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#Kolumne – Baby Boomer Böhling
24. Juli 2024

Let’s have a Party

Partytime in den früher 1970er Jahren? Daran kann sich STADTMAGAZIN-Kolumnist Dirk Böhling noch ganz genau erinnern.

Partytime in den früher 1970er Jahren? Daran kann sich STADTMAGAZIN-Kolumnist Dirk Böhling noch ganz genau erinnern.

Meine ersten Erinnerungen an Partys liegen in der Kindheit der frühen 1970er-Jahre. In meiner Erinnerung gab es bei meinen Eltern wirklich jedes Wochenende was zu feiern und immer war die Bude voll. Der Besuch kam meist schon am Freitagabend, blieb dafür aber auch bis Sonntagnachmittag. Und der von James Last erdachte Schallplattentitel „Non-Stop-Dancing“ war nicht aus der Luft gegriffen. Gefühlt hatten alle Eltern meiner Freunde damals einen Partykeller – meine auch. Trotzdem kam es vor, dass auch mal in der Wohnung gefeiert wurde.

Man sollte nun aber nicht denken, dass die Erwachsenen in ihrer unerschöpflichen Feierlaune Rücksicht auf ihren Nachwuchs genommen hätten … aber nein! Es kam schon vor, dass ich als kleiner Pöks am späteren Sonntagvormittag in die gute Stube kam, in der sich Reste jedweden Alkohols den Platz auf dem Wohnzimmertisch mit überfüllten Aschenbechern teilten, während ich versuchte, durch die Rauchschwaden hindurch die „Kleinen Strolche“ im Fernsehen zu erkennen. Nicht selten teilte ich mir das Sofa an diesen Tagen auch mit – im wahrsten Sinne des Wortes – liegengebliebenen Partygästen. Derart geprägt, war es natürlich kein Wunder, dass die Babyboomer diese Partytradition in den 80ern fortsetzten – allerdings mit einem neuen Namen: Es stiegen nun Feten.
Im Gegensatz zu den Feierlichkeiten unserer Altvorderen hatte sich allerdings einiges geändert. Statt einiger Barhocker am Tresen und eines Sofas plus Partytisch mit gekachelter Tischplatte zum hoch- und runterkurbeln, verzichtete die moderne Feten-Gesellschaft weitgehend auf Sitzgelegenheiten.

Stattdessen gab es eine mit Matratzen ausgelegte Knutsch-ecke und wenn es hochkam eine Bierbank, aber immer viel Platz zum Tanzen. Natürlich gab es deutliche Unterschiede zu der Trackliste unserer Erzeuger. Nix mehr mit „Goodbye My Love Goodbye“ oder den Les Humphries Singers, unser Tanzangebot war schon etwas breiter gestreut. Da gab es Discofox-Einheiten zu „Earth Wind and Fire” oder „A Walk in the Park”, wildes Gehopse zu Neuer Deutscher Welle, Bowie oder Queen, Headbanging zu AC/DC oder „Black Betty“ und natürlich Engtanz-Runden à la „Dreams are my Reality“.

Dazu trank man auch statt Persiko und Apfelkorn wie unsere Eltern Blue Curaçao mit O-Saft, Batida de Coco, Southern-Comfort oder Cola-Pernod. Auch das Speisenangebot hatte sich drastisch geändert: Käseigel, eingerollter Spargel in gekochtem Schinken und gefüllte Tomaten blieben im Kühlschrank. Nun gab es ganz schlicht Frikadellen, Schicht- und Nudelsalat, Partywürstchen und Blätterteigtaschen – fertig.

Das Wichtigste aber war die richtige Fetenbeleuchtung. Wer als Gastgeber nicht über eine eigene dreibirnige Lichtorgel in den Farben Gelb, Rot und Blau verfügte, musste sich eine leihen. Über alle anderen Leuchtmittel wurden einfach Schleier, Tüll oder gebatikte Tücher geworfen – und die blieben dort, bis jemand bemerkte, dass es irgendwie angebrannt roch.

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