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#Kolumne – Matthias Höllings
16. Januar 2026

Januar ist Umtauschzeit

Unser Kolumnist Matthias Höllings verrät, was für ihn unter dem Weihnachtsbaum lag.

Unser Kolumnist Matthias Höllings verrät, was für ihn unter dem Weihnachtsbaum lag.

Manchmal hat man Glück und kann sein Weihnachtsgeschenk auch tatsächlich gebrauchen. Bei Süßigkeiten ist das nicht so das Poblem, bei Kleidungstücken schon eher. Ist halt so oder so reine Geschmackssache. So wirklich große Geschenke sind ja auch unter dem Weihnachtsbaum nicht die Regel, aber das eine oder andere Elektrogerät kann schon mal dabei sein.

Nun bin ich bei technischen Geräten der Typ, der von seinen eigenen Fähigkeiten dermaßen überzeugt ist, dass sich das Lesen von Gebrauchsanweisungen automatisch ausschließt. Nicht, dass ich sie nicht lesen könnte, ich habe einfach keine guten Erfahrungen damit gemacht. Zum Beispiel mit denen eines schwedischen Möbelanbieters, der behauptet, man bräuchte nur einen einzigen Inbusschlüssel und alles sei paletti. Von wegen, ein Hammer und ein paar Nägel helfen da oft Wunder, um das gute Stück exakt in die Senkrechte zu bekommen. Ich habe aber auch schon einmal eine Fliegengittertür genau nach Anleitung so zusammengebaut, dass sie mir beim Öffnen vor den Kopf haut. Okay, ich bin Linkshänder – wer weiß, wozu diese Schläge vor den Kopf gut sind.

Diesmal lag unter dem Weihnachtsbaum ein relativ großes, schweres Paket. Meine Frau hatte allerdings darauf bestanden, dass ich vor Inbetriebnahme des Gerätes die dazugehörige Anleitung lese – vorher. Sie hatte sie extra aus dem Karton genommen.

Dort stand unter anderem, dass das geheimnisvolle Gerät nicht für gewerbliche Zwecke und nicht direkt in Kopfnähe zu benutzen ist. Also gebührenden Abstand halten. Dürfte mir bei einer Kabellänge von zehn Metern nicht schwerfallen, aber eine Bohrmaschine schied damit schon mal aus. Das Teil darf auch nicht von Personen mit reduzierten physischen, sensorischen oder mentalen Fähigkeiten oder mit Mangel an Erfahrung und/oder Wissen benutzt werden. Was wollte mir meine Frau damit sagen? Ich fühlte mich beim Lesen einerseits etwas gekränkt, andererseits aber auch herausgefordert. Nie das Gerät großer Hitze und Nässe aussetzen, stand dort. Da meinte es jemand gut mit mir. Das klang nicht nach Gartenarbeit. Es musste etwas Handwerkliches in diesem Karton sein, da man es nicht mit einem Dampf- oder Hochdruckreiniger säubern soll. Das gefiel mir. Etwas einsauen zu dürfen, ist mein Ding. Räder hatte das Teil auch, und man dürfe es nur bei Raumtemperatur verwenden.

Doch dann stand da plötzlich, dass ich das Gerät nur bis zu einer Höhe von 2000 Metern über dem Meeresspiegel verwenden darf. Hm, wir wohnen hier in Norddeutschland nicht sehr hoch. Vielleicht ein Notstromaggregat für eine Almhütte als Urlaubstipp? Ich warf die Gebrauchsanleitung in die Ecke, wollte es endlich wissen und riss etwas genervt das Paket auf. Meine Frau hatte es gut mit mir gemeint. Ich brauche das Geschenk nicht umzutauschen. Es war und ist ein neuer Staubsauger.

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