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Foto: Paul Schirnhofer
23. Mai 2024

„Kunst hat die Aufgabe, unangenehm zu sein“

Serdar Somuncu kommt mit letztem Bühnenprogramm nach Bremen

Serdar Somuncu ist ein Künstler mit vielen Facetten: Er ist Kabarettist, Autor, Musiker, Regisseur, Schauspieler und Politiker, inszenierte mehr als 100 Theaterstücke und stand für diverse Schauspielhäuser auf der Bühne. Der selbst ernannte Hassprediger spielt nun seine Abschiedstour „Seelenheil – Das vierte Reich“, welche ihn auch nach Bremen führt. Wir sprachen mit dem provokanten Künstler über Grenzen des Humors, was er in Zukunft abseits der Bühne plant und worüber er lachen kann.

Serdar Somuncu ist ein Künstler mit vielen Facetten: Er ist Kabarettist, Autor, Musiker, Regisseur, Schauspieler und Politiker, inszenierte mehr als 100 Theaterstücke und stand für diverse Schauspielhäuser auf der Bühne. Der selbst ernannte Hassprediger spielt nun seine Abschiedstour „Seelenheil – Das vierte Reich“, welche ihn auch nach Bremen führt. Wir sprachen mit dem provokanten Künstler über Grenzen des Humors, was er in Zukunft abseits der Bühne plant und worüber er lachen kann.

Sie haben mal gesagt: „Wir brauchen mehr Wohlwollen und weniger Arg.“ Wie sehen Sie Ihre Rolle als Künstler in diesen Zeiten?

Wir Künstler kommentieren immer nur. Und das, was passiert, ist für uns Anlass, es zu tun. Warum es passiert und wie wir es verhindern können, kann ich Ihnen nicht sagen. Aber ich kann gemeinsam mit ihnen konstatieren, dass wir in einer Zeit leben, in der der Umgang rauer geworden ist. Vielen geht es nicht wirklich darum, etwas zu verändern, was unser Zusammensein verbessert, sondern den meisten geht es darum, sich selbst darzustellen. Das ist eine fatale Entwicklung zum Egoismus, die am Ende dazu führen wird, dass nur der sich durchsetzen wird, der am lautesten schreit und genug Anhänger findet, die mit ihm schreien.

Worüber können Sie heutzutage noch lachen?

Ich lache selten über irgendetwas, was ich sehe. Es sind eher die komischen Situation des Alltags, die mich zum Lachen bringen. Ich war noch nie ein großer Fan von Comedy und Kabarett, deshalb bin ich wahrscheinlich nicht der richtige Ansprechpartner. Für mich ist dieser ganze Müll einfach nur anstrengend und zuweilen auch unerträglich. Hin und wieder gibt es etwas, dass meine Aufmerksamkeit erregt. Das sind auf jeden Fall keine Comedians oder Kabarettisten. Besonders schlimm wird es, wenn sie sich verkleiden oder Dialekt sprechen.

Sollte Humor Grenzen haben? Und wenn ja, wo hört das Spaß Ihrer Meinung nach auf?

Für mich ist eine Grenze erreicht, wenn das, was man auf der Bühne sagt, persönlich wird und nur dazu gedacht ist andere Menschen zu beleidigen oder zu kränken. Wenn die Beleidigung aber Mittel zum Zweck ist, dann ist sie erlaubt, ja sogar erforderlich. Denn Kunst hat auch die Aufgabe, unangenehm zu sein und zu erschrecken. Wenn sie das nicht ist, dann verliert sie ihre Wirkung. Natürlich muss dabei der Künstler auch entscheiden, wie weit er geht. In meinem Programm mache ich diese Grenze immer sehr deutlich. Und wer schon einmal in meiner Vorstellung war, der weiß, dass es mir nicht um plumpe Provokation geht.

Ihr neues Bühnenprogramm „Seelenheil – Das vierte Reich“ führt Sie auch nach Bremen. Was darf das Publikum erwarten?

Ich habe keine Ahnung, weil ich immer improvisiere. Aber es schwebt mir schon etwas vor. Ich möchte in einer Zeit der übertriebenen Rationalität wieder mehr Emotionen fordern. Dazu gehört auch die Sehnsucht nach einer spirituellen Heimat. Dass es dabei aber natürlich um eine Persiflage geht, ist kein Geheimnis. Schließlich bin ich für die meisten Leute immer noch Kabarettist.

Stichwort Bremen: Haben Sie einen Bezug zur Hansestadt?

Ja sicher. Ich habe mal am Theater in Bremen gespielt und sogar in Bremen gewohnt. Ich habe mich dort immer sehr wohl gefühlt. Bremen ist für mich das schönere Hamburg.

Sie werden nach Ihrer letzten Tournee im Herbst keine weiteren Bühnenauftritte absolvieren. Wie sieht die Zukunft von Herrn Somuncu aus?

Im Moment mache ich mir darüber noch keine Gedanken. Aber es wird mir sicher etwas einfallen. Gott sei Dank bin ich ja mit einigen Talenten gesegnet und kann mir aussuchen, was ich mache. Auf jeden Fall werde ich nicht mehr auf der Bühne stehen oder irgendwelche Ereignisse kommentieren. Das Tagesgeschehen interessiert mich nicht mehr. Ich denke mehr im Großen und Ganzen.

Das Interview führte Max Stascheit

Donnerstag, 9. November, Pier 2, 20 Uhr

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