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Foto: A. Gumz
#Aus dem Herzen der Raute
19. Juni 2024

Vom Kugelblitz zum Freibad-Toni

Charmant und lässig: Ailton war der Gästeliebling bei der 125-Jahre-Feier des SV Werder in der Überseestadt.

Charmant und lässig: Ailton war der Gästeliebling bei der 125-Jahre-Feier des SV Werder in der Überseestadt.

Bei der 125-Jahre-Feier des SV Werder in der Überseestadt kam eine Menge Prominenz zusammen, aber keiner erfreute die 1000 Gäste so wie Ailton. Der frühere Stürmerstar lächelte den ganzen Abend, stand für Fotos zur Verfügung und machte mit kurzen Smalltalks viele Edelfans glücklich. Dass er an diesem feierlichen Abend zu spät in die Eventlocation „Alte Werft“ kam, lächelte er gekonnt weg: „Das Ailton, das normal.“ Die Zuhörer schmunzelten.

Bei Werder ist er eben nach wie vor eine besondere Nummer, vor allem wegen seiner 28 Tore, die wesentlich zum Gewinn des Doubles in der Saison 2003/04 beitrugen. Das sicherte ihm damals nicht nur den Gewinn der Torjägerkanone des „Kicker“-Sportmagazins (mit zwölf Treffern mehr als zuletzt Niclas Füllkrug), sondern führte zu einer besonderen Ehre: Als erster ausländischer Spieler überhaupt wurde der Brasilianer im Sommer 2004 zu „Deutschlands Fußballer des Jahres“ gewählt.

Doch einen glücklich strahlenden Bremer sieht man auf den Fotos von jener Ehrung nicht: Hinter einem viel zu großen Blumenstrauß und der goldenen Trophäe blitzt blauer Stoff hervor – Ailton war zwischenzeitlich zum Schalker geworden, die Ehrung durch den damaligen „Kicker“-Chefredakteur Rainer Holzschuh fand deshalb in Gelsenkirchen statt.

Eine Erfolgsgeschichte wurde das mit ihm und dem Revierklub dennoch nicht. Trotz 14 Ligatoren im ersten Jahr wurde er nicht richtig warm mit den Schalkern, vor allem nicht mit dem akribischen Trainer Ralf Rangnick. Dass man Ailton auf Schalke nicht „Kugelblitz“ nannte, sondern „Freibad-Toni“, hing damit zusammen: Als Ersatzspieler sollte er sich warmlaufen, legte sich aber lieber auf ein sonniges Fleckchen schräg hinter einem der Tore. „Wie im Freibad lag er da“, ätzte der fassungslose Rangnick. Ailton antwortete in einem „Kicker“-Interview auf seine Art: „Was ein Trainer sagt, geht bei Ailton links rein und rechts raus.“ Werders Thomas Schaaf hätte damit locker umgehen können. Rangnick nicht. Das Kapitel Schalke endete für den Spieler deshalb schneller als für den Trainer. Auf Schalker Jubiläumsfeiern wird man Ailton wohl eher nicht antreffen.

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