„Die Wege bleiben kurz“
Katja Krause, Geschäftsführerin der BREPARK GmbH, über das Ende des Parkhauses Mitte und den Wandel urbaner Mobilität
Die Schließung des Parkhauses Mitte zum Jahresende sorgt in Bremen für Gesprächsstoff. Viele Menschen fragen sich, ob der Weg in die Innenstadt damit umständlicher wird und ob Autofahrer:innen künftig auf unattraktivere Bedingungen treffen. Katja Krause, seit 2022 Geschäftsführerin der BREPARK GmbH, sieht dafür keinen Anlass. Im Interview mit dem STADTMAGAZIN Bremen erklärt sie, welche Alternativen es gibt, warum sich ein Blick auf andere Parkhäuser lohnt und weshalb Park-and-Ride für sie ein Modell mit Zukunft ist. Zugleich macht sie deutlich, dass sich die Innenstadt weiterentwickeln muss – das Konzept der Innenstädte der 1960er- oder 70er-Jahre funktioniert heute nicht mehr.
Frau Krause, viele Leser:innen kennen Sie vielleicht noch gar nicht so gut. Was bringen Sie für Ihre Aufgabe als Geschäftsführerin der BREPARK mit?
Katja Krause: Ich komme ursprünglich aus Falkensee bei Berlin und habe Bauingenieurwesen studiert. Viele Jahre habe ich im Ingenieurbau gearbeitet, auf Großbaustellen und an komplexen Infrastrukturprojekten. Später habe ich in Berlin ein landeseigenes Unternehmen aufgebaut und als Geschäftsführerin geleitet, das den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur vorangetrieben hat. Dabei habe ich nicht nur technische Projekte verantwortet, sondern auch gelernt, wie man ein Unternehmen aufbaut und erfolgreich führt. Diese Verbindung aus technischem Verständnis, unternehmerischer Erfahrung und der Freude daran, Dinge zu gestalten und voranzubringen, bringe ich heute bei BREPARK ein.
Viele Menschen fragen sich im Moment: Wird der Weg in die
Innenstadt ohne das Parkhaus Mitte komplizierter?
Diese Sorge begegnet mir tatsächlich häufig. Viele Bremer:innen sind über Jahre ganz selbstverständlich ins Parkhaus Mitte gefahren. Man kennt die Strecke, die Einfahrt und weiß, wo man rauskommt. Wenn so eine Gewohnheit wegfällt, sorgt das natürlich erst einmal für Verunsicherung. Aber ich kann den Menschen versichern: Die Innenstadt bleibt weiterhin gut erreichbar. Wir habenmit sieben weiteren BREPARK-Häusern in der City und im innenstadtnahen Bereich ausreichend Kapazitäten.
Welche Alternativen würden Sie Autofahrerinnen und Autofahrern
konkret empfehlen?
Wer bisher immer das Parkhaus Mitte genutzt hat, sollte einfach mal eines der anderen Häuser ausprobieren. Besonders das Parkhaus Am Brill ist eine sehr gute Alternative. Es ist heller, die Einfahrt ist unkomplizierter, man kommt schneller hinein und wieder hinaus – und es ist zudem deutlich günstiger als das Parkhaus Mitte. Auch das Pressehaus ist sehr gut gelegen, ebenso Am Dom oder Stephani. Viele Menschen werden merken, dass sie dort genauso gut oder sogar angenehmer parken können. Manchmal ist der Weg zum eigentlichen Ziel auch gar nicht länger, als man zunächst denkt.
Das heißt: Die Sorge, die Innenstadt werde für Autofahrer unattraktiver, teilen Sie nicht?
Nein, diese Sorge teile ich nicht. Bremen ist da in einer vergleichsweise komfortablen Situation. Wir haben viele Stellplätze, auch im Vergleich zu anderen Städten. Gleichzeitig beobachten wir seit Jahren, dass sich Mobilität verändert. Manche Menschen fahren häufiger mit dem Fahrrad, andere nutzen den ÖPNV oder kombinieren verschiedene Wege. Mit dem Wegfall des Parkhauses Mitte kommen wir deshalb nicht in eine Lage, in der plötzlich Parkplätze fehlen würden. Es gibt ausreichend Alternativen.
Welche Rolle spielen dabei App und Website?
Eine wichtige. Wer vor der Fahrt kurz in unsere App oder auf die Website schaut, kann sich die aktuelle Auslastung ansehen und direkt zum passenden Parkhaus navigieren. Das gibt Sicherheit und nimmt Unsicherheit vorab. Unser Ziel ist, dass Parken möglichst unkompliziert funktioniert. Man soll nicht erst gestresst in der Innenstadt nach einem freien Platz suchen müssen, sondern sich schon vorher orientieren können.
