Frühlingsanzeiger
Unsere Kolumnistin Melanie Öhlenbach sehnt den Frühling herbei.
Wann beginnt der Frühling? Am 1. oder 20. März? Oder wenn es die Spatzen von den Dächern pfeifen? Jeder hat recht – auf seine Weise.
Es gibt wohl keine Jahreszeit, die von Gärtnerinnen und Gärtnern so herbeigesehnt wird, wie der Frühling. Nach einem Winter wie diesem wahrscheinlich noch mehr als sonst: Endlich geht es wieder los, das Säen und Pflanzen, das Jäten, Gießen und Ernten! Dazu herrliches Vogelgezwitscher, Hummelbrummen und Bienensummen – da geht sogar das Kompostsieben leichter von der Hand.
Der Frühling ist die Zeit der Erwartungen und des Neubeginns. Jetzt können wir die Beete frisch einsäen, die Balkonkästen mit neuen Pflanzen bestücken und von reichen Ernten und überwältigender Blütenpracht träumen. Doch wann beginnt er eigentlich, der Frühling?
Nun, das kommt darauf an, wen Sie fragen. Da gibt es zum einem den astronomischen Frühlingsanfang, der durch die Tag-und-Nacht-Gleiche bestimmt wird. Je nach Jahr und Zeitzone ist dies der 19., 20. oder 21. März.
Die Meteorologen mögen es lieber einheitlich. Für sie beginnt jede Jahreszeit immer mit dem Monatsersten und umfasst genau drei Monate. Der meteorologische Frühling beginnt demnach jedes Jahr am 1. März und dauert bis zum 31. Mai – unabhängig von Sonne, Mond und anderen Sternenkonstellationen.
Die Natur jedoch schert sich nicht um unseren Kalender. Sie hat ihren ganz eigenen Takt, nach dem sie durch das Jahr tanzt. Ihr Rhythmus ist kein Geheimnis, sondern lässt sich an der Abfolge und Entwicklung von Erscheinungen ablesen: der Blüte, Fruchtreife und dem Blattfall bei bestimmten Pflanzen. Die Phänologen haben daher nicht nur einen Frühling, sondern gleich drei: So läuten Schneeglöckchen mit ihren Blüten den Vorfrühling ein, begleitet von Hasel und Salweide. Blühen Ahorn, Schlehe und Forsythie ist der Erstfrühling angebrochen. Und wenn Apfel (siehe Foto) und Flieder sich mit Blüten schmücken, ist der Vollfrühling da.
Sehr charmant, finde ich. Doch was tun, wenn auf dem Stadtbalkon weder das eine noch das andere wächst? Vor einigen Jahren habe ich mir einen eigenen Taktgeber ausgeguckt: den mehrjährigen Schnittknoblauch (Allium tuberosum). Wenn seine grünen Blattspitzen aus der Erde gucken, kann die Saison auf dem Balkon beginnen.