Ein starker Werder-Tag
Unser Kolumnist Jean-Julien Beer blickt zurück auf die lukrativsten grün-weißen Transfers.
Wenn es um gelungene Transfers geht, schwärmen Werder-Fans gerne von früher. Viele Jahre lang gelang den Bremern das, was sie heute nicht oft schaffen: Sie entdeckten Spieler und formten sie zu Stars. Sie setzten weniger Geld ein als die Konkurrenz, machten aber oft gute Geschäfte.
Ein Beispiel ist das, was sich im Frühjahr 2005 in München abspielte. Der FC Bayern wollte Abwehrspieler Valérien Ismaël verkaufen. Der Franzose war auch so ein sensationeller Werder-Einkauf der damaligen Zeit. Ihn hatte Manager Klaus Allofs aus Straßburg geholt. Zunächst war Ismaël nur ausgeliehen, erst nach dem Double-Gewinn 2004 kauften ihn die Bremer und bekamen ihn für weniger als eine Million. Als die Bayern anklopften, machte sich Allofs mit Werder-Geschäftsführer Manfred Müller auf den Weg nach München. Müller war ein ausgebuffter Verhandler, der nicht aus der Fußballfamilie kam, sondern für Krankenkassen viele Millionenverträge verhandelt hatte. In München nutzte das Duo die Gelegenheit, so erzählt man es sich bei Werder, um mit Torsten Frings zu reden. Dieser hatte in Bremen seinen Durchbruch geschafft und war über Dortmund zu den Bayern gewechselt – für neun Millionen im Sommer 2004. Er wirkte in München aber nicht glücklich.
Die Bremer wussten also, was die Bayern für einen guten Spieler zahlen: neun Millionen. Das war das Ziel, das auch für Ismaël zu bekommen. Die Verhandlungen mit den Bayern-Bossen Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge fanden im Hotel Bayerischer Hof statt. Beim Reingehen bat Müller seinen Kollegen: „Sag kein Wort über unseren Torsten!“
Im Poker um Ismaël einigte man sich tatsächlich auf knapp neun Millionen Ablöse. Erst beim Rausgehen fragte Müller die Bayern-Bosse eher beiläufig: „Was ist denn mit Frings?“ Hoeneß war überrascht und fragte: „Wollt ihr den haben?“ Och, warum nicht? Das war die ganze Zeit der Plan gewesen, um die Werder-Mannschaft stark zu halten. Die Bremer bekamen Frings für nur fünf Millionen. Ein tolles Geschäft, denn Dortmund hatte Werder drei Jahre zuvor 8,5 Millionen für Frings bezahlt. In Bremen wurde der „Lutscher“, wie Frings genannt wird, wieder glücklich: Er blieb sechs Jahre. Der teure Ismaël-Verkauf und die Frings-Rückkehr: Der Tag in München war eine starke Werder-Performance.