Zum Seitenanfang
Dirk Böhling. Foto: FR
#Kolumne – Baby Boomer Böhling
19. Juni 2024

Namen aus der Flimmerkiste

In diesem Monat sinniert unser Kolumnist Dirk Böhling über den Einfluss von TV-Figuren auf die Namensgebung und kommt zu dem Schluss: Nicht alle Vornamen aus Kino und Fernsehen eignen sich für den privaten Gebrauch.

In diesem Monat sinniert unser Kolumnist Dirk Böhling über den Einfluss von TV-Figuren auf die Namensgebung und kommt zu dem Schluss: Nicht alle Vornamen aus Kino und Fernsehen eignen sich für den privaten Gebrauch.

Mal ehrlich, wie lange haben Sie dieses Wort nicht mehr gehört: „Flimmerkiste“? Ich weiß auch nicht, woher dieser Begriff gerade kam, aber als Kind habe ich diesen Namen für den Fernseher öfter gehört. Apropos Namen: Vor 50 Jahren, also 1974, lernte die junge Fernseh-Zielgruppe wieder ein paar neue Namen kennen und einige davon fanden später sogar ihren Weg in bundesdeutsche Standesämter. Ilva, Thjure und Finn zum Beispiel waren eigentlich Kinder aus Flake und allesamt Freunde des kleinen rothaarigen Wikingerjungen Wickie, aber diese Namen sind wohl bei einigen Baby-Boomer-Kindern hängengeblieben – und als die dann selber Kinder bekamen, fielen sie ihnen wieder ein.

Dasselbe gilt für Freddy aus dem „Kli-Kla-Klawitterbus“, für Bella aus der Familie Barbapapa und Henry und Ben aus dem Weihnachtsvierteiler „Zwei Jahre Ferien“ – alle aus dem Jahr 1974. Zwei Jahre vorher hatte es bereits eine ganze Flut von Kindernamen im deutschen Fernsehen gegeben, als sich immer wieder sonntags die Familie Walton mit ihren sieben Nachkommen im Sägewerk „Gute Nacht“ sagte. Ich habe neulich bei dem Namen eines Radioreporters vom WDR aufgehorcht, dessen Eltern mit Sicherheit große Waltons-Fans gewesen sein müssen. Der heißt nämlich tatsächlich Jim-Bob.

Ebenso klar dürfte es auch sein, wer für die Vornamen von jungen Frauen namens Whitney und Jamie-Lee Pate gestanden hat.

 

Es ist wahrscheinlich, dass während Mamas Schwangerschaft „Ein Fisch namens Wanda“ und „Bodyguard“ im Kino liefen. Da kann ich nur sagen: Glück gehabt! Man stelle sich mal vor, die werdenden Eltern hätten stattdessen andere Filme geguckt. Dann gäbe es vielleicht heute einen E.T. Schneider, Terminator Eiermann oder Tootsie Hagedorn.

Überhaupt eignen sich nicht alle Vornamen aus Kino und Fernsehen für den privaten Gebrauch. Festus, Alf, Uhura oder Mogli könnte man zur Not noch durchgehen lassen, aber von Pumuckl, Schweinchen Dick und Krümelmonster würde ich doch dringend abraten. Andere Namen dagegen haben selbstverständlich ihren Weg in die Register gefunden: Maja und Willi, Tom und Jerry, Stan und Olli – ja sogar Lolek und Bolek haben sicherlich hier und da einmal Schulbänke gedrückt. Von Hanni und Nanni, Tommy und Annika oder Felix und Oscar mal ganz zu schweigen.

Trotzdem gilt: Augen auf bei der Namensgebung aus den Medien! Das kann auch ganz schnell mal nach hinten losgehen. Zum Beispiel dann, wenn gut gemeinte Taufen von der technischen Realität überholt werden. Fragen Sie mal die Alexas und Siris, die schon so hießen, als noch niemand wusste, was eine Sprachassistenz ist. Ich warte übrigens immer noch darauf, dass mal jemand auf die Idee kommt, sich den einen oder anderen Namen aus den Fernsehserien unserer Kindheit für Dienstleistungszwecke auszuleihen. Hat noch keiner gemacht – oder haben Sie schon einmal irgendwo ein Hutgeschäft „Pan Tau“, einen Friseursalon „Kojak“ oder eine Augenarztpraxis „Clarence“ gesehen? Ich nicht!

Weitere Beiträge