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Foto: A. Zuchold
#Kolumne – Baby Boomer Böhling
13. August 2026

Rechts vor links

Unser Kolumnist Dirk Böhling erinnert sich an seine Fahrprüfung.

Unser Kolumnist Dirk Böhling erinnert sich an seine Fahrprüfung.

Es war ein dunkelblauer Golf I, in den ich 1982 einstieg, um meinen grauen Papierlappen – auf dem bereits die alte Fahrerlaubnis der Klasse 4 unter einem jugendlichen Foto von mir vermerkt war – zu erweitern. Mit dieser durfte ich zwar mein Mokick fahren, aber kein Auto. Nun sollte der nächste Schritt in Richtung Freiheit folgen. Der erste eigene fahrbare Untersatz, ein Opel Ascona A in Brillant-Signal-Ocker, war bereits ausgesucht und angezahlt.

Auf also zur Klasse 3, dem guten alten Autoführerschein – oder, fachlich korrekt: der Fahrerlaubnis für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht bis 7,5 Tonnen. Damals zu erwerben für ganze 1.300 Mark! Die von mir gewählte Fahrschule galt als „locker“ – was auch immer das heißen mochte. Mein Fahrlehrer, Herr Arp, war ein kleiner, lustiger Mann. Seine ersten Worte aus der ersten Fahrstunde habe ich nie vergessen. Nicht etwa, weil sie tiefsinnig oder für das Führen eines Pkw von entscheidender Bedeutung gewesen wären, sondern weil sich herausstellte: Sie waren sein Markenzeichen.

Herr Arp setzte sich zu Beginn einer jeden Fahrstunde auf den Beifahrersitz, und bevor er die typischen Dinge wie Kupplung treten, Gang einlegen, Handbremse lösen, Innenspiegel, Außenspiegel, blinken, Schulterblick und losfahren ansagte, fragte er immer: „Schmöken Sie?“ Wer mit „Ja“ antwortete, bekam ein „Dann kriegen Sie später eine“ zu hören. Und wer verneinte, erhielt ein „Aber ich darf ja, was?“. Dann steckte sich Herr Arp eine Lord Extra an, kurbelte das Fenster herunter und meinte gemütlich: „Na, dann wollen wir mal losfahren!“

Anschließend lehnte er sich zurück, sang leise ein „Dü Dü Dü Düdüdüüü“ vor sich hin – und wenn man Glück hatte, fädelte sich der Wagen elegant in den Straßenverkehr ein. Dieses Ritual wiederholte sich in jeder Fahrstunde. Nur bei der Prüfungsfahrt blieb die Zigarette stecken – dafür rauchten nach bestandener Prüfung Fahrlehrer und Prüfer gemeinsam. Auch im Theorieunterricht zeigte Herr Arp gelegentlich Entertainerqualitäten. Uns kamen oft die Tränen vor Lachen, während er selbst nicht verstand, was so komisch war. Beim Thema Abblendlicht erklärte er völlig ernst, man müsse „auch abblenden, wenn einem ein Schiff entgegenkommt“. Seine Erklärung, dass es Straßen gibt, die direkt an einem Kanal liegen, hörten die meisten nicht mehr.

Theoretische Fragen, die sich nicht logisch erklären ließen, kommentierte er trocken: „Das ist so – und es gibt Prüfer, die wollen das wissen.“ Auf die Theorie folgte die praktische Prüfung: ein voll besetzter Golf, mit Herrn Arp auf dem Beifahrersitz, dem Prüfer und einem weiteren Fahrschüler hinten. Draußen Schneetreiben. Auf dem Programm: Anfahren am Hang bei Glätte, rückwärts einparken mit beschlagener Heckscheibe – traumhaft! Nach 40 Minuten war alles geschafft: Prüfung bestanden! Ich saß auf der Rückbank, nahm eine Lord Extra von Herrn Arp und summte leise ein „Dü Dü Dü Düdüdüüü“ vor mich hin. Soll noch einer sagen, ich hätte aus der Fahrschule nichts mitgenommen!

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