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Dirk Böhling. Foto: FR
#Kolumne – Baby Boomer Böhling
23. Mai 2024

Rosis Nummer

Diesmal widmet sich unser Kolumnist Dirk Böhling den musikalischen Ohrwürmern der 80er-Jahre.

Diesmal widmet sich unser Kolumnist Dirk Böhling den musikalischen Ohrwürmern der 80er-Jahre.

Ein Sprichwort sagt: „Wer sich an die 80er-Jahre erinnern kann, hat sie nicht miterlebt.“ Das ist zwar lustig, aber natürlich auch vollkommener Blödsinn. Somit passt dieser Spruch doch wieder zu den 80ern – eine Dekade voller Unsinn, Quatsch und Spaß. Ein Jahrzehnt mit Schulterpolstern und Vokuhila, Poppern, Punkern, Teds und Norwegerpulli-Müslis. Hier der Nippel durch die Lasche, dort New Wave und Modern Talking und irgendwo dazwischen „Dallas“, „Schwarzwaldklinik“ und Tennisboom …
Tja, und dann war da ja auch noch diese neue deutsche Musik, der sich nur ganz wenige erwehren konnten. Es ging ganz harmlos mit einem „Da Da Da“ los, um sich, wie es Wellen laut Definition tun, schwingend auszubreiten und dabei Energie zu transportieren. So tat es auch die Neue Deutsche Welle (NDW). Und um bei dem eben zitierten Sprichwort zu bleiben: Alle, die sie erlebt haben, müssen bei mindestens einem Song aus dieser Welle schmunzeln, das Radio lauter machen oder sogar mitsingen. Wie Sie herausbekommen, wer sich noch an die NDW erinnern kann? Ganz einfach: Eine der leichteren Übungen ist zum Beispiel, dem Gegenüber ein lautes „Völlig losgelöst …“ entgegenzuschmettern – wer weitersingt, war dabei!
Dieser Test funktioniert übrigens auch mit Textzeilen wie „Und ich düse, düse, düse, düse im Sauseschritt …“, „Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt …“ und „Dra di net um …“.

Alternativ können Sie aber auch ganz unbedarfte Fragen stellen, um herauszufinden, ob sie oder er mit Ihnen auf der gleichen Wellenlänge schwimmt. „Wie klang noch das Geräusch, nachdem man sich tausend Mal berührt hatte und tausend Mal nix passiert war?“ und „Hey, hey, hey, welche Farbe hatte noch dieser Reiter?“ Fortgeschrittene Wellenreiter wissen sogar noch die Antwort auf „Gibt es eigentlich ein Lied über Spaghetti mit Käse, Speck und Eiern?“, „Wie schnell fuhr der Maserati von Marcus, als er Spaß hatte?“ oder „Worauf schrieb Ina Deter, dass das Land neue Männer braucht?“
Eine Frage, die übrigens immer funktioniert, ist die nach einer ganz bestimmten Telefonnummer. Dazu muss ich erwähnen, dass ich sehr viele Nummern, die ich einmal kannte, komplett vergessen habe. Man kann mich jetzt aber tatsächlich nachts wecken und mir die Frage stellen: „Wie war nochmal die Nummer von Rosi?“ Wie aus der Pistole geschossen sprudelt „Zwounddreißigsechzehnacht“ aus mir heraus. Dieser Telefonanschluss entstammt auch so einem NDW-Klassiker. Und wenn ich Ihnen jetzt noch verrate, dass unter dieser Nummer „Konjunktur die ganze Nacht“ herrscht, dann wissen Sie Bescheid. Es muss irgendwo in meinem Hirn eine Schublade mit der Aufschrift „Unnützes Wissen“ geben und sie muss sehr groß sein!
Wollen Sie vielleicht noch wissen, wie die beiden Anwälte der Familie Ewing, die Kinder der Waltons oder die Hunde von Magnum hießen? Diese Infos liegen in der eben zitierten Schublade gleich neben Rosis Nummer. Warum ich mir so etwas merke? Ich weiß es nicht, ich weiß nur, dass ich damit nicht allein bin – und das beruhigt.

Die aktuelle Kolumne von Dirk Böhling gibt es in der neuen Folge STADTMAX

In der zehnten Ausgabe von STADTMAX präsentieren Max Stascheit und Michaela Schaffrath wieder das Maximale aus Bremen.

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