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Foto: Friedhard Neumann
#Bremer Köpfe
31. Juli 2026

„Wir wohnen nicht nur in Gebäuden, sondern auch in Geschichten“

Der Bremer Investor Klaus Meier über die Überseeinsel, Stadtentwicklung und innovative Energiekonzepte

Der Bremer Investor Klaus Meier über die Überseeinsel, Stadtentwicklung und innovative Energiekonzepte

Wie wollen Menschen in Zukunft in Bremen leben – und was braucht ein Quartier, damit daraus mehr wird als ein neues Bauprojekt? Einer, der sich dieser Fragen annimmt, ist Dr. Klaus Meier. Der 61-jährige Bremer Rechtsanwalt gründete mit seinem Partner Gernot Blanke die wpd Windmanager GmbH und betreibt das Klimahaus Bremerhaven. Darüber hinaus ist er Geschäftsführer der Überseeinsel GmbH und damit Chefplaner für ein neues urbanes Stadtquartier direkt an der Weser. Im Interview mit dem STADTMAGAZIN spricht er über Geschichte und Identität von Orten, neue Energie- und Mobilitätskonzepte sowie die Überseeinsel als Reallabor für urbane Stadtentwicklung.

Herr Meier, wie würden Sie persönlich Bremen in einem Satz beschreiben?
Klaus Meier: Bremen ist für mich die großartige Metropole des Nordwestens: grün, landschaftlich stark, mit guten Infrastrukturen und großem Potenzial für weitere Verbesserungen, zum Beispiel bei Bildung und Sicherheit.

Als Investor mit mehreren großen Bauvorhaben treiben Sie die Bremer Stadtentwicklung wesentlich voran. Eines Ihrer Hauptprojekte ist die Überseeinsel, die Sie quasi als grüne Wiese übernommen haben. Worauf achten Sie bei der Entwicklung?
Unser oberstes Ziel ist Lebendigkeit — also keine Schlafstadt zu kreieren, sondern eine Stadt des Lebens, des Miteinanders, des Wohlfühlens. Dafür braucht es viele Infrastrukturen. Wir haben eine Grundschule schon im Betrieb, es wird eine Oberschule geben, drei Kindergärten, Sporteinrichtungen, zwei Schwimmbäder, ein großes Kunstzentrum, Gastronomie und viele Läden. Also alles, was man sich wünscht, wenn man die Augen schließt und sich fragt: Wie würde ich eigentlich gerne wohnen?

Woher nehmen Sie Ihre Ideen für Stadtentwicklung?
Natürlich aus vielen Köpfen im Team. Aber ich schaue mir auch andere Städte an und prüfe, wo urbanes Leben besonders gelungen ist. Wichtig war für mich Jan Gehl mit seinem Buch „Städte für Menschen“. Das ist für mich eine Art kleine Bibel. Und wenn man auf Städte schaut, die wirklich gut funktionieren, landet man schnell in Dänemark oder in den Niederlanden. Da sieht man, wie Stadt Spaß machen kann.

Sie interessieren sich für besondere Orte mit Geschichte und gestalten zum Beispiel auch die Alte Pathologie am Hulsberg um.
Warum?
Mich interessiert daran vor allem die Frage, wie Stadt umgesetzt wird und ob eine lebendige, heterogene Stadt am Ende nicht auch wirtschaftlich sinnvoller ist als monotone Strukturen. Ich bin optimistisch, dass gute Stadtentwicklung auch ökonomisch funktionieren kann, selbst wenn die Antwort im Detail nicht einfach ist. Damit Orte Menschen anziehen, helfen Lage, Wasser und Aussicht, aber auch Geschichte, Charme und Brüche statt glatt geplanter Beliebigkeit. Wir wohnen nicht nur in Gebäuden, sondern auch in Geschichten.

Wie sehr begleiten Sie bei der Entwicklung soziale Aspekte wie Teilhabe und Bezahlbarkeit?
Ich kann als Entwickler vor allem Bedingungen schaffen. Wie Menschen am Ende leben, sollen sie selbst entscheiden. Dafür wollen wir gute Grundlagen bieten. Wir setzen auf viele Mietwohnungen, auf unterschiedliche Wohnformen und auf einen Anteil geförderten Wohnungsbaus. Das sorgt für mehr Mischung. Gleichzeitig muss man ehrlich sagen: Es wird kein günstiges Quartier sein. Es wird eher oberhalb des Bremer Durchschnitts liegen. Lage, Qualität und Baukosten spielen dabei eine Rolle.

