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Foto: Carlos Anthonyo
#Bremer Köpfe
19. Juni 2024

„Ein Zeichen für die Bedeutung des Lesens“

Bürgermeister Andreas Bovenschulte im Interview über das Stadtmusikanten- und Literaturhaus

Seit August 2019 leitet Andreas Bovenschulte als Bürgermeister die Geschicke der Stadt. Zudem ist er Senator für Angelegenheiten der Religionsgemeinschaften sowie Senator für Kultur. In letztgenannter Funktion zeichnet er unter anderem dafür verantwortlich, dass Bremen ab 2025 ein Stadtmusikanten- und Literaturhaus im Kontorhaus am Markt bekommen soll. Umso größer war seine Freude, als Bremen quasi passend von der UNESCO im Oktober vergangenen Jahres zur „City of Literature“ ernannt wurde. Wir sprachen mit ihm über die Auszeichnung sowie über das neu entstehende Projekt. Dabei kam auch dessen Bedeutung für die Umgestaltung der Innenstadt sowie die Bedeutung des Lesens als zentrale Herausforderung unserer Zeit zur Sprache.

Seit August 2019 leitet Andreas Bovenschulte als Bürgermeister die Geschicke der Stadt. Zudem ist er Senator für Angelegenheiten der Religionsgemeinschaften sowie Senator für Kultur. In letztgenannter Funktion zeichnet er unter anderem dafür verantwortlich, dass Bremen ab 2025 ein Stadtmusikanten- und Literaturhaus im Kontorhaus am Markt bekommen soll. Umso größer war seine Freude, als Bremen quasi passend von der UNESCO im Oktober vergangenen Jahres zur „City of Literature“ ernannt wurde. Wir sprachen mit ihm über die Auszeichnung sowie über das neu entstehende Projekt. Dabei kam auch dessen Bedeutung für die Umgestaltung der Innenstadt sowie die Bedeutung des Lesens als zentrale Herausforderung unserer Zeit zur Sprache.

Welche Bedeutung hat die Auszeichnung „City of Literature“ für Bremen?

Eine sehr große. Und zwar nicht nur für die Literaturszene, sondern für die gesamte Stadt. Die UNESCO hat mit dem Titel unsere Leistungen und Angebote im Bereich der Literatur honoriert. Das ist eine Wertschätzung für alle, die sich im Laufe der Jahre so sehr darum bemüht haben – von den Buchhandlungen über unsere Autorinnen und Autoren bis zum Literaturkontor und zum virtuellen Literaturhaus, von der „Globale“ über die „Literarische Woche“ bis zum „Bremer Literaturpreis“. Unter dem Titel „City of Literature“ kommt all dies nun zusammen.

Wie kam es dazu, wie lief die Bewerbung?

Die Idee ist schon älter, nahm aber mit den Plänen für das Stadtmusikanten- und Literaturhaus nochmal richtig Fahrt auf. Schließlich zeichnet die UNESCO nur Städte aus, die mit viel Ernsthaftigkeit an die Sache herangehen und die auch Pläne für die Zukunft haben. Grundlage für die Auszeichnung ist aber unsere lebendige literarische Szene. Ohne die wären wir ganz sicher nicht erfolgreich gewesen. Und nicht zu vergessen: Bremen hat eine ausgesprochen literaturinteressierte Bevölkerung.

Kam die Auszeichnung dennoch überraschend für Sie?

Wir wussten, dass wir eine gute Bewerbung abgegeben haben, aber die Entscheidung hätte natürlich auch anders ausfallen können – wir hatten das mit der (gescheiterten, Anm. d. Red.) Bewerbung zur „Kulturhauptstadt 2010“ ja schon einmal erlebt. Umso größer war die Freude, als wir den Titel dann endlich hatten. Daran haben sehr viele Menschen mitgearbeitet und einen tollen Job gemacht. Ihnen allen danke ich herzlich für ihr Engagement und ihren Einsatz. Es ist schon etwas Besonderes, dass unsere Bewerbung im ersten Anlauf erfolgreich war. Das „Creative Cities“-Programm der UNESCO verknüpft weltweit circa 350 Exzellenzzentren in verschiedenen kreativen Bereichen. Und Bremen ist erst die siebte deutsche Stadt, die als Mitglied aufgenommen wurde.

Wie lang darf Bremen den Titel „City of Literature“ tragen?

Unbegrenzt, es sei denn, wir bauen Bockmist und verscherzen es uns mit der UNESCO. Aktuell haben wir das aber nicht geplant (lacht). Es gibt im Übrigen nur zwei deutsche Städte, neben Bremen ist es Heidelberg, die diesen Titel tragen dürfen. Und er wird in Zukunft auch nicht mehr verliehen. Umso größer ist die Bedeutung für uns.

Zum Stadtmusikantenhaus: Was genau ist da geplant?

Die Bremer Stadtmusikanten sind das weltweit bekannte Wahrzeichen unserer Stadt, aber bisher viel zu wenig präsent. Es gibt zwar die wunderschöne Skulptur von Gerhard Marcks neben dem Rathaus sowie diverse Kleinigkeiten als Mitbringsel. Aber sonst? Bei gutem Wetter kann man sie sich wenigstens draußen anschauen. Aber bei schlechtem Wetter? Diese Lücke wollen wir schließen und den Stadtmusikanten ein eigenes Haus widmen: für Besucherinnen und Besucher, aber natürlich auch für alle Bremerinnen und Bremer. Es wird eine Mitmachausstellung, eine erfahrbare Erlebniswelt, so etwas gibt es bis dato noch nicht.

