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Foto: Maximilian Wührer
30. Oktober 2026

Lisa Eckhart im Interview zu ihrer Zusatzshow „Ich war mal wer“ in Bremen

„Die größten Kränkungen waren oftmals gut gemeint“

„Die größten Kränkungen waren oftmals gut gemeint“

Lisa Eckhart gehört zu den markantesten Stimmen der deutschsprachigen Kabarett- und Literaturszene: provokant, sprachbewusst und mit einer Bühnenpräsenz, die zwischen Hochkultur, Satire und kalkulierter Grenzüberschreitung oszilliert. Im Kurzinterview mit dem STADTMAGAZIN Bremen spricht sie über den inflationären Gebrauch von Sprache, gut gemeinte Kränkungen, die Fragilität privater Souveränität – und über ihre Zusatzshow in der Glocke. Sie legen als Germanistin und Bühnenfigur großen Wert auf Sprache.

Welches Wort vermissen Sie im heutigen Sprachgebrauch – und welches würden Sie am liebsten verbieten?
Verbieten würde ich nichts. Die Worte können ja nichts dafür. Wenn etwas enerviert, dann ist es ihr falscher und inflationärer Gebrauch. Ganz schlimm finde ich „gefühlt“. Das streuen manche Menschen in „gefühlt“ jeden Satz ein. Und es verstärkt nur den Irrglauben, was jemand fühlt, sei der oberste Gradmesser für Wirklichkeit. Was ich dagegen sehr mag und selten höre, ist: Mich deucht. Das ist das bessere „gefühlt“. Es klingt nicht nur herrlich antiquiert, sondern zeugt auch sehr sympathisch von der Möglichkeit, sich zu irren.

Was löst es bei Ihnen aus, wenn Männer vermeintlich charmante Bemerkungen über Ihr Äußeres machen?
Mir ist immer lieber, man kommentiert mein Äußeres als den Inhalt meiner Texte. Wir alle sind Ästheten, wenn auch aus verschiedenen Schulen. Nicht jeder ist Satiriker, ergo weit weniger befugt, darüber zu urteilen. Grundsätzlich sind viele tollpatschig, wenn es um Komplimente geht. Ich selbstverständlich auch. Am besten übt man sich in Nachsicht. Das hat größere Chance auf Erfolg, als wenn man andere belehrt. Man muss ihnen vergeben, denn sie wissen meist nicht, was sie reden. Und die größten Kränkungen waren oftmals gut gemeint.

Sie kontrollieren auf der Bühne jeden Ton. Wer oder was schafft es privat, Ihnen die Souveränität zu zerlegen?
Alles und jeder. Die Souveränität endet an der Bühnenkante. Ab da spreche ich meist so erratisch und leise, dass Menschen immer nachfragen müssen, ob und was ich denn gesagt habe. Darum versuche ich, mein Privatleben auf ein Minimum zu beschränken. In freier Wildbahn fühle ich mich nicht heimisch und vor Leuten, die nicht artig aufgereiht im Dunkeln sitzen, hab ich mich stets eher gefürchtet. Die Bühne ist das einzige Biotop, wo ich lebensfähig bin.

Bremen bekommt im Februar eine Zusatzshow: Ist dies eine Belohnung für gutes Publikum – oder ein Härtetest?
Das ist doch kein Gegensatz. Dort, wo ich aufgewachsen bin, war jeder Härtetest zugleich eine Belohnung. So ist auch eine Zusatzshow immer eine Mischung aus Nachsitzen und Zugabe.

Mittwoch, 10. Februar 2027, 20 Uhr, Glocke

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