Comedian Oliver Polak: „Bremen war für mich das Tor zur Welt“
Im Gespräch über seine Clubtour, L.A. und den norddeutschen Humor
Ein Gespräch mit Oliver Polak verläuft selten nach Plan: Zwischen Tierarztbesuch in Los Angeles, Navi-Pannen und der Frage nach dem besten Rollo Bremens entfaltet sich das Porträt eines Comedians, der sein Publikum ebenso spontan wie gnadenlos ehrlich zum Lachen bringt. Polak lebt derzeit in Kalifornien, tritt regelmäßig in den legendären Comedyclubs Hollywoods auf und kehrt im Frühjahr mit seiner Clubtour nach Deutschland zurück. Im Mai macht er Halt im Lagerhaus Bremen. Ein Gespräch über Stand-up ohne Moralpredigt, norddeutschen Humor und die Kunst, Menschen einfach zum Lachen zu bringen.
Herr Polak, Sie kommen auf Ihrer Clubtour ins Lagerhaus. Was erwartet das Publikum?
Das ist immer die schlimmste Frage. Ich hasse das, ehrlich. (lacht) Ich bin Stand-up-Comedian – das heißt: Man erlebt mich auf der Bühne, nicht in der Inhaltsbeschreibung. Es wird auf jeden Fall ehrlich, direkt, manchmal hart, aber hoffentlich vor allem lustig. Ich trete in L. A. gerade fast jeden Abend auf – in der „Laugh Factory“, im „Comedy Store“ – und bringe das, was ich dort lerne, mit nach Deutschland. Das neue Programm ist also auch ein bisschen amerikanischer geworden: keine Pause, keine großen Gesten – einfach 75 Minuten purer Stand-up.
Was ist das Amerikanische an Ihrer Comedy?
In den USA wird Humor nicht dauernd hinterfragt. Man kommt in den Club, um eine gute Zeit zu haben – Punkt. In Deutschland wird oft erst mal analysiert: „Darf der das?“ oder „Was will er uns damit sagen?“ Ich will gar nichts damit sagen. Ich will, dass man lacht, abschaltet, vielleicht mal kurz vergisst, was da draußen alles schief läuft. Humor ist ja kein moralisches Werkzeug, sondern eine kleine Flucht.
Sie kommen aus Papenburg, leben teils in L. A. – und haben doch eine starke Verbindung zu Bremen …
Total! Für mich war Bremen das Tor zur Welt.
Als Teenager war das immer die Stadt, in der ich das Gefühl hatte: Da passiert was. Ich hatte Freunde, die im Tower gearbeitet haben, bin mit meiner Band Sternzeit aufgetreten, war im Café Litfaß frühstücken – das war für mich alles riesengroß. Und diese Erinnerung bleibt. Wenn ich jetzt im Lagerhaus auftrete, fühlt sich das ein bisschen wie Heimkommen an. Und ja, ich freue mich auch auf den besten Rollo der Welt nach der Show.
Was macht für Sie norddeutschen Humor aus?
Er ist trocken, ehrlich – und oft der einzige Weg, um Gefühle zu verpacken. Ich glaube, viele Norddeutsche machen Witze, um ihre Emotionen zu kompensieren. Das mag man „hart“ nennen, aber für mich ist das einfach die Realität. Kein Gag ist härter als das Leben selbst.
Was kann Comedy bewirken?
Sie bringt Menschen dazu, sich mal wieder schrottzulachen, bis der Bauch wehtut. Ohne Diskurs, ohne Analyse. Einfach lachen – das ist fast wie Therapie, nur billiger. (KW)
Freitag, 22. Mai, 20 Uhr, Lagerhaus
Über den Künstler
Oliver Polak, 49, ist Comedian, Autor, Musiker und Podcaster. Geboren in Papenburg (Emsland), bekannt geworden mit seinem Programm „Ich darf das, ich bin Jude“, gilt er heute als eine der eigenwilligsten Stimmen des deutschen Humors. Polak verbindet schonungslosen Witz mit feinem Gespür für Absurdes – mal böse, mal zärtlich. Er lebt zwischen Berlin und Los Angeles, wo er regelmäßig auf internationalen Comedybühnen auftritt.