Zum Seitenanfang
Foto: FR
#Bremer Orte
13. August 2026

Perspektivwechsel

Soziale Stadtführung der Inneren Mission

Soziale Stadtführung der Inneren Mission

Tausende Menschen drängen täglich durch die Hallen des Bremer Hauptbahnhofs, um von A nach B zu kommen. Doch nicht für alle ist es ein Ort des Ankommens oder Weiterreisens, sondern Lebensmittelpunkt. Das Projekt „Perspektivwechsel“ der Inneren Mission Bremen beleuchtet dieses Thema im Rahmen einer ganz besonderen Stadtführung. Ehemals oder aktuell obdachlose Menschen zeigen den Teilnehmenden dabei „ihre“ Orte im Umfeld des Hauptbahnhofs: Plätze, die Schutz bieten, Wege, die Sicherheit versprechen, und Routinen, die durch den Tag helfen.

Seit 2005 gibt es die Touren, etwa 450 haben laut Moritz Cavigelli, Leiter Unternehmenskommunikation der Inneren Mission, bisher stattgefunden. „Entstanden ist das Projekt aus wiederkehrenden Fragen von Leser:innen der ‚Zeitschrift der Straße‘“, erklärt Cavigelli. Viele wollten wissen, wie Menschen auf der Straße leben, welche Herausforderungen ihren Alltag prägen und welche Hilfsangebote es gibt. Aus diesem Interesse und durch Kontakte zum Landesinstitut für Schule sei die Idee gereift, einen unmittelbaren Einblick zu ermöglichen.

Mittlerweile werden die Führungen auch gezielt im schulischen Kontext genutzt, um Vorurteile abzubauen und Empathie zu fördern. Rund 50 Bremer Schulklassen nehmen laut Cavigelli jährlich teil.

Normalerweise können die „Perspektivwechsel“-Touren nur von vollständigen Gruppen mit bis zu 25 Personen gebucht werden. Anlässlich von 15 Jahren „Zeitschrift der Straße“ öffnet die Innere Mission das Format jedoch auch für Einzelpersonen. Welche Wirkung die Führung entfalten kann, beschreibt Teilnehmerin Julia so: „Eindrücklich für mich war, wie die Lebensumstände geschildert wurden: dieses andauernde Ringen um Würde.“ Die Guides machten das Bahnhofsviertel aus der Perspektive obdachloser Menschen erfahrbar und schärften den Blick auf den eigenen Umgang mit ihnen.
Wer helfen möchte, kann sich nachhaltig einbringen– etwa durch freiwilliges soziales Engagement in der Bahnhofsmission oder im „Frauenzimmer“, durch Sach- und Geldspenden für die Streetwork oder durch die Unterstützung der „Perspektivwechsel“-Touren.

Weitere Beiträge