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Matthias Höllings. Foto: Frank Pusch
#Kolumne – Matthias Höllings
1. Mai 2026

KI hieß früher „Kann ich“

Unser Kolumnist Matthias Höllings kommentiert die schulische Entwicklung von Textaufgaben

Unser Kolumnist Matthias Höllings kommentiert die schulische Entwicklung von Textaufgaben

Mein Vater war Buchhalter und sagte einmal zu meinen schulischen Leistungen: „Dumm geboren und nichts dazugelernt!“ Das ist lange her. Heute habe ich den Eindruck, als ob die Schule immer dümmer wird. Schreibschrift und Einmaleins sind in den Lehrplänen nicht mehr Pflicht. Schriftliches Dividieren auf später verschoben und Grundschrift mit Einzelbuchstaben statt lateinischer Ausgangsschrift langt plötzlich. Geht’s noch? Die Lesekompetenz der Kids nimmt stetig ab, und die Sprach- und Sprechdefizite nehmen zu. War früher, als KI noch „Kann ich“ hieß, doch alles besser? Auf jeden Fall verständlicher – und das sogar bei Textaufgaben. Beispiel gefällig?

Volksschule 1950: Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 DM. Die Erzeugerkosten betragen 4/5 des Gewinns. Wie hoch ist der Gewinn?

Realschule 1960: Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 DM. Die Erzeugerkosten betragen 16 DM. Berechne den Gewinn!

Gymnasium 1970: Ein Bauer verkauft eine Menge Kartoffeln (K) für eine Menge Geld (G). G hat die Mächtigkeit 20. Für die Menge G gilt, dass jedes Element G eine Mark ist. In Strichmengen müßtest Du für die Menge G „zwanzig“ (///// ///// ///// /////) Strichlein machen, für jedes Element G einen. Die Menge der Erzeugerkosten (E) ist um „vier“ (////) Strichlein weniger mächtig als die Menge G. Zeichne das Bild der Menge E als Teilmenge der Menge G und gib’ die Lösungsmenge (L) an für die Frage: Wie mächtig ist die Gewinnmenge?

Integrierte Gesamtschule 1983: Ein Bauer verkauft einen Sack Kartoffeln für 20 DM. Die Erzeugerkosten betragen 16 DM, der Gewinn beträgt 4 DM. Aufgabe: Unterstreiche das Wort Kartoffeln und diskutiere mit deinem Nachbarn darüber.

Weiter reformierte Schule 1988: ein kapitalistisch-priigierter bauer bereicherd sich one rechtfertigunk an ein sak kartoffeln um 4 mark. Untersuche den tekst aufinhaldliche gramatische ortogravische und zeichensätzunksfehler. Korrigiere die die aufgabenstälung und demonstriere gegen die lösunk.

Oberschule heute: Gib über KI ein: „Erzeugerkosten Kartoffeln“. Antwort von KI: Die Erzeugerkosten bei Kartoffeln variieren stark je nach Anbauverfahren, Region und Saison, umfassen aber Pflanzgut, Pflanzenschutz, Düngung, Maschinenkosten (Rodung), Transport, Lagerung und Sortierung). Sie bestehen aus fixen und variablen Kosten, wobei die Erzeugerpreise oft deutlich unter diesen Kosten liegen, da Vermarktungs- und Handelsmargen (bis zu 1 €/kg oder mehr) hinzukommen, wie Beispiele von 2025 zeigen, wo Landwirte nur 8-16 Cent/kg erhielten, während im Supermarkt höhere Preise erzielt wurden.

Fazit: Vielleicht sollte der Sohn des Bauern nach dem Abitur doch lieber eine Pommesbude eröffnen?

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