"Jede Medaille ist besonders"
Turnerin und „Bremer Sportlerin des Jahres“ Karina Schönmaier im Interview
Karina Schönmaier ist Bremens Stolz: Die frisch gekürte „Bremer Sportlerin des Jahres“ hat im vergangenen Jahr mit ihrem Europameistertitel im Mixed-Team, der Goldmedaille bei den Deutschen Turnmeisterschaften sowie Medaillen in Team- und Einzelwettkämpfen beeindruckende Erfolge gefeiert. Im Anschluss an die Sportgala im GOP Varieté-Theater erzählt die 20-jährige Spitzensportlerin im Interview von ihren sportlichen Wurzeln in Huchting, den Herausforderungen ihres Karrierewegs und ihrem großen Traum von Olympia 2028.
Liebe Karina Schönmaier, herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung „Bremer Sportlerin des Jahres 2025“. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?
Sie bedeutet mir unglaublich viel. Ich komme aus Bremen, und jetzt hier als Sportlerin des Jahres ausgezeichnet zu werden, ist etwas ganz Besonderes. Das gibt mir sehr viel Kraft und macht mich glücklich. Es war eine große Überraschung, über die ich mich riesig gefreut habe. Damit hätte ich nicht unbedingt gerechnet.
Was war für Sie aufregender: die Preisverleihung oder die Siegerehrung nach der Europameisterschaft?
Beide Situationen waren aufregend, aber auf unterschiedliche Weise. Bei Wettkämpfen sind es das Adrenalin und der Fokus, während bei der Preisverleihung Gedanken wie „Was sage ich?“ und „Wie werde ich wahrgenommen?“ im Vordergrund stehen. Nervös war ich in beiden Momenten definitiv.
Haben Sie die Sportlergala für einen längeren Heimatbesuch genutzt?
Leider nein. Ich musste direkt nach der Gala wieder zurück nach Chemnitz, um am nächsten Tag zu trainieren. Aber ich freue mich, dass mich meine Mama begleitet hat. Sonst nutze ich gerne die langen Wochenenden wie Weihnachten und Ostern, um in Bremen meine Freunde zu treffen. Dann gehe ich häufig in meine ehemalige Turnhalle in Huchting, um zu trainieren und mich an die alten Zeiten zu erinnern.
Sie turnen seit Ihrem fünften Lebensjahr. Wann haben Sie gemerkt, dass Turnen mehr als nur ein Hobby sein könnte?
Anfangs war es nur Toben und Rumspielen. Irgendwann wurde mein Talent entdeckt, und dann kam vieles in Bewegung. Ich hatte das Glück, mich schnell entwickeln zu können, und tue das bis heute mit großer Leidenschaft – Turnen ist definitiv die richtige Sportart für mich.
Seit 2022 trainieren Sie in Chemnitz. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen?
Die Trainingsbedingungen beim TuS Huchting waren damals tatsächlich nicht so optimal, wie ich sie gebraucht hätte, um karrieremäßig den nächsten Schritt zu machen. Deshalb bin ich an den Olympiastützpunkt Sachsen nach Chemnitz gewechselt. Es war ein großer Schritt für mein kleines Ich, aber ich bin stolz darauf, ihn gewagt zu haben. Hier habe ich die besten Voraussetzungen, um meine Karriere weiterzuentwickeln, und ich schaue optimistisch in die Zukunft.
2025 haben Sie bei der Europameisterschaft in Leipzig Großartiges geleistet: Gold im Mixed und im Sprung sowie Silber im Teamwettbewerb. Welche dieser Medaillen ist Ihnen am wichtigsten?
Jede Medaille ist besonders. Der Teamerfolg war emotional, weil wir alle zusammengewachsen sind und als Einheit stark waren – das war unerwartet und großartig. Der Sieg im Sprung hingegen war ein persönliches Ziel, das ich intensiv verfolgt habe. Und die Mixed-Wettbewerbe hatten eine ganz besondere Dynamik, weil ich mit meinem Turnkollegen Timo Eder gemeinsam antrat. Es war das erste Mal, dass es einen Mixed-Wettbewerb bei der EM gab, und diesen gemeinsam zu gewinnen, war unvergesslich.
Haben Sie die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles bereits fest eingeplant?
Definitiv. Olympia ist mein Kindheitstraum, und ich arbeite jeden Tag darauf hin. 2024 in Paris hat es leider knapp nicht gereicht – ich war nur Reservistin –, aber ich habe mein Ziel nicht aus den Augen verloren. Bis 2028 ist es zwar noch eine Weile hin, aber ich bin motiviert und optimistisch, dass ich es schaffen kann.
Geben Sie uns einen Einblick in Ihren typischen Trainingstag.
Mein Tag beginnt gegen 8 Uhr. Nach dem Frühstück folgt das erste Training von 9.30 bis 12 Uhr. Anschließend koche ich das Mittagessen, mache Physiotherapie oder Stabilisationsübungen, bevor das zweite Training von 15.30 bis 18 Uhr startet. Ich trainiere an vier Tagen in der Woche zweimal täglich, an zwei Tagen nur einmal. Die freie Zeit nutze ich zur Regeneration – etwa durch Sauna oder Zeit mit Freunden, zum Beispiel beim gemeinsamen Kochen.
Was hilft Ihnen, auch in schwierigen Trainingsphasen am Ball zu bleiben?In solchen Momenten gehe ich trotzdem täglich in die Turnhalle und erinnere mich daran, wie sehr ich das Turnen liebe. Wenn etwas mal nicht nach Plan läuft, finde ich Möglichkeiten, etwas Positives daraus zu ziehen. Mein innerer Antrieb und offene Gespräche mit meinen Trainern helfen mir dabei, immer wieder neue Wege zu finden.
Welchen Rat würden Sie jungen Turnerinnen geben, die in Ihre Fußstapfen treten möchten?
Niemals aufgeben. Es wird immer Herausforderungen geben, aber die richtige Einstellung und Geduld führen zum Erfolg. Turnen ist eine unglaublich vielfältige und schöne Sportart, die Kraft und Körperbeherrschung gibt. Diese Momente zwischen zwei Barrenholmen in der Luft, das Gefühl zu fliegen, machen einfach Spaß! Das sind einfach Übungen, die kein normaler Mensch aus dem Stand beherrschen kann.
Wo sehen Sie sich persönlich nach Ihrer aktiven Sportkarriere?
Ich würde auf jeden Fall etwas im Bereich Sport machen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich als Trainerin sehe, aber vielleicht würde ich eine kleine Turnschule für Kinder eröffnen. Ihnen als Vorbild Bewegung beizubringen, dabei mit ihnen zu spielen und sie für Sport zu begeistern – das könnte ich mir gut vorstellen.
Haben Sie ein Lebensmotto oder feste Rituale, die Sie durch den Wettkampfmodus tragen?
Mein Lebensmotto könnte lauten: Sei glücklich mit dem, was du machst. Ich habe keine festen Rituale, aber Musik hilft mir oft – ob motivierende Popmusik oder auch mal etwas Ruhiges, je nachdem, wie ich mich gerade fühle. Ich brauche diese Balance zwischen laut und leise.