handelt, wird eines Besseren belehrt. Es ist eher eine kleine Party mit feiernden Senior:innen. Für den goldenen Lebensabend reichen also durchaus ein Stück Kuchen und Musik.

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