Tipp für die Bremer Polizei?
Unser Kolumnist Matthias Höllings hat einen besonderen Hinweis für die Bremer Polizei
Karl Lagerfeld soll gesagt haben: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Kann sein, aber vom Outfit Rückschlüsse auf die Person zu ziehen, kann danebengehen. Als sich Ludwig van Beethoven vor den Toren Wiens verlaufen hatte und durch fremde Fenster sah, alarmierten die Anwohner die Ordnungshüter, weil sie sich von einem verwirrten Landstreicher mit zotteligen Haaren, altem Mantel und fehlendem Hut belästigt fühlten. Ein Freund musste ihn auslösen und seine „Echtheit“ bestätigen.
Auch Bob Dylan geriet 2009 im strömenden Regen bei einer Immobilienbesichtigung in New Jersey ins Visier einer jungen Streifenpolizistin, die ihn für einen Landstreicher hielt und ihm seinen Namen nicht abkaufte. Sein Manager holte ihn ab.
Um Geld für Konzerttickets zu sparen, habe ich mir den Spaß erlaubt, in dunklem Anzug, weißem Hemd, dezenter Krawatte und blank geputzten Schuhen bei einem Tote-Hosen-Konzert unkontrolliert durch den Seiteneingang in die Stadthalle zu gelangen. Hat geklappt. Man hielt mich für einen Mitarbeiter der Plattenfirma. Umgekehrt versuchte ich es bei einem Tina-Turner-Konzert. Ich schnappte mir einen Gitarrenkoffer und spazierte mit zerbeulter Jeans und schmuddeligem T-Shirt zielstrebig als Roadie in die Halle. Kleider machen Leute, oder?
Im Monacourlaub lautete der Dresscode: Krawattenzwang. Krawatten konnte man sich vor Ort unabhängig vom Outfit ausleihen. Für mich kein Problem: Als Kind musste ich auf Wunsch meiner Mutter sonntags ein weißes Hemd mit Fliege und blauem Jackett tragen. Später kam der Konfirmationsanzug, gefolgt von der Bundeswehruniform eine Dekade später. Da war AC/DC-Gitarrist Angus Young cleverer. Er behielt Zeit seines Lebens trotz kurzer Hose seine Schuluniform an.
Auch in anderen Lebensbereichen hielt die Uniformität Einzug. Als mein Vater mich nachts aus der Disco abholen sollte, beschrieb er mich mit den Worten: „Lange Haare, Jeans und ein olivfarbener Parka.“ Antwort des Türstehers: „Geh’n Se ruhig rein und such’n sich einen aus!“
Bei Familienfeiern ist der Dresscode ein heikles Thema. Statt Räuberzivil sind bei Hochzeiten immer noch Edelklamotten angesagt. Und bei Scheidungen? Vielleicht aus Erleichterung drei Kreuze auf dem Rücken?
Ein Tipp für die Bremer Polizei: Sollte diese am 25. Oktober beim Park Hotel einen grimmigen 85-Jährigen mit krausen Haaren auf einer Parkbank Mundharmonika spielen sehen, unbedingt Ausweis zeigen lassen. Wenn dort Robert Allen Zimmermann steht, den Typen sofort am Bühneneingang der ÖVB-Arena abgeben. Der wird als Bob Dylan gebraucht.