Meine analoge Zettelwirtschaft
Unser Kolumnist Matthias Höllings gibt Einblicke in seine analoge Zettelwirtschaft.
In diesem Monat wollte ich meine Kolumne einmal von einer künstlichen Intelligenz schreiben lassen, habe sie mit verschiedenen Infos gefüttert, die KI ist aber gescheitert. Grundlage für meine Eingabe war meine analoge Zettelwirtschaft, die aus handschriftlichen Notizen, Merkzetteln, Zeitungsschnipseln
und Zitaten besteht. Alles in einer Klarsichthülle mit dem Aufkleber „Kolumne“ gesammelt für den Fall, dass mir mal
nichts mehr einfällt.
Das erste Zitat stammte von dem Jazzmusiker Dizzy Gillespie: „Jeden Morgen nehme ich die Zeitung und seh’ die Todesanzeigen durch. Wenn mein Name da nicht steht, mach ich einfach so weiter wie bisher.“ Auf einem anderen Schnipsel stand, dass „eine Frau auf einem Autobahnrastplatz nach einer Toilettenpause ihren Ehemann vergessen hat. Er hatte weder Geld noch Handy dabei und ging zur Polizei.“ Dazu noch die Meldung aus Bremervörde: „Rosa Schwein mit schwarzen Punkten entlaufen“. Am nächsten Tag die Meldung, dass „eine Jägerin das Tier erlegt hat“. Vom Glücksschwein zum Pechschwein. Die KI gab auf. Neuer Versuch mit einem Spruch vom ehemaligen Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein: „Die Zahl derer, die durch zu viele Informationen nicht mehr informiert sind, wächst.“ Schlauer Kopf – und das hat er bereits vor über 25 Jahren gesagt.
Ungefähr zur gleichen Zeit meinte der amerikanische Schriftsteller Arthur Miller: „80 Prozent der Amerikaner glauben, dass sie in den Himmel kommen, aber die meisten von ihnen glauben ebenso, dass sie dort niemanden treffen werden, den sie kennen.“
Zum Thema Statistik hat unser Mathelehrer einmal zu uns gesagt: „5 von 4 Leuten haben Probleme mit Mathematik.“ Wir haben ihm das geglaubt. Zum Thema Statistik hatte ich mir auch noch notiert, dass „85 Prozent der Frauen ihren ‚Arsch‘ als zu dick empfinden, 10 Prozent als zu dünn, 5 Prozent ihn so okay finden, wie er ist, und froh sind, ihn geheiratet zu haben.“ Vielleicht für eine KI-Kolumne zu ungeeignet, also neuer Anlauf: „Autofahrer versteckt sich nach Unfall im Kofferraum“. Wie blöd kann jemand sein? Auf einem anderen Zettel hatte ich notiert:
„49-jähriger Einbrecher stiehlt in Brisbane 53 rechte Schuhe aus Einkaufszentrum.“
Alle von mir gesammelte Info-Zettel als Anregung für eine Kolumne. Die KI scheiterte erneut kläglich. Ich hatte auch ein
Zitat des Universalgelehrten Erasmus von Rotterdam eingegeben: „Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit“, gemeinsam mit der Polizeimeldung: „Sturzbetrunkener versucht in Justizanstalt einzubrechen, wird geschnappt, verurteilt und sitzt dort jetzt ein.“ Auch mein Vorschlag „16-jährige Radlerin fährt gegen Baum“, gekoppelt mit dem Alexander-von-Humboldt-Zitat: „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben“ ergab keine vernünftige Kolumne. Ich musste mir also wieder selbst etwas einfallen lassen, starte jedoch nächsten Monat einen weiteren Versuch.