„Für mich ist das Stück ein Geschenk“
Michaela Schaffrath im Interview zum Theaterklassiker „Jedermann“ auf der Seebühne Bremen
Die Fragen nach Sinn, Vergänglichkeit und den wirklich wichtigen Werten im Leben stehen im Mittelpunkt von
„Jedermann“, dem berühmten Theaterklassiker nach Hugo von Hofmannsthal. Darin muss ein reicher Mann erkennen, dass Besitz und Macht am Lebensende nutzlos sind – nur Menschlichkeit und Mitgefühl bleiben. Anfang August kommt der Theaterklassiker auf die Seebühne Bremen. Teil des Ensembles: Schauspielerin Michaela Schaffrath. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen mit dem Stück und der Vorfreude auf ein echtes Heimspiel.
Wie kam es dazu, dass „Jedermann“ jetzt erstmals auf der Seebühne gespielt wird?
Michaela Schaffrat: Das war ein glücklicher Zufall! Im vergangenen Sommer haben wir bei den Thurn- und Taxis-Festspielen in Regensburg gespielt, und ich war begeistert vom Open-Air-Feeling vor großem Publikum. Als ich kurz darauf bei dem Konzert von Tom Jones auf der Seebühne war, kam mir die Idee: Warum bringen wir nicht den „Jedermann“ nach Bremen? Ich habe direkt an Ort und Stelle Jörn Meyer angesprochen und zwei Wochen später war alles fix.
Was bedeutet Ihnen die Aufführung in Bremen persönlich?
Für mich ist das ein echtes Heimspiel. Ich war bereits häufig als Gast bei der Seebühne, aber jetzt selbst dort zu spielen, ist ein tolles Gefühl. Bremen bedeutet mir viel, ich liebe die kurzen Wege und die Handschlagmentalität der Hansestadt. Außerdem freue ich mich, dass viele lokale Künstlerinnen und Künstler mitwirken und die Verbindung zwischen dem Stück und der Stadt so eng ist.
Seit wann sind Sie im Ensemble von „Jedermann“ dabei?
Ich bin seit der allerersten Inszenierung bei Potsdam im Jahr 2022 Teil des Ensembles und spiele von Anfang an die Werke. Seit letztem Jahr übernehme ich zusätzlich gemeinsam mit meiner Kollegin Alma Rehberg, die auch den Glauben spricht, die Rolle des Spielansagers.
Was macht „Jedermann“ für Sie so besonders?
„Jedermann“ ist einfach ein Klassiker, der nie an Aktualität verliert. Die Themen – Geld, Macht, Liebe, Verantwortung, Vertrauen – betreffen alle Menschen, unabhängig von Alter oder Herkunft. Jeder findet eine Rolle, mit der er sich identifizieren kann. Für mich ist das Stück ein Geschenk, das auch meine persönliche Sicht auf diese Fragen immer wieder beeinflusst.
Gibt es eine Szene oder einen Moment, der Sie besonders berührt?
Ganz eindeutig das Ende. Das Stück entwickelt sich von lautem Trubel und Oberflächlichkeit zu großer Nachdenklichkeit. Sobald am Ende der Todesengel auftritt und das Ensemble gemeinsam auf der Bühne steht, entsteht jedes Mal Gänsehaut. Das sind Momente, die auch für mich immer emotional sind.
Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit Regisseur Nicolai Tegeler?
Er hat eine tolle, ruhige Art zu inszenieren. Er weiß genau, was er will, aber lässt uns schauspielern und viele Freiheiten für eigene Ideen. Im Ensemble sind wir wie eine kleine Familie, und sogar abseits der Bühne bestehen enge Freundschaften.