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Foto: Jörg Landsberg
#Theater
27. Februar 2026

„Krieg und Frieden“

Interview mit Armin Petras, neuer Intendant des Theater Bremen, Regisseur und Autor

Interview mit Armin Petras, neuer Intendant des Theater Bremen, Regisseur und Autor

Mit seiner Bühnenfassung von Lew Tolstois Monumentalwerk „Krieg und Frieden“ wagt sich Armin Petras an ein Unterfangen von wahrhaft epischen Ausmaßen. Schon mehrfach hat der Regisseur und Autor Werke des russischen Schriftstellers dramatisiert – diesmal bringt er mit dem Schauspielensemble des Theater Bremen eine Geschichte auf die Bühne, die zwischen Liebe, Macht und Tod oszilliert und die alles Menschliche in den Blick nimmt.

Herr Petras, Sie haben bereits „Anna Karenina“ und „Auferstehung“ auf die Bühne gebracht. Wie sind Sie an „Krieg und Frieden“ herangegangen?

Armin Petras: Das war tatsächlich der dritte Tolstoi, den ich
bearbeitet habe – und sicher der größte Brocken. Ich lese da, anders als ein normaler Leser, immer mit der Frage: Was lässt sich auf die Bühne bringen, was nicht? Das Projekt begleitet mich seit rund vier Jahren, vom ersten Lesen bis zur fertigen Fassung. Es ist ein gewaltiger Text, aber auch ein faszinierender Kosmos über das Menschsein im Ausnahmezustand.

Was war Ihnen bei der Dramatisierung besonders wichtig?

Mir ging es vor allem um die zentrale Frage: Was ist Krieg – und wo findet er statt? Nur an der Front? Oder auch zu Hause, in der Familie, am Arbeitsplatz? Tolstoi beschreibt ein gesellschaftliches Klima, in dem Gewalt und Konkurrenz bis ins Private reichen. Genau das wollten wir spürbar machen. Und natürlich ist das Stück durch die aktuellen Konflikte – Ukraine, Gaza – plötzlich wieder erschreckend gegenwärtig geworden.

Wie übersetzen Sie dies in eine theatralische Form?

Wir erzählen in einem Einheitsraum, aber sehr filmisch gedacht – mit schnellen Schnitten, mit Videos, fast ein bisschen wie bei einer Serie. Wir springen mitten in Szenen hinein und brechen sie manchmal abrupt ab. Dadurch entsteht Tempo, aber auch ein ständiger Perspektivwechsel zwischen Schlachtfeld und Wohnzimmer, zwischen öffentlicher und privater Front.

Fast das gesamte Ensemble steht auf der Bühne. Wie funktioniert so ein großes Projekt im Probenalltag?

Mit viel Humor und Geduld! (lacht) Natürlich ist im Winter immer jemand krank. Da wird jeden Morgen geschaut, wer da ist, und welche Szenen überhaupt geprobt werden können. Aber das Ensemble kennt sich gut und arbeitet sehr freundschaftlich. Man spürt, dass wir gemeinsam etwas Großes stemmen wollen – über 40 Rollen auf der Bühne, das ist schon opulent.

Tolstoi war ein Pazifist. Wie politisch ist Ihr Theater heute?

Theater ist immer politisch – selbst wenn es so tut, als wäre es das nicht. Mich interessiert, Konflikte auf der Bühne so radikal und emotional zu zeigen, dass das Publikum gezwungen ist, Stellung zu beziehen. Tolstoi schlägt uns Werte vor – Menschlichkeit, Zweifel, Verantwortung. Mein Ziel ist, dass sich das Publikum fragt: Welche Position nehme ich ein?

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