Frisches Grün
Unsere Kolumnistin Melanie Öhlenbach erklärt das Phänomen "Microgreen".
Vielleicht liegt es an der Schlemmerei in der Weihnachtszeit, vielleicht auch am Beginn des neuen Jahres: Im Januar steigt bei mir wieder die Lust auf frisches Grün. Mit Microgreens lässt sich dieser Wunsch schnell und ohne großen Aufwand erfüllen. Zur Ernte muss ich noch nicht mal vor die Tür. Die Pflänzchen wachsen einfach drinnen auf der Fensterbank. Doch der Reihe nach. Microgreens sind keine Astronautennahrung aus der Retorte, sondern eine andere Bezeichnung für Grünsprossen – essbare Sämlinge von Kräutern und Gemüse. Im Gegensatz zu Keimsprossen wurzelt das Mikrogrün auf Vlies oder in der Erde und hat sattgrüne Blätter. Das bekannteste Microgreen haben Sie sicherlich auch schon mal gegessen oder möglicherweise sogar selbst gezogen: die Kresse.
Neben dem pfeffrig-scharfen Lepidium sativum gibt es noch weitere genießbare Grünsprossen, mit denen sich Butterbrot und Kartoffelbrei, Salat, gedünstetes Gemüse und Rührei verfeinern lassen. Radieschen, Rettich, Brokkoli und Grünkohl zählen zum Beispiel dazu. Ebenso Koriander, Dill und Rucola. Selbst Sonnenblumen und Weizengras gibt es speziell für die Sprossenzucht.
Der Anbau von Microgreens ist kinderleicht. Sie brauchen nur Sprossensaatgut in Bio-Qualität, torffreie Anzuchterde sowie eine Schale mit einem Loch im Boden, durch das Wasser ablaufen kann. Zur Not tut es auch ein Suppenteller, wenn Sie sehr vorsichtig gießen. Denn die Samen und Wurzeln mögen es weder zu nass noch zu trocken. Ein Platz auf der warmen Fensterbank ist ideal: Dort bekommen die Sämlinge auch an kurzen Wintertagen genügend Licht und schimmeln nicht. Geerntet werden kann je nach Art nach ein bis drei Wochen, meist wenn sich die ersten Blätter voll entfaltet haben.
Meine liebsten Microgreens sind übrigens Erbsen. Sie keimen und wachsen zwar nicht ganz so zügig wie Kresse, Radieschen und Senf. Die jungen Triebe jedoch haben ein feines Erbsen-Aroma. Und mit ihren kringeligen Ranken machen die Pflänzchen richtig was her – als nach-weihnachtliche Zimmerdeko und vor allem auf dem Teller.