Und was is’ mit den Bremern?
Unser Kolumnist Matthias Höllings kommentiert die Bedeutung von Amerikanern, Frankfurtern und Bremern
Sabine und Bernd aus Kapstadt legten in ihrem Urlaub bei uns einen Zwischenstopp ein. Wir saßen abends beim Essen und starteten den üblichen Smalltalk: „Wie geht’s euch? Mistwetter, oder? Was machen die Kinder?“
Nach dem Essen arbeiteten wir uns dann gemeinsam mit unserem Besuch, der der deutschen Sprache durchaus mächtig ist, durch die tagesaktuellen Pressemeldungen. Sabine meinte: „Ich habe gelesen, dass die Amerikaner jetzt Grönländer heißen. Das verstehe ich inhaltlich nicht. Haben wir was verpasst?“ Wir konnten sie aufklären, dass es sich bei den „Amerikanern“ um flache Kuchenteile handelt, die in Deutschland in der Nachkriegszeit zwischen 1940 und 1950 aufgetaucht sind. Simples Zeug aus Mehl, Zucker, Ei, Fett, Milch oder Wasser und dem Triebmittel „Ammonium“ genannt, aus dem dann „Amerikaner“ wurden.
Aus Unzufriedenheit über die US-Regierung und deren geplante Inbesitznahme von Grönland seien einige Bäcker dazu übergegangen, diese Kuchenteile aus Solidarität mit den Inselbewohner:innen jetzt „Grönländer“ zu nennen. In diesem Zusammenhang wurde auch von Bäckern in Hannover berichtet, die die Teile fortan „Hannoveraner“ nennen. Obwohl – so konnten wir den beiden erklären – es sich bei diesem Begriff eigentlich um eine Pferderasse handelt.
Es wurde ein lustiger Abend, und wir landeten schnell bei den „Frankfurtern“, für die, so erklärten wir es den beiden, nur Schweinefleisch verwendet wird.
Gemeinsam fanden wir heraus, dass sie von einem Frankfurter Metzger in Wien erfunden worden sein sollten. Nicht zu verwechseln mit den „Wiener Würstchen“, die aus Rind und Schwein bestehen, komischerweise aber in Österreich „Frankfurter“ heißen.
Und schon waren wir beim „Hamburger“, den 1885 ein Typ namens Charlie Green, genannt „Hamburger Charlie“, in einem Kaff in Wisconsin verkauft hat. Zwei Scheiben Toast und eine Scheibe Rinderhackfleisch. Ich konnte aus meiner Kindheit in Hamburg berichten, dass diese Kreation mit zwei Brötchenhälften „Rundstück warm“ genannt wurde. Der rote Gesprächsfaden des Abends war damit gelegt. Und wir berichteten unserem Besuch auch, dass sie hier bei uns im Keller sogar noch „Engländer“ und „Franzosen“ finden würden – nicht als Gefangene, sondern als Werkzeuge. Bis zum „Pariser“ wäre es nicht weit gewesen, aber wir landeten bei Käse und Schinken und damit bei „Gouda“ und „Parma“.
Auf Nachfrage von Bernd erklärten wir den Kapstädtern auch, dass es nicht der, sondern die „Hamburg-Mannheimer“ heißt, da es sich nicht um einen Schnellzug, sondern um eine Versicherung handelt.
Nach „Champagner“, „Cognac“ und einem „Flens“ fragten die beiden: „Und was is’ mit den Bremern? Wir kennen in Kapstadt nur die Stadtmusikanten.“ Wir konnten nur antworten: „Schön, aber die sind wie ihr nicht von hier.“