Schananananana
Unser Kolumnist Dirk Böhling erinnert sich an bekannte Ohrwürmer aus seiner Jugend.
Gelernt ist gelernt. Da kann man machen, was man will. Was einmal im Kinderkopf hängen geblieben ist, kriegt man als Erwachsener nicht wieder raus. Das gilt leider häufig für Dinge, die man wirklich nicht braucht.
Nehmen wir als Beispiel die Schlacht von Issos im Jahr 333 vor Christus. Viele erinnern sich bestimmt noch an den Reim „Drei, drei, drei – bei Issos Keilerei“, den sie in der Schule gelernt haben. Zack – drin im Kopf! Was ist aber mit den Punischen Kriegen oder der Völkerschlacht bei Leipzig? Also, ich muss da nachgucken.
Gut, es kann nicht schaden, zu wissen, wann es bei Issos rundgegangen ist. Aber gilt das auch für andere Textinformationen aus unserer Babyboomer-Kindheit? Sie ahnen es: Ich spreche vom deutschen Schlager. Der feierte bekanntlich seine größten Erfolge zu einer Zeit, in der wir uns alles merkten …
Wir können gerne einen Test machen, aber ich kann versprechen, dass dabei sicherlich drei bis vier Volltreffer herauskommen würden.
Weiter geht’s. Bei den Zeilen „Immer wieder sonntags kommt die Erinnerung!“ singen Sie bestimmt sofort „Dibbe-dibbe-dib-dib … Dib“ und ein lauthals geschmettertes „Ich bin wie du“ entlockt Ihnen sicher ein verzücktes „Ah-ha-ha“? Die Erkenntnis „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“ kommentieren Sie mit einem gesunden „Schananananana“ und den Satz „Er hat ein knall…“ machen Sie mit den Worten „…rotes Gummiboot“ komplett.
Was kommt Ihnen denn bei dem Satz „Es war ein schöner Tag, der letzte im August“ in den Sinn? Gar nichts? Nicht einmal „beo-beo-beo“? Ok, dann haben Sie „Es war Sommer“ wohl nicht mehr auf der Uhr.
Die Frage „Sag mal, von wo kommst du denn her?“ beantworten Sie im Schlaf mit „Aus Schlumpfhausen bitte sehr!“ und auf die Frage „Do you speak English?“ folgt bei Ihnen selbstverständlich ein „Honey, I do!“ Nein? Wie, nein? Gut, wenn ich jetzt aber die Augen leicht zusammenkneife, dabei ein „Ich schaff’ das schon irgendwie“-Gesicht mache und dazu die Silben „ha-ha-haha-hahaha-haha“ hauche, dann fällt Ihnen doch wohl hoffentlich die alte Holm-Regel „Tränen lügen nicht“ ein. Oder bin ich hier das einzige schlagerverstrahlte Babyboomer-Opfer meiner Kindheit? Sollte es Ihren Eltern tatsächlich gelungen sein, Sie von der Hitparade und anderen Schlagertext-Flüstertüten fernzuhalten?
Dann genießen Sie diesen Zustand der Glückseligkeit, ohne mit überflüssigen Textzeilen im Haupthirn durchs Leben zu gehen – aber Vorsicht! Auch heute gibt es Fallen, in die man tappen kann. Ich sage nur Hörfunkwerbung: Wenn Sie sich dabei erwischen, dass Sie genau wissen, wer repariert und austauscht oder wie dieses blöde Müsli heißt – ist es vielleicht schon zu spät.
Dann schon lieber Jürgen Marcus und Marianne Rosenberg – die sind wenigstens Kult!