Orientierungslos
Unser Kolumnist Matthias Höllings kommentiert die Raffinessen von Google-Maps.
Alle Wege führen nach Rom, aber die „Römerstraße“ führt ins Bremer Viertel. Von dort Richtung Süden – kann aber dauern. Und wie orientiert man sich, wenn es Richtung Norden gehen soll? Handy schnappen und Zielort eingeben. Doch auch bei Google-Maps ist ein wenig Allgemeinwissen und Orientierungssinn hilfreich, wie eine Schulklasse aus Süddeutschland kürzlich erfahren durfte.
Der Lehrer hatte eine Klassenfahrt nach Norddeich geplant. Nicht mit dem Schiff, sondern per Bus. Nach endlosen Stunden waren sie in Ostfriesland gestrandet, aber weder Busfahrer noch Lehrer fanden vor Ort die gebuchte Unterkunft. Sie waren an die Nordseeküste gefahren, hatten aber bei der Ortsbezeichnung nicht das Bundesland ins Navi eingegeben. Norddeich in Schleswig-Holstein hätte es sein sollen. Nicht in Niedersachsen, sondern im Kreis Dithmarschen wäre ihr Ziel gewesen. Manchmal ist man bei der Ortsangabe aber auch einfach zu schnell mit dem Klick auf „Bestätigen“.
Vor ein paar Wochen ist einem Freund von mir im ostfriesischen Norddeich per Handy ebenfalls ein Missgeschick passiert. Er reservierte beim neuen Italiener Portobello einen Tisch für vier Personen, war pünktlich vor Ort und bekam zur Antwort: „Tut uns leid, alle Plätze besetzt!“. Bei seinem erneuten Blick auf sein Handy entdeckte er ein gleichnamiges Lokal in Flensburg. Zum Essen eindeutig zu weit. Also Augen auf bei der Eingabe, um Dopplungen zu vermeiden.
Da verwundert es dann auch nicht, dass es sich bei einer Sperrung vom Berliner Tor gar nicht um Berlin handelt, sondern um einen Verkehrsknotenpunkt in Hamburg, der an den Stadtteil Borgfelde grenzt. Nicht zu verwechseln mit Borgfeld in Bremen. Deshalb wurde in Hamburg auch nicht die Bremer Bürgerweide gesperrt, sondern nur die gleichnamige Straße. Und wer in der Spiekerooger, Leerer und Auricher Straße herumirrt, ist noch lange nicht in Ostfriesland, sondern befindet sich in Bremen-Walle. Ähnliches gilt auch für Planten und Blomen. In Bremen sollte man wissen, dass dies eine Straße in der Nähe des Krankenhauses Links der Weser ist und nicht die Parkanlage in Hamburg.
Bei der Reeperbahn denkt jeder sofort an St. Pauli. Doch auch Bremen kann da mithalten, obwohl sich die beiden Straßen der Hansestädte doch erheblich voneinander unterscheiden. Trotzdem findet man auch im Bremer Ostertor-Viertel eine St.-Pauli-Straße. Wer verliert da nicht die Orientierung? Vielleicht ist ja für absolute Blindfische ohne jeglichen Orientierungssinn in Bremen die Maulwurfsallee gedacht? Hieß die eventuell früher mal Grabowski-Weg? Aber warum die Bremer Stadtmusikanten orientierungslos in der Gegend umhergeirrt sind und es nicht bis in die Bremer-City geschafft haben, erklärt sich mir jetzt langsam. Sie hatten kein Navi, und der Stadtmusikantenweg liegt weit draußen – In den Wischen.