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#Kolumne – Matthias Höllings
13. Dezember 2025

Is’ schon wieder Weihnachten?

Unser Kolumnist Matthias Höllings fragt sich, was es mit dem "Fest der Liebe" auf sich hat.

Unser Kolumnist Matthias Höllings fragt sich, was es mit dem "Fest der Liebe" auf sich hat.

Ehrlich gesagt habe ich das ganze Getue mit und um das „Fest der Lieben“ immer noch nicht begriffen. Das geht schon mit der Weihnachtsgeschichte los. Warum hat Kaiser Augustus damals seine Volkszählung nicht gleich vor Ort durchgeführt und die Leute nach ihrem Geburtsort befragt?

Nein, alle sollten sich unbedingt dort hinbegeben wo sie das Licht der Welt erblickt haben. Eine Nachfrage beim Einwohnermeldeamt mit der Antwort Nazareth hätte es doch zum Beispiel auch getan. Und warum war dieser Josef mit seiner minderjährigen Maria unterwegs, die er als seine Frau ausgegeben hat? Wo waren da ihre Erziehungsberechtigten oder das Jugendamt? Und die Hellsten scheinen die beiden auch nicht gewesen zu sein, sonst hätten sie vorher ein Zimmer reserviert und folgender Dialog mit einem Herbergswirt, der zugegebermaßen so nicht in der Bibel steht, wäre ihnen erspart geblieben:

Josef: „Habt Ihr ein Quartier für mich und meine Frau?“
Wirt: „Alles ausgebucht!“
Josef: „Aber seht doch, sie ist schwanger.“
Wirt: „Da kann ich doch nichts für.“
Josef: „Ich doch auch nicht.“

Sie sind dann in so einer Art Heuhotel abgestiegen, und einige Nachbarn haben ihnen aus Mitleid eine Art Baby-Erstausstattung geschenkt. Wie hat diese Geschichte bloß so lange überdauern können?

Irgendjemand hat sich damals die Mühe gemacht und die Story per Hand aufgeschrieben. Da hätte man heute mit Smartphone und Whatsapp nur eine kleine Kurzmeldung daraus gemacht: „Junges Paar mit Säugling von Polizeibeamten in einer Scheune aufgegriffen. Der Sozialdienst wurde informiert. Das Paar wollte ursprünglich nach Bethlehem, wurde aber wegen des Säuglings von einer Schlepperbande ausgesetzt. Dem Kind geht es den Umständen entsprechend gut. Weitere Ermittlungen laufen.“

Wer möchte, kann die Geburtskirche dieses kleinen Pökses Jesus auch heute noch besuchen, die über einer kleinen Grotte errichtet wurde. Hä? Wieso wurde der Kleine plötzlich in einer Höhle geboren? Okay, wenn es tatsächlich nur ein Schuppen gewesen wäre, hätte der wohl keine 2000 Jahre gehalten – obwohl? Josef war ja Tischler und sein Sohn wurde Zimmermann. Da wäre eine Art Generationenvertrag doch mal sinnvoll gewesen. Über das genaue Geburtsdatum steht in der Bibel merkwürdigerweise nichts. Was wurde dann aber bei der Volkszählung als Geburtsdatum bei Jesus eingetragen? Wahrscheinlich „Null“. Immerhin wird Weihnachten in vielen Ländern der Welt gefeiert und fast überall anders. Sympathisch finde ich die Isländer, die sich statt mit einem Weihnachtsmann gleich mit 13 von ihnen abgeben – alles Brüder aus den Bergen Nordislands. Die verteilen vom 12. bis 24. Dezember Süßigkeiten an die Kinder, die lieb waren. Die Frechen bekommen eine alte Kartoffel. Immer noch besser als die Rute für ein schlecht aufgesagtes Gedicht, oder? Na dann: Frohe Weihnachten.

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