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Foto: Christian Hasemann
#Bremer Orte
12. April 2024

Immo Wischhusen spricht über das Kulturprojekt „Die Komplette Palette“

Der Paletten-Pirat im Interview

Der Paletten-Pirat im Interview

Im Jahr 2016 startete der Musiker Immo Wischhusen das Kulturprojekt „Die Komplette Palette“. Das 7000 Quadratmeter große Gelände an der Weser umfasst einen eigenen Strand, Sitzgelegenheiten, eine Spielwiese, Bühne und Bar(lette). Mittlerweile ist die sogenannte Hemelinger Karibik ein beliebter Begegnungsort für Bremer:innen geworden, um sich in der Sonne und auf Events einen Kurzurlaub zu gönnen. Im Interview erzählt Wischhusen, wie viel „Papa Lette“ in ihm steckt, was uns dieses Jahr an Programm erwartet und was er sich für die Zukunft wünscht.

„Die komplette Palette“ ist in die achte Saison gestartet: Wie lautet Ihr Zwischenfazit?

Es ist ein Gesellschaftsspiel mit sich stets weiter entwickelndem Regelwerk. Manchmal muss man Regeln aufstellen, damit das fröhliche Miteinander leicht bleibt. Die „Palette“ ist fördermittelfrei und lebt durch die freiwillige Hilfe der Menschen, also unserer Paletten-Crew. Wir finanzieren alles durch den Getränkeverkauf an der Bar, denn die Stadt unterstützt das Projekt nicht mit Geldern. Manchmal müssen wir kämpfen, um alle Rechnungen bezahlen zu können.

Wie viel „Papa Lette“ steckt in Immo Wischhusen? Gibt es einen Unterschied zwischen dem Paletten-Immo und dem privaten Menschen?

„Papa Lette“ ist ein Teil von mir, ich verschmelze mit meinen Aufgaben. Die Privatperson tritt dabei in den Hintergrund und die Grenzen lösen sich auf. Ich habe keinen Feierabend, für mich ist die Saison ein Marathon-Mandala. Wenn es am schönsten ist, wird dieses Mandala wieder verwischt. Am Montag, dem Ruhetag, kann ich wieder zu mir kommen, werde also zu Privat-Immo.

Wie liefen die Vorbereitungen für die aktuelle Saison?

Zu Beginn des Jahres musste ich den Bauantrag zunächst aktualisieren und ein 180 Seiten starkes Schriftstück in fünffacher Ausführung einreichen. Im April ging es dann mit dem Transport unserer Paletten aus dem Winterlager weiter. „Die Komplette Palette“ liegt vor dem Deich im Überflutungsgebiet, daher habe ich nur eine Ausnahmegenehmigung von April bis Ende Oktober erhalten. Innerhalb der ersten Wochen des Aufbaus habe ich 34 Mal den Lkw be- und entladen. Das ist ein Fitnessprogramm, das mit vielen Endorphinen verbunden ist.

Foto: DKP

Wie sieht das „Palette“-Programm in diesem Jahr aus?

Dienstags ist bei uns „Tape-Tuesday“, da können Gäste ihre Lieblingskassetten mitbringen. Mittwochs ist der „Mittschnitt-Woch“, da spiele ich Konzertmitschnitte der letzten Jahre ab, die bei uns stattfanden. Am „DJ-onnerstag“ kommen Menschen mit Schallplatten zu uns und legen auf. Der „Funky-Friday“ ist ebenfalls DJ-lastig, da finden ab und an auch Konzerte statt. Die großen Sommerveranstaltungen finden an Samstagen statt.

Welche Gäste kommen in der Regel?

Das reicht von Menschen, die noch keine Haare haben, bis zu denen, die keine mehr haben. Die Zielgruppe sind alle Menschen, ich bediene keine bestimmte Szene. Ich möchte einen Ort, an dem man sich begegnen kann und sich gegenseitig Freiraum lässt. Das Schönste ist, wenn Gäste zum ersten Mal bei uns sind und fasziniert wie angewurzelt stehen bleiben.

Wie beschreiben Sie „Die Komplette Palette“ Menschen, die den Ort nicht kennen?

Als Abenteuerspielplatz für Erwachsene. Es ist ein experimenteller Ort an der Weser, mit Badebucht, dem Charme des Selbstgemachten und der Möglichkeit, auch selbst mitzumachen. Das Ganze lebt von dieser Energie, dass Menschen bereit sind, aus innerer Motivation mitzuwirken und nicht durch finanzielle Anreize.

Wie sieht die ideale Zukunft der „Palette“ aus?

Ich habe das Ganze jetzt sieben Jahre gemacht und mir in den Kopf gesetzt, das Jahrzehnt vollzumachen. Insofern habe ich die nächsten drei Jahre über die Aufgabe, es von mir zu lösen und Menschen zu finden, die Aufgaben übernehmen wollen, damit die „Palette“ auch ohne meine persönliche Präsenz weiterlaufen kann. Für das Projekt wünsche ich mir, dass es weiterhin vielen Menschen Freude bereitet, ob sie nun selbst daran mitwirken oder zu Gast sind.

Was ist Ihre Lieblingsbeschäftigung auf der „Palette“?

Das ist tagesformabhängig. Gemüse anzubauen hat mir in den vergangenen Jahren viel Freude bereitet. Und jedes Mal, wenn unsere Zucchinis, Tomaten oder Kartoffeln zubereitet werden und wir unsere Ernte gemeinsam essen, ist es eine besondere Freude. Mir macht es generell Spaß, alles aufzubauen und wachsen zu sehen. Im letzten Jahr haben wir zum Beispiel mit dem Bremer Produzenten von Guteseis ein eigenes „Bromperlensorbet“ verarbeitet. Morgens beginne ich den Tag in der Regel mit einem Sprung in die Weser – und das ist für mich ein wahrer Glücksmoment.

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