"Die jüngste Tochter"
Religion, Queerness und Herkunft – junge Bremer Stimmen erzählen von Selbstfindung und Liebe
Am Theater Bremen feiert im April die Inszenierung „Die jüngste Tochter“ von Len Ghandour Premiere – ein vielstimmiges, sensibles Stück über Identität, Herkunft und Selbstliebe. Vorlage ist der gleichnamige Roman von Fatima Daas, in dem eine junge queere Frau algerischer Herkunft ihren Platz zwischen Religion, Familie und Begehren sucht. Ghandour (Regie, Text) und Canan Venzky (Dramaturgie) zeigen eine Fassung, in der alle jugendlichen Schauspieler:innen die Hauptfigur Fatima verkörpern und sich dadurch als Gruppe mit ihr verbinden. „Ich habe das Buch gelesen und sofort gedacht: Das ist Theater!“, sagt Ghandour. „Ich bin selbst syrisch-deutsch und queer, und konnte an vielen Stellen relaten. Es war mir wichtig, dass wir unsere Geschichten endlich selbst erzählen.“ Mit einem rein BIPoC-Ensemble (Black, Indigenous und People of Color) möchte Ghandour bewusst einen Raum öffnen, in dem „junge Menschen, die sich im Theater sonst selten repräsentiert sehen“, zu Wort kommen.
Darstellerin Liv Killing fand über einen Flyer den Weg ins Projekt: „Ich wollte wieder kreativ sein, in Bewegung kommen, neue Leute treffen. Und dann stand da dieser Titel – Die jüngste Tochter – das hat sofort was mit mir gemacht.“
Beim Probenprozess, erzählt sie, habe sie gelernt, „wie wichtig Liebe zu sich selbst ist – erst wenn man sich selbst akzeptiert, kann man andere wirklich lieben.“
Mohamed Airoutah, der als Praktikant Teil der Produktion ist, fand über denselben Weg zur Inszenierung: „Ich hab den Flyer gesehen und einfach gedacht: Das probiere ich mal. Dann hab ich gelesen, dass es um eine Familie aus Algerien geht – und ich konnte sofort relaten. Ich komme aus Syrien, bin dort geboren und aufgewachsen. Auch wenn meine Familie nicht besonders religiös ist, kenne ich dieses Gefühl, zwischen zwei Welten zu stehen.“
Thematisch bewegt sich die Inszenierung zwischen politischer und emotionaler Dringlichkeit – ohne dabei den Humor zu verlieren. „Natürlich gibt es ernste Momente“, so Ghandour, „aber wir brauchen auch Leichtigkeit. Fatima erlebt auch lustige, peinliche, ganz normale Teenager‑Situationen – das gehört dazu.“
Am Ende, sagt Ghandour, gehe es um Liebe in all ihren Facetten: „Wie zeigen Eltern Liebe? Wie lernen wir, uns selbst zu lieben, wenn unsere Umgebung uns oft das Gegenteil signalisiert?“„Die jüngste Tochter“ ist ein Stück ab 14 Jahren – für alle, die sich fragen, wo sie hingehören, und für alle, die bereit sind zuzuhören.
Premiere: Samstag, 18. April, 19 Uhr, Brauhauskeller/Theater am Goetheplatz