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Foto: Christina Ivanda
#Bremer Orte
28. Februar 2024

Große Hilfe bei kleinen Aufgaben

Nachbarschaftshelfer:innen wie Alexis Beller unterstützen Senior:innen und chronisch Erkrankte

Wenn Alexis Beller einmal pro Woche zu Ingrid Harms (Name von der Red. geändert) nach Hause kommt, nimmt sie als erstes den Staubsauger zur Hand. Den Haushalt zu machen fällt der älteren Dame mittlerweile schwer, zunehmend auch andere alltägliche Dinge. „Ich putze, gehe einkaufen oder begleite zu Arztterminen – je nachdem, was anfällt“, sagt Beller, die vor ihrer Pensionierung als Altenpflegerin tätig war.

Wenn Alexis Beller einmal pro Woche zu Ingrid Harms (Name von der Red. geändert) nach Hause kommt, nimmt sie als erstes den Staubsauger zur Hand. Den Haushalt zu machen fällt der älteren Dame mittlerweile schwer, zunehmend auch andere alltägliche Dinge. „Ich putze, gehe einkaufen oder begleite zu Arztterminen – je nachdem, was anfällt“, sagt Beller, die vor ihrer Pensionierung als Altenpflegerin tätig war.

Ingrid Harms freue sich nicht nur über die tatkräftige Unterstützung, sondern insbesondere auch über den regelmäßigen persönlichen Austausch. „Nach eineinhalb Stunden Putzen unterhalten wir uns noch eine halbe Stunde und trinken Kaffee zusammen. Das ist ganz wichtig.“

Zweimal pro Woche ist die 75-jährige Alexis Beller als Nachbarschaftshelferin im Bremer Viertel unterwegs, ihre Einsätze werden koordiniert vom Dienstleistungszentrum (DLZ) Mitte. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist Träger dieser Einrichtung. 16 weitere Zentren werden unter anderem von der AWO, der Caritas und dem Paritätischen Bremen betrieben, sie sind verteilt im gesamten Stadtgebiet. Deren Mitarbeiter:innen beraten und unterstützen Senior:innen und Erwachsene mit Behinderung oder einer chronischen Erkrankung sowie deren Angehörige im jeweiligen Stadtteil. Dafür sucht und vermittelt das DLZ Ehrenamtliche und begleitet sie bei ihrer Tätigkeit.

Für ihr freiwilliges Engagement bekommen sie eine Aufwandsentschädigung von 9,50 Euro pro Stunde. Diese lässt sich mit einem regulären Einkommen, einem Minijob, dem Bezug von Rente oder Sozialleistungen kombinieren – steuerfrei bis zu 3000 Euro jährlich.

Rund 400 Nachbarschaftshelfende waren vergangenes Jahr in Mitte, Schwachhausen und Hastedt im Einsatz, erzählt Karina Busch, Ansprechpartnerin im DLZ Mitte. Die meisten seien Studierende oder älter als 50 Jahre. „Der Bedarf ist jedoch wesentlich größer. Wir sind für jede helfende Hand dankbar.“ Vorkenntnisse seien nicht nötig, umso mehr Offenheit und Respekt im Umgang und etwa zwei Stunden Zeit pro Woche.

Pflegerische Tätigkeiten und medizinische Versorgung zählen ausdrücklich nicht zur Nachbarschaftshilfe. „Wir klären in einem ersten Gespräch immer ganz individuell, welche Aufgaben sich jemand konkret vorstellen kann. Grundsätzlich ist uns wichtig: Helfende sollten Lust haben zu klingeln, und Kund:innen sollten Lust haben, die Tür aufzumachen“, so Busch.

Der größte Vorteil der Nachbarschaftshilfe sei es, den Menschen zu ermöglichen, länger in den eigenen vier Wänden zu leben. „Für viele ist es schwierig anzunehmen, dass sie nach 70 Jahren zum Beispiel plötzlich Unterstützung beim Betten beziehen brauchen. Nachbarschaftshilfe ist dann ein sanfter und niedrigschwelliger Einstieg ins Hilfesystem, denn so kommen wir mit den Menschen in Kontakt und können sie bei Bedarf weitervermitteln“, weiß die DRK-Mitarbeiterin.

Viele würden zudem erst durch die Besuche der Nachbarschaftshelfer:innen spüren, wie einsam sie sind. „Das ist ein ganz großes Thema“, sagt Alexis Beller, die seit acht Jahren beim DLZ beschäftigt ist. „Wenn ich komme, bringe ich den Menschen die Welt nach Hause. Die meisten gehen wenig raus und haben kaum Anschluss.“ Das Schönste am Ehrenamt ist für sie deshalb auch die Wertschätzung, aber auch die Beziehung zu den Personen selbst: „Jeder Einsatz ist eine Bereicherung für das eigene Leben.“ (CI)

Weitere Infos erhalten Interessierte im DLZ Mitte unter der Nummer 0421 / 69 93 01 00 und auf der Webseite www.dlz-bremen.de.

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