Nachhaltigkeit ist eines Ihrer zentralen Themen. Was bedeutet nachhaltige Stadtentwicklung für Sie konkret?
Dass man Dinge so baut, wie man sie heute vernünftigerweise bauen sollte. Also nicht mit Gas und Öl heizen, wenn man neu baut. Über Materialien nachdenken. Veränderungen mitdenken. Und Gebäude so errichten, dass sie lange stehen können, also 100, 150 Jahre oder sogar mehr. Nachhaltigkeit heißt für mich aber nicht nur Klimaschutz, sondern auch Wohlbefinden, Nutzbarkeit und Wirtschaftlichkeit.

Welche Rolle spielt dabei Energie?
Eine sehr große. Ein Schwerpunkt bei uns ist die Frage: Wie geht man mit Wärme, Kälte und Mobilität vernünftig um? Wir arbeiten mit Umweltwärme, hier zum Beispiel auch mit Flusswasser aus der Weser. Der Anspruch ist, solche Systeme nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll zu machen. Also Lösungen zu finden, die langfristig tragfähig sind.

Dazu gehört Bremens erster Klimaturm, eine vertikale Großwärmepumpe mit einer Grundfläche von fünf mal fünf Metern. Welche Bedeutung haben solche neuen Energieprojekte für die Stadtentwicklung?
Wir nutzen den Standort Bremen als Blaupause. Das Interesse aus vielen Städten ist groß, weil das eine spannende Lösung für dichte urbane Räume ist. Mit dem Klimaturm lässt sich auf wenig Fläche unhörbar Wärme erzeugen, anders als bei vielen Luft-Wasser-Wärmepumpen. Am Ende können damit rund 400 Wohnungen versorgt werden. Wenn das gelingt, ist das eine echte Innovation, die sich natürlich dann auch in anderen Quartieren einsetzen
lässt.

In das Energiekonzept eingebunden ist zum Beispiel die 2024 errichtete Eislaufbahn. Wie wichtig sind solche Freizeit- und Aufenthaltsangebote in den Quartieren?
Sehr wichtig — und wir sehen, dass die Eislaufbahn super angenommen wird. Auch bei den Schwimmbädern sehen wir klaren Bedarf, denn die fehlen in Bremen an vielen Ecken. Wenn man in einem Quartier wohnt, in dem man solche Angebote direkt nutzen kann, ist das ein echter Gewinn. Man kann attraktive Angebote schaffen, ohne dauerhaft riesige Kosten zu produzieren.

Muss man Stadtentwicklung neu denken?
Ja, schon. Ich komme nicht aus der klassischen Immobilienprojektentwicklung, aber darin liegt auch eine Chance. Wir versuchen, nicht zuerst zu fragen: Wie hat man das immer gemacht? Sondern: Was ist eigentlich die beste Lösung? Und dann erst schauen wir, ob sie wirklich teurer ist. Wir haben oft festgestellt, dass unkonventionelle Lösungen am Ende sogar wirtschaftlicher sein können.

Haben Sie dafür ein Beispiel?
Ja, unser Unterflursystem für Müll. Statt Müllräume in Häusern zu bauen, gibt es unterirdische Container. Das spart Platz, vermeidet Gerüche, verbessert das Stadtbild und ist auch für die Stadtreinigung effizienter. So ein Beispiel zeigt: Wenn man Dinge neu denkt, kann das für viele Seiten besser sein.

Ein weiteres großes Thema ist Mobilität. Wie sehen Sie die Zukunft in der Stadt?
Mobilität ist eine der zentralen Fragen von Stadtentwicklung. Wir müssen Lösungen finden, wie wir auf engem Raum mit Autos, Ladeinfrastruktur, Carsharing und Energieversorgung umgehen. Ich glaube nicht, dass man Menschen einfach sagen kann, sie sollen keine Autos mehr haben. Aber man kann Angebote schaffen, durch die weniger Autos nötig werden. Wenn Mobilität gut organisiert ist, steigt die Lebensqualität im Quartier deutlich.

Wie sehen Sie die Überseestadt im Jahr 2030?
Ich sehe das Potenzial, dass unser Bereich zu einem Zentrum der Überseestadt werden kann, mit Wohnen, Gastronomie, Kultur, Einkaufen und sozialer Infrastruktur. Spannend wird sein, wie die Menschen das annehmen und wie sie sich diesen Ort dann tatsächlich aneignen. Das kann man nicht komplett planen.

Blicken Sie mit Stolz auf dieses Projekt?
Ja, natürlich. So ein Projekt ist eine große Aufgabe und auch ein Risiko – für einen selbst, aber auch für Stadt und Stadtgesellschaft. Aber es ist eben auch eine große Chance. Und am Ende wird sich zeigen, ob Menschen hier wirklich gut leben können. Das ist der eigentliche Maßstab.

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