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Foto: Adobe Stock
1. September 2020

Sauna-Mythen auf dem Prüfstand

Was Saunieren wirklich bewirkt

Um das Thema Sauna kursieren zahlreiche Halbwahrheiten und Irrglauben, die sich hartnäckig halten. Sportmediziner Dr. Götz Dimanski entlarvt im Interview weit verbreitete Irrtümer.

Um das Thema Sauna kursieren zahlreiche Halbwahrheiten und Irrglauben, die sich hartnäckig halten. Sportmediziner Dr. Götz Dimanski entlarvt im Interview weit verbreitete Irrtümer.

Das regelmäßige Schwitzen soll gesundheitsfördernd sein, Stress abbauen und auch in Sachen Schönheit eine probate Methode sein. Doch was ist dran an diesen Sauna-Mythen? Dr. Götz Dimanski klärt aus medizinischer Sicht darüber auf, welche Effekte das Saunieren tatsächlich auf den Körper hat.

Wer regelmäßig in die Sauna geht, wird seltener krank.

Das ist zutreffend, da der thermische Reiz das Immunsystem positiv stimuliert. Durch die Hitze weiten sich die Blutgefäße der Haut, der Körper beginnt zu schwitzen und die Herzfrequenz steigt. Der positive Effekt liegt darin begründet, dass der Körper lernt, auf thermischen Reiz zu reagieren und Temperaturunterschiede zu regulieren. Auf die Hitze in der Sauna folgt die kalte Dusche oder das Eisbad, und dieser Wechsel ist entscheidend. Das ist übrigens nicht nur in der kalten Jahreszeit wichtig, sondern das gesamte Jahr über.

Saunieren entschlackt das Gewebe.

Der Begriff „Schlacke“ kommt aus dem Umfeld der Kohleverbrennung und ist im Kontext der Physiologie insofern irreführend, als beim Saunieren keine Reststoffe im Körper abgebaut werden. Gesundheitsfördernd ist hingegen das Wechselspiel aus Stimulation während des Saunierens und der anschließenden Ruhephase.

Saunagänge machen schlank.

Wer in der Sauna schwitzt, wird später auf der Waage ein reduziertes Gewicht feststellen. Allerdings sollte man dem Körper anschließend unbedingt wieder Wasser zuführen, um nicht zu dehydrieren. Um Übergewicht zu verlieren, empfehle ich Bewegung und gesunde Ernährung. Die Sauna kann eine unterstützende Funktion einnehmen, um die Leistungsfähigkeit zu steigern.

Sauna strafft die Haut.

Das stimmt. Im Schweiß sind zum Beispiel Stickstoffverbindungen enthalten, die der Haut guttun. Um diesen Effekt zu erzielen, sollte man nach dem Schwitzen in der Sauna die Haut nicht mit Seife waschen, sondern nur mit Wasser.

Saunieren wirkt wie moderater Sport.

Das Saunieren hat einiges mit Sport gemeinsam. Die Thermoregulation wird trainiert, die Herzfrequenz steigt, der Blutdruck sinkt, der Körper schwitzt. Auf Ausdauer und Muskelkraft hingegen hat die Sauna, anders als Sport, keine Auswirkungen.

Saunieren baut Stress ab.

Richtig, der Körper wird durch regelmäßiges Saunieren stressresistenter. Das hängt damit zusammen, dass der Blutdruck sinkt, ähnlich wie bei einem Waldspaziergang oder beim Hören eines Violinkonzerts von Mozart. In der Sauna holt der Wechsel zwischen Hitze und Kälte den Körper aus seiner Wohlfühlzone heraus. Das verlangt ihm einiges ab und hat anschließende Erholungseffekte.

Saunieren nach dem Sport beugt Muskelkater vor.

Nein, das stimmt nicht. Sport und Sauna sind zwei belastende Aktivitäten, deren Kombination nicht ohne Weiteres unbedenklich ist. Okay sind zum Beispiel ein Maximalkrafttraining oder ein 20-minütiges Schwimmtraining mit anschließender Schwitzkur. Nach einem 15-Kilometer-Lauf empfiehlt sich die Sauna eher nicht, da beide Aktivitäten die Herzfrequenz steigern. Welche Kombination sinnvoll ist, und ob die Sauna Wechselwirkungen mit bestimmten Medikamenten haben kann, sollte man im Zweifelsfall immer mit dem behandelnden Arzt besprechen.

Dr. Götz Dimanski. Foto: RehaZentrum

Dr. Götz Dimanski betreute 23 Jahre als Mannschaftsarzt Werder Bremens Fußballer. Heute führt er die Geschäfte des RehaZentrum Bremen und praktiziert dort als Chefarzt der Abteilung für Sportmedizin und Physiotherapie. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind die nichtoperative Diagnostik sowie die Therapie von Erkrankungen und Verletzungen des Bewegungsapparats.

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