Zum Seitenanfang
Foto: Malmsheimer
3. Februar 2026

„Humor hat mit dem Herzen zu tun“

Im Gespräch mit dem Kabarettisten Jochen Malmsheimer

Im Gespräch mit dem Kabarettisten Jochen Malmsheimer

Er ist ein Meister der deutschen Kabarettkunst: Jochen Malmsheimer. Seine Auftritte zeichnen sich durch einen unverwechselbaren Wortwitz und eine beeindruckende Sprachgewalt aus, die sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken anregen. Mit seinem „epischen Kabarett“ entführt er sein Publikum in eine Welt voller sprachlicher Feinheiten
und tiefgründiger Metaphern. Einem größeren Publikum wurde er vor allem durch seine regelmäßigen Auftritte bei „Neues aus der Anstalt“ (ZDF) bekannt. Im Interview mit dem STADTMAGAZIN Bremen spricht er über seine Kunst, Inspirationen und seine Auseinandersetzung mit der Welt.

Sie sind bekannt für Ihre wortgewaltigen und humorvollen Auftritte. Wie schlau muss man sein, um Ihren Humor zu verstehen?

Humor hat mit dem Herzen zu tun und nicht mit dem Verstand. Wer schlau genug ist, eine Packung Haferflocken zu öffnen, kann auch über das lachen, was ich tue. Je mehr man weiß, umso schöner sind die Dinge, aber sie sind
trotzdem grundschön. Das hoffe ich auch für meine Arbeit. Natürlich gibt es Leute, die sind so intelligent wie eine elektrische Zahnbürste. Die lachen dann über andere Dinge.

Ihr Programm trägt den Titel „Statt wesentlich die Welt bewegt, hab ich wohl nur das Meer gepflügt – ein Rigorosum sondershausen“. Was verbirgt sich dahinter?

Die Programmtitel sind immer eine Art Rätsel, die sich im Laufe des Abends lösen. Es geht um Kommunikation, Sprechen, Zuhören, Verstehen und Nichtverstehen – und immer geht es um die Liebe. Was auf der Bühne im Einzelnen passiert, das weiß allein der Wind. Nur so viel: Es ist eine Art Abrechnung, vor allem mit mir selbst, in dieser vielschichtigen Welt. Und ich denke, es ist wichtig, auch mal einen Pflock einzuschlagen in diesen widerwärtigen Zeiten.

Welche Themen sind Ihnen aktuell wichtig?

Mir geht es um Grundsätzliches, darum, wie man mit sich und der Welt kommuniziert, was man für sich und andere bedeutet und was das auslöst. Diese Gedanken mache ich mir im täglichen Einerlei. Tagesaktuelles Geschehen interessiert mich nicht.

Sie kündigen thematisch unter anderem den „Fundamentalirrtum Radfahren“ an. Welchen
Bedarf hat das Bremer Publikum aus Ihrer Sicht?

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es überhaupt einen Bedarf dafür gibt. Es geht darum, wie ich meine Auseinandersetzung mit der Realität in Bilder kleide, und das Radfahren dient als Metapher, um andere Inhalte zu illustrieren. Das Bremer Publikum wird das genauso verstehen wie jedes andere. Ein paar Leute werden sich
bestimmt ärgern, aber das ist deren Bier und nicht meins.

Was verbinden Sie mit der Stadt?

Mit Bremen verbinde ich, dass ich vorher in Buxtehude bin und danach in Hamburg. Die Stadt ist mir egal, entscheidend sind die Menschen, die zu meinen Auftritten kommen. Wenn ich Zeit habe, erkunde ich aber gerne die Stadt.
Ich bin schon oft in Bremen gewesen und habe einige schöne Ecken gesehen, darunter das pittoreske Gelände hinter dem Bahnhof. Einladender kann man es städtebaulich nicht hinbekommen. „Eine Stadt sagt hallo“ denke ich jedes Mal,
wenn ich dort ankomme.

In Ihren Programmen spielen Sprache und Wortwitz eine zentrale Rolle. Woher nehmen Sie Ihre Inspiration für neue Texte und Programme?

Ich lebe in dieser Welt und nehme sie mit offenen Ohren und Augen wahr. Das alltägliche Leben und meine Kinder bieten mir dabei ständig neue Perspektiven. In Bezug auf meine Arbeitsweise vergleiche ich mich oft mit einer Komposttonne: Oben kommen Küchenabfälle rein und nach einer Weile kommt Blumenerde raus.

Weitere Beiträge