"Der Tower ist 'ne mega Location"
Romano im Interview zu seinem neuen Album „Körper“
Neue Platte, neue Energie: Romano meldet sich mit „Körper“ zurück – einem Album über Zunge, Beine, Herz und alles dazwischen. Im Interview spricht der Berliner über Entdeckungslust, schräge Ideen und warum Bremen für ihn der perfekte Ort zum Schwitzen ist.
Romano, Sie sind bekannt für einen wilden Genre-Mix – Schlager, Rap, Metal, Techno. Wenn Sie heute auf sich selbst schauen: Wer ist Romano 2026?
Ich fühl mich bis heute eher wie so ein Beobachter. Ich bin ja noch in der DDR groß geworden, hab da die Wendezeit mitbekommen – das war total prägend. Plötzlich hieß es: Die alten Geschichtsbücher stimmen nicht mehr, die Lehrer wechseln, neue Werte, alte raus – so eine Art Anarchie, aber auch eine totale Freiheit. Und in dieser Zeit kam alles auf einmal: Rap, Metal, Techno. Ich war wie ein kleiner Entdecker, der alles aufsaugt. Diese Offenheit hab ich mir irgendwie bewahrt. Ich mag’s, Sachen zu entdecken, statt mit dem Zeigefinger zu sagen: Das ist der richtige Weg. Ich weiß das ja selbst nicht. Ich geh einfach – und wenn’s mal durch ’ne Pfütze geht, gehört das auch dazu.
Am 20. Februar ist Ihr neues Album „Körper“ erschienen. Was war der Ausgangspunkt dafür?
Das kam eigentlich ganz spielerisch. Ich war bei ’nem Freund, wir hatten zwei, drei Bier und ich hab grad an einem Song über die Zunge gearbeitet. Ich fand das Wort irgendwie geil, dieses Z, das U, die ganze Eigenart daran. Und mein Produzent meinte dann: „Wenn du schon bei der Zunge bist, kannst du ja gleich weitermachen.“ Daraus ist „Körper“ entstanden – zwölf Stücke, zehn Songs und zwei Gedichte, über verschiedene Körperteile. Jeder Song hat so seinen eigenen Charakter.
Es hätte locker noch weitergehen können – Leber, Ellenbogen, Zehennägel (lacht). Vielleicht kommt irgendwann noch Teil zwei.
Ein Konzeptalbum über Körperteile – das ist heute eher ungewöhnlich. Warum dieses Format?
Bei mir war’s einfach ein künstlerischer Spaß. Mit meinem Produzenten Siriusmo hab ich schon ewig zusammengearbeitet – wir beide ticken ähnlich.
Uns war wichtig, dass das Ganze nicht wie ’ne Biologie-Lektion klingt. Es geht weniger um das Organ als um das, was es auslöst: Selbstbeobachtung, Emotion, Humor. Zum Beispiel im Song „Ohren“ hab ich zig Versionen gemacht, bis es so klang, dass man spürt: Das Problem sind gar nicht die anderen – ich selbst bin oft mein Lautstärkeregler.
In „Beine“ benutzen Sie militärische Bilder, es klingt fast wie ein Antikriegslied im Kinderlied-Gewand. Woher kommt das?
Das hängt mit meinem Vater zusammen. Er war beim Fernsehen der DDR Sprengmeister und Leiter der Waffenkammer – als Kind fand ich das total faszinierend. Ich bin durch die Requisitenräume gelaufen, hab mit Säbeln gespielt und Ritterhelme aufgesetzt. Später wurde mir klar, was Krieg wirklich heißt. Ich hab verweigert und Zivildienst auf einer Krebsstation gemacht. Mein Vater hat mich damals in den Arm genommen und gesagt: „Lieber Menschen helfen, als ’n Panzer putzen.“ Das war so ein Moment, der sich eingebrannt hat. Deshalb ist der Song eigentlich ’ne Kriegskritik – aber mit meiner Art, das leicht absurd zu verpacken.
Ein Song, der heraussticht, ist „Tabanaka“. Was hat es damit auf sich?
Den Titel hab ich erfunden (lacht). Ich war öfter in Sizilien und hab dort in Kirchen diese goldenen Reliquien gesehen – Hände, Haare, Finger in Glaskästen. Total skurril und beeindruckend. Ich hab gelesen, dass irgendwo in Rom ein Fuß der Maria Magdalena liegt. Und dann dachte ich: Das ist ein super Ausgangspunkt für ’ne Geschichte. Also hab ich mir den „Fuß des Tabanaka“ ausgedacht – heilig, glänzend, und irgendwie doch gruselig. Live kann man’s super mitsingen oder mitbrüllen.
Apropos live – im März treten Sie im Tower auf. Was erwartet das Publikum dort?
Brüche! Das ist das, was meine Shows besonders macht: Du weißt nie, was als Nächstes kommt. Vielleicht ’ne Ballade, dann plötzlich ’n Metal-Brett, dann wieder etwas völlig Zärtliches. Es wird darüber hinaus den einen oder anderen „körperlichen“ Gag auf der Bühne geben. Ich mag’s, wenn’s lebendig bleibt. Und der Tower ist ’ne mega Location! Ich war da schon mal: eng, stickig, alles nah dran – so liebe ich das. Ich mag, wenn man dem Publikum ins Gesicht sieht, wenn’s schwitzt und lacht. Das ist für mich das echte Konzertgefühl.