„Humor ist wie ein Regenschirm“
Bauchredner Sascha Grammel spricht im Interview über sein neues Programm „Wünsch Dir was!“
Mit „Wünsch Dir was!“ präsentiert Sascha Grammel sein neues Bühnenprogramm in Bremen. Im Interview spricht er über Humor für alle Generationen, den Reiz der Improvisation und darüber, warum zwischen viel Blödsinn auch berührende Momente ihren festen Platz haben.
Herr Grammel, Ihr neues Programm heißt „Wünsch Dir was!“ – was dürfen sich die
Zuschauerinnen und Zuschauer in Bremen davon ganz konkret wünschen?
Ganz einfach: Spaß, Spaß und noch mal Spaß! Wer möchte, darf sich natürlich auch wünschen, dass ich mal einen Abend lang meinen Text fehlerfrei aufsagen kann. (lacht) Das Ganze ist im Prinzip wie eine große Klassenfahrt, bei der niemand so richtig weiß, wer eigentlich der Lehrer ist. Kurz: Das Bremer Publikum erwartet also zweieinhalb Stunden purer, grammeliger Blödsinn zum Abschalten und Träumen.
Ihre Shows schaffen den Spagat aus völligem Blödsinn, großen Lachern und plötzlich sehr berührenden Momenten. Wie wichtig ist Ihnen diese Mischung?
Dieser Mix ist für mich das Herzstück. Die leisen Momente sind die nötige Pause zwischen all dem Unsinn. Denn bei allem Quatsch geht es am Ende immer auch um Freundschaft, Mut, Liebe und darum, dass Träume wahr werden können. Böse oder gemein wird es dabei nie. Dass trotz aller Sticheleien Zuneigung und Respekt spürbar bleiben, ist mir sehr wichtig.
Mit Ihren Puppen erschaffen Sie immer wieder ganz eigene kleine Welten. Gibt es eine Figur oder Szene, auf die Sie sich jeden Abend besonders freuen?
Wenn ich hier eine einzige Lieblingspuppe verraten würde, bekäme ich vermutlich Ärger mit den anderen! (lacht) Im Ernst: Das hängt sehr von meiner eigenen Stimmung ab. Bin ich frech und auf Krawall gebürstet, kommt mir Frederic gerade recht. Bin ich albern und skurril drauf, freue ich mich besonders auf Mieze oder Professor Hacke. Und in kuscheligen, harmoniebedürftigen Momenten trifft Josies wunderbar naive Art genau meine Stimmung. Obwohl ich jeden Abend mit dem Anspruch auf die Bühne gehe, die Show so perfekt wie möglich zu spielen, sind es am Ende oft gerade die Texthänger oder wilden Improvisationen, die für mich am lustigsten sind. Und bei „Wünsch Dir was!“ freue ich mich jeden Abend auch über einen Neuzugang: einen besonders niedlichen, hellblauen Shrimp aus Norwegen, der gleich seine überraschend große Familie mitgebracht hat. Herrlich!
Ihre Programme begeistern Kinder, Eltern und Großeltern gleichermaßen. Was ist Ihr Geheimnis, damit Humor generationsübergreifend funktioniert?
Eigentlich gibt es gar kein Geheimnis. Ich mache einfach das, was ich selbst lustig finde. Im Publikum läuft das dann oft so: Der Enkel lacht, weil ich mit angeklebtem Bart auf einem Känguru namens Achim über die Bühne reite, die Eltern lachen über die absurden Dialoge zwischen Achim und mir, und die Großeltern schunkeln und singen mit, wenn ich plötzlich einen Schlagersong präsentiere. Und ich lache, weil der Bart mal wieder nicht richtig klebt und ständig abfällt. Dass ich die Generationen auf diese Weise für einen Abend miteinander verbinden kann, macht mich wirklich glücklich.
Sie wirken auf der Bühne herrlich verspielt und improvisationsfreudig – wie viel Sascha Grammel steckt im Chaos, und wie viel ist bis ins Detail geplant?
Am Anfang steht immer das geschriebene Wort, an dem ich oft viele Monate oder sogar Jahre arbeite. Zur Premiere bin ich dem Text noch ziemlich treu. Später darf dann immer mehr improvisiert werden. Da meine Textsicherheit genetisch eher nicht so stark ausgeprägt ist, vergesse ich auf der Bühne regelmäßig etwas – und meistens geht auch sonst noch irgendetwas schief. (lacht) Aber genau daraus entstehen oft die schönsten und lustigsten Momente. Diese kleinen „Pannen“ sind für mich längst keine Fehler mehr, sondern eher Einladungen, spontan noch etwas Besseres daraus zu machen.
Wenn jemand noch nie bei einer Sascha-
Grammel-Show war: Warum ist „Wünsch Dir was!“ genau der richtige Einstieg, um Ihre Puppet-Comedy erstmals live zu erleben?
Wo Grammel draufsteht, ist auch Grammel drin – und „Wünsch Dir was!“ ist ein echtes Grammelsurium vom Feinsten: ein rundum lustiger Familienausflug mit allem Drum und Dran. Wer live erleben möchte, wie ich mit einem schielenden Adlerfasan über Schottland diskutiere, einem verrückten Professor die Spandauer Stulle übergebe oder mit einer naiv-niedlichen Schildkrötendame über das Glück träume, ist hier genau richtig. Mir ist bewusst, dass im echten Leben nicht immer alles leicht ist. Aber ich glaube fest daran: Humor ist wie ein Regenschirm – er verhindert nicht den Regen, macht ihn aber deutlich erträglicher. Wenn die Menschen am Ende mit einem guten Gefühl nach Hause gehen und merken, dass das Gute trotzdem seinen Platz in der Welt hat, dann bin ich ein glücklicher Bauchredner.