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Meike Wengler. Foto: Messe Bremen
#Gesundheit
19. Juni 2024

„Ein Thema, das alle eint“

Interview mit Projektleiterin Meike Wengler über die Messe „Leben und Tod“ Anfang Mai

Interview mit Projektleiterin Meike Wengler über die Messe „Leben und Tod“ Anfang Mai

Themen rund um das Lebensende in die breite Öffentlichkeit tragen, eine Plattform bieten, aufklären und vor allem Mut machen – so lässt sich die Veranstaltung „Leben und Tod“ zusammenfassen. Am Freitag und Samstag, 3. und 4. Mai, findet sie bereits zum 15. Mal in der Messe Bremen statt. Aus welchen Gründen es diese Veranstaltung gibt, was sich in den vergangenen Jahren verändert hat und welche Highlights Besucher:innen erwartet, erzählt Projektleiterin Meike Wengler im Interview.

Sie haben die „Leben und Tod“ quasi erfunden. Wie kamen Sie ausgerechnet auf dieses Thema?

Das war tatsächlich Zufall. Ich hatte vorher noch gar nichts mit dem Tod zu tun. Sonntags beim Fernsehen sah ich die Kindersendung „Willi will’s wissen!“ und da ging es um den Tod. Und als Messemacherin denkt man immer auch an mögliche Themen. Es gibt Messen und Veranstaltungen zu allen Themen des Lebens: Baby, Hochzeit, Oldtimer und mehr. Aber das Thema, das uns alle eint, der Tod, den klammern wir aus dieser Reihe aus. Das wollte ich ändern. Zum Glück war mein Chef mutig und hat mich machen lassen.

Beim Thema Tod denken viele an dunkle Farben, Trauer, Särge und Trauergestecke. Spiegelt sich das vor Ort wider?

Nein, überhaupt nicht. Die Veranstaltung heißt nicht ohne Grund „Leben und Tod“, denn es geht in erster Linie um das Leben, vor dem eigenen Ende und das Leben der Angehörigen nach dem Tod eines geliebten Menschen. Die Messe ist geprägt von einer hellen und lebensbejahenden Atmosphäre. Wir wollen Mut machen, sich mit den Themen am Ende des Lebens zu beschäftigen. Ganz nach dem Motto „Über den Tod nachzudenken, hat noch niemanden umgebracht.“

Foto: Victoria Müller

Ist es nicht belastend, sich mit dem Tod zu beschäftigen?

Im Gegenteil! Mein eigenes Leben hat an wertvollen Momenten gewonnen. Wenn man sich einfach klar macht, dass das Leben nicht unendlich ist, dann wird eine Kugel Erdbeereis oder ein Sonnenuntergang einfach noch mal bedeutsamer. Das heißt jetzt nicht, ich lebe jeden Moment, als wäre es mein letzter. Das wäre ja total anstrengend. Aber ich bin dankbarer geworden, das ist ein bereicherndes Gefühl.

Hat sich Ihre Haltung zu den Themen rund um das Lebensende durch die Arbeit verändert?

Ja, ganz klar. Um aus dem Nähkästchen zu plaudern: Ich hatte auch erst Angst. Mein erster Besuch bei einem Bestatter war eine große Herausforderung. Aber es war eine total angenehme Atmosphäre. Ich durfte mir Särge anschauen und anfassen und das hat bei mir ganz viel Angst genommen. Denn Angst entsteht ja durch das, was uns unbekannt ist. Deshalb steht auf der „Leben und Tod“ auch immer ein Sarg, den man anfassen, bemalen und begreifen kann. Und wer Lust hat und mutig ist, darf sich auch mal reinlegen. Das macht ganz viel mit einem.

Die Veranstaltung findet in diesem Jahr zum 15. Mal statt. Wie hat sie sich in den vergangenen Jahren verändert?

Die Infostände sind bunter, die Angebote noch vielfältiger. Und es kommen immer mehr junge Menschen. Ich glaube, die Coronakrise hat das Thema noch mal mehr zurück in die Gesellschaft getragen. Und jüngere Menschen sind eher bereit, sich mit dem Lebensende auseinanderzusetzen. Das freut mich sehr.

Auf welches Highlight dürfen sich die Besuchenden in diesem Jahr freuen?

Wir suchen immer nach Prominenten, die uns helfen, die Menschen zur Auseinandersetzung mit dem Lebensende zu ermutigen. Wir durften schon Rolf Zuckowski, Margot Käßmann, Eckart von Hirschhausen und den Sänger Bosse bei uns begrüßen. In diesem Jahr wird die Comedienne Gaby Köster kommen. Sie hatte vor ein paar Jahren einen schweren Schlaganfall und hat sich ins Leben zurückgekämpft.

Weitere Infos: www.leben-und-tod.de

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