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Foto: Jean-Julien Beer
#Aus dem Herzen der Raute
30. September 2026

Werder ist eben anders

Unser Kolumnist Jean-Julien Beer über seinen Berufskollegen Hans-Günter Klemm

Unser Kolumnist Jean-Julien Beer über seinen Berufskollegen Hans-Günter Klemm

Nehmen wir mal an, Sie würden in einem kleinen Lokal Ihren Renteneintritt feiern. Es gibt Essen vom Grillbüffet, kühle Getränke – und dann hält draußen ein kleiner Bus mit der kompletten Vereinsführung des SV Werder Bremen, um mit Ihnen diesen besonderen Tag zu begehen. So erging es meinem Kollegen Hans-Günter Klemm, der für das Kicker-Sportmagazin sein Berufsleben lang über Werder berichtet hatte.

Dann ging der „ewige Werder-Klemmi“ vor ein paar Jahren in Rente. Als höflicher Mensch hatte er seine Kontaktleute in der Werder-Vereinsführung auch eingeladen. Aber mal ehrlich, wer rechnet denn als Otto Normalbürger damit, dass die wirklich kommen? Die von Werder machten es. Hubertus Hess-Grunewald als Präsident, Geschäftsführer Klaus Filbry, der damalige Sportchef Frank Baumann und Aufsichtsrat Marco Bode, auch Willi Lemke und Altmeister Max Lorenz: Sie alle fuhren von Bremen bis in ein kleines Dorf in der Nähe von Peine. 150 Kilometer vom Weserstadion entfernt mischten sie sich unter die Gäste und würdigten den langjährigen Werder-Reporter mit ihrer Anwesenheit und lieben Worten.

Seit 1978 hatte Klemm beim Kicker über Werder berichtet. Seine kritische, aber immer respektvolle Art kam bei den Leserinnen und Lesern und im Verein gleichermaßen gut an. Auch wenn er rund 25 Jahre älter ist als ich: Als er in Rente ging, war ich sein Chefredakteur beim Kicker und reiste deshalb von der Zentrale in Nürnberg zu seiner Feier. Im Showgeschäft Profifußball hatte ich bis dahin wirklich viel gesehen und erlebt, aber das nicht: dass die komplette Vereinsspitze eines Bundesligisten zu solch einer kleinen Feier kommt. Auch Uli Borowka schaute noch vorbei und unterhielt die Gäste mit lustigen Werder-Anekdoten. An jenem Tag merkte ich: Werder Bremen, der Verein, über den ich seit 2019 nun selbst berichte, ist nicht wie alle anderen.

Heute lebt der Rentner Klemm in Brasilien, er fand dort bei der WM 2014 sein privates Glück. Von Rio de Janeiro kam er nun zum ersten Heimspiel nach Bremen geflogen – und erlebte prompt den famosen 3:1-Sieg gegen RB Leipzig. „Vielleicht sollte mich Werder als Glücksbringer zu den Spielen einfliegen“, scherzte Klemmi. Für einen Moment dachte ich: Ausschließen kann man das nicht.

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