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23. Mai 2024

Element of Crime

Die Musiker über ihr neues Album und die Aufritte in der Glocke

Seit 1985 stehen Element of Crime für intelligente Texte mit vielseitigem Sound. Im April erscheint ihr neues Album ‚Morgens um vier‘.

Seit 1985 stehen Element of Crime für intelligente Texte mit vielseitigem Sound. Im April erscheint ihr neues Album ‚Morgens um vier‘.

Am 6. April erscheint Ihr neues Album „Morgens um Vier“. Was können Sie uns über den Entstehungsprozess sagen?

Sven Regener: Das neue Album entstand verteilt über das gesamte letzte Jahr. Wir durften parallel auch noch einige Nachholkonzerte spielen, die in der Pandemie nicht möglich waren. Daher auch der Abstand zum letzten Album. Wobei, fünf Jahre Abstand zwischen den Alben ist nicht ungewöhnlich bei einer Band wie uns. Wir haben schon viele Platten gemacht, das ist also ein relativ normaler Abstand.

Jakob Ilja: Seit 1986 machen wir Alben auf dieselbe Art und Weise: Wir kommen im Übungsraum zusammen und jeder bringt etwas mit, seien es zwei Akkorde oder eine Akkordfolge. Dann improvisieren wir bis zu dem Moment, an dem Sven eine feste Melodie oder Textzeile findet. Das ist der Moment, in dem das Lied eine konkrete Form angenommen hat. Und dann erst schreibt Sven den Text.

Sven Regener: Es gibt derzeit eine sehr gute Dokumentation, „The Beatles: Get Back“, die dreht sich um den Entstehungsprozess eines ihrer Alben. So muss man sich das auch bei uns vorstellen. Wer wissen will, wie unsere neue Platte entstanden ist, sollte sich diese Doku anschauen, es gibt nichts Besseres.

Zum Thema Film: Bei Ihren kommenden Konzerten in Berlin soll es ebenfalls Aufnahmen geben. Was soll am Ende daraus entstehen, ein Konzertfilm, eine Doku oder etwas ganz anderes?

Jakob Ilja: Der Schauspieler Charly Hübner hatte bei uns angefragt, er wollte gern einen Film über uns drehen. Er hat ein schönes Wort für das Projekt gefunden, eine Hommage. Das gefällt uns.

Sven Regener: Wir beginnen auf unserer Tour in Berlin zunächst in einem kleinen Club mit 200 Leuten und steigern uns im Verlauf der fünf Auftritte. Am Ende spielen wir dann in der Zitadelle. Auf diese Weise soll auch die Entwicklung von uns als Band nachgezeichnet werden. Wir kamen ja aus dem Nichts und spielten über die Jahre dann in immer größeren Sälen. Beim Film wollen wir aber im Detail nicht mitreden, das ist Charlys Projekt. Es wäre nicht gut, wenn wir da zu viel rein quatschen.

Die Schriftstellerin Eva Menasse sagte mal über Element of Crime: „Sie sind ein Lebensgefühl, ohne das die Welt weder denk- noch aushaltbar wäre.“ Was sollte Musik Ihrer Meinung nach aushaltbar machen?

Jakob Ilja: Kunst und Musik trösten, sie sind eine besondere Form von Zuflucht.

Sven Regener: Kunst und Musik versöhnen mit der eigenen Sterblichkeit, mit dem Rätsel und der Mühsal der eigenen Existenz. Die Kunst kann einem Abstand geben zu sich selbst, eine ganz große Sache.

Musik ist also lebenswichtig?

Sven Regener: Man kann Musik mit Essen vergleichen, beides brauchen wir zum Überleben. Die Musik, weil wir sonst, als die melancholischen Tiere, die wir nun einmal sind, Urlaub vom Ich brauchen. Ohne Musik kann ich mir ein Leben genauso wenig vorstellen wie ohne Essen.

Im Oktober kommen Sie für zwei Konzerte nach Bremen. Wie kam es zur Wahl der Glocke als Location für bestuhlte Konzerte?

Jakob Ilja: Wir haben bei unserer Suche nach einer passenden Location beides vereinen wollen: Sitzen und Stehen, das klappt aber in den wenigsten Städten. Die Glocke ist da ähnlich wie das Wiener Konzerthaus.

Sven Regener: Am liebsten sind uns natürlich teilbestuhlte Säle wie das Berliner Tempodrom. Aber die gibt es selten, auch in Bremen hat man da nicht so viele Möglichkeiten. Wir waren in den letzten Jahren immer im Pier 2, aber nicht alle Leute wollen über zwei Stunden stehen oder haben Lust auf diese Art traditionellen Rockschuppen. Stadthallen finden wir nicht attraktiv, also gehen wir in die Glocke. Die hat einen tollen Sound und einen großartigen Saal. Da muss man dann eben zweimal spielen.

Herr Regener, für Sie als gebürtigen Bremer: Wie groß ist die Vorfreude auf die Stadt?

Sven Regener: Ich liebe Bremen. Und in Bremen läuft es schon sehr lange sehr gut. Wir hatten mal das große Pech, ein Konzert in Bremen absagen zu müssen, das tat mir persönlich sehr weh. Ich mag die zentrale Lage der Glocke in der Stadt, die ist super erreichbar, auch das ist ein großer Vorteil. Und in Bremen habe ich auch noch Familie und alte Freunde, das ist besonders schön. Die Bremer sind Feier-Biester, auch wenn sie sitzen.

Freitag und Samstag, 6. und 7. Oktober, Glocke, 20 Uhr

Tickets gibt es hier.

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