Motor und Muffe kaputt
Unser Kolumnist Jean-Julien Beer erinnert sich an das denkwürdige Werder-Spiel am 6. August 2004.
Es gibt Begriffspaare im Fußball, da weiß jeder Fan sofort, was gemeint ist. Schalke und vier Minuten zum Beispiel, das steht für die knapp verpasste Meisterschaft 2001. Freiburg und Golfball, da kommen die Bilder hoch vom blutenden Oliver Kahn im Bayern-Tor. Und dann gibt es Werder und die Muffe: ein Saisonstart, den keiner vergessen wird, der im Weserstadion dabei war – was für mich ärgerlicherweise nicht galt.
Es war der 6. August 2004. Als Deutscher Meister durften die Bremer die neue Saison am Freitagabend eröffnen – ausgerechnet gegen die Schalker, die Werder gerade Ailton und
Mladen Krstajic weggeschnappt hatten. Ich war damals der Schalke-Reporter des „Kicker“-Sportmagazins und sollte von diesem Spiel berichten. Von meinem Wohnort Köln fuhr ich so zeitig los, dass ich locker gegen 19 Uhr am Osterdeich gewesen wäre. Doch auf der A1 zwischen Remscheid und Dortmund ging en der Motor aus und eine rote Lampe an.
Also Warnblinker an, vorsichtig auf die Standspur – und fluchen. Ich wollte unbedingt zum Spiel. Ich startete den Motor neu. Er lief! Mit Tempo 100 ging es auf der rechten Spur weiter in Richtung Bremen.
Doch der Motor ging wieder aus, zum Glück in Höhe eines Parkplatzes. Ich schob den Wagen dorthin und machte zwei Anrufe: ADAC und Hans-Günter Klemm, in Bremen eine „Kicker“-Reporterlegende. Klemmi beruhigte mich: „Vielleicht schaffst du es ja noch. Ich warte im Stadion.“
Doch der ADAC brauchte Zeit. Und dann kam der gelbe Engel zu keinem guten Ergebnis: „Also, ich würde damit nicht mehr bis Bremen fahren, sondern vorsichtig nach Hause.“ Ich sagte Klemmi Bescheid. Um 20.30 Uhr, als im Weserstadion der Ball rollen sollte, rollte ich immer noch langsam nach Köln. Da rief Klemmi an: „Im Stadion ist der Strom ausgefallen. Der Anstoß verspätet sich.“
Erst hieß es, Bauarbeiter hätten ein Kabel beschädigt. Später kam raus, dass eine Starkstrom-Muffe durchgebrannt war. Als ich um 21.30 Uhr zu Hause war und den Fernseher einschaltete, lief das Spiel immer noch nicht. Wieder rief Klemmi an: „Mit einem Leihwagen hättest du es locker noch geschafft.“
Um 21.35 Uhr ging es erst los. Werder gewann durch ein Tor von Nelson Valdez mit 1:0. Dieser Siegtreffer fiel um 23.15 Uhr – es war das späteste Tor der Ligageschichte.