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Foto: A. Gumz
#Aus dem Herzen der Raute
15. Februar 2026

Ein Münchner in Bremen

Unser Kolumnist Jean-Julien Beer blickt auf die besondere Rolle von Michael Zetterer.

Unser Kolumnist Jean-Julien Beer blickt auf die besondere Rolle von Michael Zetterer.

Was da bei Werder im ersten Heimspiel des Jahres passierte,
war so selten wie schön: Mit großem Applaus
wurde der langjährige Bremer Torhüter Michael Zetterer
verabschiedet. Die Partie gegen seinen neuen Verein Eintracht
Frankfurt bot sich an, um ihm vor 41.800 Zuschauenden zu danken
– für seine Leistungen im Werder-Trikot, für die knapp sechs
Millionen Euro durch den Verkauf, vor allem aber für seine Treue.
Denn es war vor dem Saisonstart nicht so, dass Zetterer unbedingt
wegwollte. Ganz im Gegenteil: Er war endlich da, wo
er immer hinwollte, nämlich im Bremer Tor. Doch dann machte
ihm Eintracht Frankfurt ein finanziell sehr gutes Angebot und
lockte mit Spielen in der Champions League. Zetterer fragte extra
noch bei Werder nach, ob man ihm vielleicht etwas mehr geben
könne in Bremen, damit die Lücke zum Vertrag in Frankfurt
nicht ganz so groß wäre. Aber Werder konnte nicht, vielleicht
wollte man letztlich auch nicht: Die Millionenablöse aus Frankfurt
brauchte Werder dringend. Und mit Mio Backhaus hatte
man den kostengünstigen Nachfolger schon im Kader.

Das Besondere bei Werder und Zetterer: Zehn Jahre stand
der gebürtige Münchner im Bremer Kader. Kein Spieler der jetzigen
Mannschaft ist oder war länger hier als „Zetti“. Schwere
Handverletzungen warfen ihn oft zurück, das plötzliche Ende
der Karriere schien realistischer als ein Stammplatz im Werder-
Tor. Aber Zetterer kämpfte für diesen Traum und setzte
sich gegen seinen Konkurrenten Jiri Pavlenka durch. In Bremen
wurde der 30-Jährige heimisch: Er fand seine Frau, sie bekamen
ein Kind, sie kauften eine Wohnung. Und er war Stammtorhüter.
Man merkte immer: Dieser Torwart identifiziert sich mit Werder,
der ist nicht auf der Durchreise.
Doch jetzt ist er in Frankfurt. Solche Geschichten schreibt
der Fußball immer wieder. Immerhin: Er durfte dort in der
Champions League spielen, und man gönnt ihm das. Solche
Partien gegen Liverpool, Neapel oder Barcelona hätte er in Bremen
nicht erleben können. Die Fotocollage, die ihm die Werder-
Geschäftsführung zum Abschied schenkte, wird er sich gerne
daheim aufhängen. Wer weiß: Vielleicht kommt er irgendwann
zurück. Bremen ist schließlich sein Zuhause geworden.

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