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Foto: F. Pusch
#Kolumne – Matthias Höllings
13. August 2026

Zwei Bundespräsidenten

Unser Kolumnist Matthias Höllings kommentiert den Besucher zweier Bundespräsidenten in Bremen.

Unser Kolumnist Matthias Höllings kommentiert den Besucher zweier Bundespräsidenten in Bremen.

Neue Männer braucht das Land“, sang Ina Deter 1982. Das nahm sich Rio Reiser vier Jahre später zu Herzen und wollte „König von Deutschland“ werden. Die Fans von
Udo Lindenberg wollten ihren Udo als Bundeskanzler sehen. Hat aber nicht geklappt. Helmut und seine Ziehtochter Angela haben ihm die Tour vermasselt.

Bundespräsident wollte aus dem Show-Business damals keiner werden. Im Moment ist Hape Kerkeling im Gespräch.
Einer wurde es unfreiwillig doch – und das in Bremen. Drei Tage lang wurde 2010 der 20. Jahrestag der Deutschen Einheit gefeiert. Der Festakt in der heutigen ÖVB-Arena begann mit der „Festlichen Overtüre op. 96“ von Dmitrij Schostakowitsch. Nach der Rede des Bremer Bürgermeisters Jens Böhrnsen als Bundesratspräsident sollte dann der amtierende Bundespräsident Christian Wulff sprechen. Die Sicherheitsvorkehrungen in der
Bremen-Arena wurden an diesem 3. Oktober in ungeahnte Höhen geschraubt.

Um die Repräsentanten der Verfassungsorgane der BRD vor der riesigen Pressemeute zu schützen, wurden
neben BKA- und Rathausmitarbeitern auch zusätzlich einige Kollegen aus der Arena eingesetzt, darunter auch ich. Wir alle standen genau zwischen Bühne und erster Sitzreihe und hatten als „Abschirmdienst“ die Fotografen direkt im Nacken. Meine Position war genau einen halben Meter vor Angela Merkel.

 

Gleichzeitig zum Festakt moderierten im Europahafen auf der großen Bühne Anja Kwijas und Marcus Rudolph von Radio Bremen das Musikprogramm mit Hafenkonzert, David Garrett und Stefan Gwildis.

Zurück auf die Bürgerweide: In der vollbesetzten Arena wird das Saallicht heruntergefahren. Aus dem Off ertönt: „Meine sehr verehrten Damen und Herren – der Bundespräsident!“ Alle Gäste stehen auf, machen vor ihren Plätzen eine 180°-Drehung und folgen mit ihren Blicken dem Lichtstrahl des Scheinwerfers diagonal durch die Arena. Der Strahl trifft auf eine große Tür. Direkt daneben öffnet sich eine zweite Tür und ein junger Mann mit Pferdeschwanz, schlabberiger Jeans, lose sitzendem T-Shirt und Schnürstiefeln ohne Schnürsenkel tritt ein. Der Beleuchter ist irritiert, macht hektische Bewegungen und löscht das Licht.

Gelächter schwebt durch die Dunkelheit. Direkt vor mir sagt Angela zum ihr nebenstehenden Hans-Dietrich Genscher: „Das is’ er nich’!“ Stimmt, nicht der angekündigte Bundespräsident Christian Wulff, sondern der verspätet und von einem hilfsbereiten Ordner noch schnell in den Innenraum bugsierte Geiger David Garrett steht verdutzt mit erhobener Hand und Peace-Zeichen im Scheinwerferlicht. Licht aus – Licht an – Tür auf – und dann kommt der echte Wulff.

Jetzt kommen beide Ex wieder nach Bremen. David Garrett am 11. August auf die Seebühne und Christian Wulff am 29. September ins Theater am Goetheplatz. Hoffentlich klappt das.

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