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23. August 2022

Tragbare Technologien

Smartwatch, Fitnesstracker und Co: Möglichkeiten und Grenzen der Trendgeräte

Viele Sportler nutzen sie bereits: Wearables. Zu den gängigsten tragbaren Technologien zählen Smartwatch, Fitnesstracker und Sportuhr, die die körperliche Aktivität und die Vitalfunktionen überwachen. Die Tracker können drahtlos mit einer Smartphone-App verbunden werden, um Daten zu speichern. Wir haben Dr. Götz Dimanski und Jana Holm vom ­RehaZentrum Bremen nach dem Nutzen der Geräte im Freizeitsport und in der Rehabilitation gefragt.

Viele Sportler nutzen sie bereits: Wearables. Zu den gängigsten tragbaren Technologien zählen Smartwatch, Fitnesstracker und Sportuhr, die die körperliche Aktivität und die Vitalfunktionen überwachen. Die Tracker können drahtlos mit einer Smartphone-App verbunden werden, um Daten zu speichern. Wir haben Dr. Götz Dimanski und Jana Holm vom ­RehaZentrum Bremen nach dem Nutzen der Geräte im Freizeitsport und in der Rehabilitation gefragt.

Die Angebote im Bereich der tragbaren Technologien für Freizeitsportler sind vielfältig. Welchen Nutzen bringen sie?

Götz Dimanski: Das ist abhängig von der Motivation. Wer Sport macht, braucht ein Ziel – und dann einen Plan, wie dieses am besten erreicht werden kann. Ein Fitnessarmband zum Beispiel kann dabei hilfreich sein und eine unterstützende Funktion einnehmen.

An welche Motivationen und Ziele denken Sie?

Dimanski: Ist die Motivation für den Sport das gemeinschaftliche Erlebnis in der Gruppe, haben Wearables keinen Nutzen. Anders sieht es aus, wenn zum Beispiel die Abnahme des Körpergewichts das Ziel ist oder der Wunsch an einem Marathonlauf teilzunehmen. Dann kann es durchaus hilfreich sein, die Vitalfunktionen des Körpers beim Sport im Auge zu behalten und Trainingszeiten sowie Intensitäten mithilfe smarter Technologie zu bestimmen. Die Wearables erfüllen zum Teil den gleichen Zweck, wie Stoppuhr und Kopfrechnen.

Erklären Sie das bitte.

Dimanski: Bevor es die tragbaren Technologien gab, wurde der Puls im Sport so bestimmt. Ich erinnere mich noch daran, wie Trainer ihre Olympiasieger im Rudern fit gemacht haben. Während des Trainings legten die Sportler zu einem bestimmten Zeitpunkt auf Zuruf des Trainers für 30 Sekunden lang zwei Finger an die Halsschlagader und zählten die Schläge mit. Der Wert mal zwei ergibt den Puls pro Minute. So konnte der Trainer die Intensität der Betätigung kontrollieren und gegebenenfalls variieren, um die Leistungen zu steigern. Das ist eine bewährte Methode im Sport.

 

Pulsmessgeräte sind auch im therapeutischen Training schon seit vielen Jahren beliebte technische Helfer. Wann ist es aus medizinischer Sicht ratsam, den Puls bei körperlicher Betätigung zu kontrollieren?

Jana Holm: In der Rehabilitation etwa sind die Bestimmung und die Steuerung der Herzfrequenz von zentraler Bedeutung. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von „gesundem Training“, bei dem bestimmte Intensitäten nicht überschritten werden. Die Herzfrequenz ist dafür ein aussagekräftiger Messwert.

Kommen Pulsmesser im Reha-Sport häufig zum Einsatz?

Holm: Ja, so können wir das gerade erwähnte „gesunde Training“ sicherstellen. Insbesondere in der kardiologischen Rehabilitation ist das so genannte Monitoring wichtig und Pflicht. Es sind mitunter Patienten nach einem Herzinfarkt oder mit einer neuen Herzklappe, deren Vitalfunktionen wir mithilfe technischer Geräte wie Pulsmesser und Elektrokardiogramm überwachen.

Die Vorteile des Monitoring haben Sie nun beschrieben. Die Technik entwickelt sich aktuell in rasantem Tempo weiter. Schrittzähler sind mittlerweile Standard-Anwendungen vieler Smartphones. Wie genau sind deren Messungen?

Holm: Leider sind die Ergebnisse in den meisten Fällen wenig aussagekräftig. Denn um ein vollständiges Bewegungsprofil zu erhalten, müsste man sein Smartphone pausenlos am Körper tragen und ausschließlich zu Fuß gehen. Radfahren oder andere körperliche Betätigung fließen in die Rechnung nicht ein, so dass das Ergebnis ungenau ist. Dafür bieten sich GPS-basierte Geräte an, die die zurückgelegte Distanz messen. Beim alltäglichen Training empfehle ich, auch auf körpereigene Signale, wie die Atmung, zu achten.

Apropos Körpergefühl: Kann eine permanente Überwachung dazu führen, dass man ebendies verliert?

Dimanski: Es gibt Beispiele aus der sportmedizinischen Literatur, die dies bestätigen. Wer etwa ganz stupide nach bestimmten Vorgaben trainiert, ignoriert explizit die Signale des eigenen Körpers. Daher kann es schon sein, dass das Körpergefühl in der persönlichen Wahrnehmung in den Hintergrund rückt. Es gibt aber auch gegenteilige Fälle, bei denen das Körpergefühl gerade mithilfe tragbarer Technologien erhöht werden kann. Und damit schließt sich der Kreis: Wir sind wieder bei der Eingangsfrage nach der Motivation angekommen. Wer mit der Anschaffung eines Hilfsmittels liebäugelt, sollte die Frage nach dem Ziel vorher genau beantworten. Sonst kann es gut sein, dass das Wearable nach drei Wochen in der Schublade verschwindet …

10.000 Schritte pro Tag gelten in vielen Fitness-Apps als „goldene Regel“. Ist dies ein sinnvoller Richtwert für ein gutes Maß an täglicher Bewegung?

Holm: Diese Zahl wurde irgendwann einmal willkürlich festgelegt und ich empfehle, sich nicht an dieser Zahl festzuklammern. Wer im Alltag wenig Bewegung hat und viel im Sitzen arbeitet, kann sich gerne von einer App motivieren lassen, um am Abend noch etwas Sport zu treiben oder einen Spaziergang zu machen.

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