Wie könnte eine solche Ausstellung aussehen?

Wir brauchen Information und Unterhaltung zu gleichen Teilen. Wir wollen die literarischen und musikalischen Aspekte des Märchens multimedial erlebbar machen – für Kinder und für Erwachsene. Es soll aber auch um Flucht und Vertreibung, um Solidarität und Hoffnung auf ein besseres Leben gehen. Diese Themen spielen ja nicht nur für die Stadtmusikanten eine große Rolle, sondern sind von großer politischer Aktualität. Selbstverständlich wollen wir die Geschichte in ganz vielen Sprachen erzählen, wie es sich für eine weltoffene Stadt wie Bremen gehört.

Neben einer Ausstellung sollen noch weitere Projekte im Stadtmusikanten- und Literaturhaus stattfinden …

So ist es, zweites Standbein wird das Literaturhaus mit dem „Foyer“. Die Literaturszene wollen wir dort sichtbar machen, Einrichtungen wie das virtuelle Literaturhaus und das Literaturkontor sollen dort ihre neue Heimat finden, es werden Lesungen, Poetry Slams, Ausstellungen und hoffentlich auch Konzerte stattfinden. Wenn wir unsere Innenstadt attraktiver machen wollen, dann können wir nicht ausschließlich auf Einzelhandel und Gastronomie setzen, sondern brauchen auch mehr Freizeitangebote, mehr Kunst und Kultur in der City.

Sie sehen das Stadtmusikanten- und Literaturhaus also als einen zentralen Punkt für die Umgestaltung der Innenstadt?

Auf jeden Fall, auch wenn es natürlich nur ein Baustein dafür sein kann. Die Umgestaltung des Domshofs gehört auch dazu, die Uni im ehemaligen Landesbankgebäude, das UNESCO-Welterbe-Zentrum in der Unteren Rathaushalle, die Neugestaltung des Parkhauses Mitte, mehr Platz für Wohnungen und und und. Das ist das, was wir als Politik leisten können, aber natürlich bedarf es auch privater Investoren, ohne die wird es nicht gehen. Das Balgequartier mit dem Johann Jacobs Haus, der Stadtwaage, dem Neuen Essighaus und dem Kontorhaus am Markt ist dafür ein sehr gutes Beispiel. Aber völlig unabhängig davon: Wir wollen mit dem Stadtmusikanten- und Literaturhaus auch ein Zeichen für die Bedeutung des Lesens in unserer Stadt setzen.

Wie genau meinen Sie das?

Lesen ist die elementare Grundlage, um in der Schule und im Beruf bestehen zu können. Aber jedes zweite Kind in Bremen hat da Nachholbedarf. Deshalb wollen wir, dass jedes Kind, soweit erforderlich, in der Krippe oder in der Kita eine gute Sprachförderung erhält. Aber auch das Stadtmusikanten- und Literaturhaus kann als Teil der „City of Literature“ dazu beitragen Kinder an das Lesen heranzuführen.

Was genau liest eigentlich der Bremer Bürgermeister gerne privat?

Auf meinem Nachttisch liegt derzeit viel Politisches, aber manchmal komme ich auch noch zu anderer Lektüre. Gerade habe ich „Fünf Winter“ von James Kestrel abgeschlossen, einen wirklich hervorragenden Krimi. Aktuell lese ich „Echtzeitalter“ von Tonio Schachinger. Der erhielt 2020 in Bremen den „Förderpreis für Literatur“ und im letzten Jahr den „Deutschen Literaturpreis“. Sie sehen, meine Lektüre ist ein wilder Mix.

Sie sagten eingangs, dass die Stadtmusikanten das Wahrzeichen Bremens seien und weltweit bekannt. Es gibt allerdings noch ein anderes Markenzeichen, welches im Februar 125 Jahre alt wird …

Natürlich, Werder Bremen! Es ist wunderbar, wenn man Bremen mit Werder verbindet und ich wünschte, der SVW erreichte irgendwann die gleiche internationale Bekanntheit wie unsere Stadtmusikanten. Aber dafür müssten wir, befürchte ich, erstmal wieder das ein oder andere Champions-League-Spiel gewinnen. An mir soll’s nicht liegen. Mein Herz schlägt mit Sicherheit für Werder genauso wie für die Stadtmusikanten.

Literaturveranstaltungen 2024 (eine Auswahl)

  • UNESCO Welttag des Buches, 23. April 2024
    poetry on the road, 24. - 27. Mai, www.poetry-on-the-road.com
  • Zine-Festival, September, www.kulturbuero-bremen.de
  • Bremen liest! / Lange Nacht der Literatur, September, www.bremenliest.de
  • Büchermeile in der Langenstraße, September
    Prime Time – Crime Time, 20. bis 29.September, www.primetime-crimetime.de
  • globale°, Herbst 2024, www.globale-literaturfestival.de

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