BREPARK setzt zugleich stark auf Komfort. Was heißt das ganz praktisch?
Komfort beginnt schon damit, dass ein Parkhaus gut erreichbar, hell und übersichtlich ist. Viele unserer Häuser bieten heute ein deutlich angenehmeres Parkerlebnis als das Parkhaus Mitte mit breiteren Stellplätzen auf Komfortebenen, guter Wegweisung, modernen Fahrstühlen und kontaktlosem Parken.
Gerade für Familien, ältere Menschen oder Menschen, die einfach etwas mehr Platz beim Ein- und Aussteigen brauchen, ist das ein echter Vorteil. Wer regelmäßig in die Innenstadt kommt, für den können auch Dauerstellplätze interessant sein. Im Parkhaus Am Brill liegen diese beispielsweise bei rund 88 Euro netto im Monat.
Welche Vorteile bietet kontaktloses Parken?
Parken soll so einfach wie möglich sein. Mit unserer BREPARK Easy Karte geht das schon heute: Einmal kostenlos online registrieren und das Kennzeichen hinterlegen. Schon öffnen sich die Schranken bei der Ein- und Ausfahrt automatisch. Kein Ticket ziehen, nichts anfassen, kein Gang zum Kassenautomaten. Die Parkgebühren werden bequem einmal im Monat vom Konto abgebucht. Einfacher geht’s kaum.
Ein anderes wichtiges Thema ist Park-and-Ride. Ist das aus Ihrer Sicht eher eine Ausweichlösung – oder ein Zukunftsmodell?
Für mich ist Park-and-Ride vor allem eine sinnvolle Ergänzung zu unseren Parkhäusern in der Innenstadt. Wer sein Auto am Stadtrand abstellt und bequem mit der BSAG weiterfährt, vermeidet den Innenstadtverkehr und spart zusätzliche Kilometer und damit Kosten. Besonders attraktiv ist das für Menschen, die ohnehin ein ÖPNV-Ticket besitzen. Natürlich passt P+R nicht zu jeder Fahrt. Uns geht es darum, unterschiedliche Angebote zu schaffen, damit jede:r selbst entscheiden kann, wie das Ziel am besten erreichbar ist.
Welche Rolle spielen Angebote jenseits des Autofahrens?
Eine wachsende. Wir bauen auch unsere Bike+Ride-Angebote weiter aus. Dazu gehören offene und kostenfreie Stellflächen ebenso wie abschließbare, kostenpflichtige Anlagen für Menschen, die ihr Fahrrad besonders sicher abstellen möchten. Gerade an ÖPNV-Stationen ist das ein wichtiges Angebot, weil viele ihre Wege heute bewusst kombinieren.
Sie denken also Mobilität insgesamt breiter?
Auf jeden Fall. BREPARK ist heute weit mehr als ein Betreiber klassischer Parkhäuser für Pkw. Wir beschäftigen uns auch mit Parkand-Ride, Bike+Ride, sicheren Fahrradabstellanlagen, digitalen Angeboten und weiteren Mobilitätsbausteinen in der Stadt. Dazu kommt, dass wir mit dem Fernbus-Terminal auch Aufgaben übernehmen,
die über das klassische Parken hinausgehen. Es geht uns insgesamt darum, Mobilität in Bremen gut zu organisieren und verschiedene Angebote sinnvoll miteinander zu verbinden.
Auch der Ausbau der E-Ladeinfrastruktur zeigt, dass sich Ihr Portfolio verändert.
Ja, absolut. Allein in unseren Innenstadtparkhäusern bieten wir bereits 130 Ladesäulen an. Wir wollen das Parken insgesamt einfacher, sicherer und komfortabler machen. Dazu gehören digitale Angebote, aber auch helle, saubere und gepflegte Parkhäuser, eine gute Orientierung und persönlich erreichbare Mitarbeitende. Dabei müssen wir wirtschaftlich denken, um auch künftig in die Qualität unserer Häuser investieren zu können.
Wie blicken Sie auf die Entwicklung der Innenstadt insgesamt?
Die Schließung des Parkhauses Mitte ist Teil einer größeren städtebaulichen Entwicklung. Dort soll ein neues Quartier entstehen – mit Einzelhandel, Büros, Wohnungen und mehr Aufenthaltsqualität. Ich verstehe, dass Veränderungen nicht allen sofort leichtfallen. Aber die Innenstadt muss sich weiterentwickeln dürfen, wenn sie attraktiv bleiben soll. Sie kann nicht auf Dauer so bleiben, wie sie in den 1960er Jahren gedacht wurde. Ich bin überzeugt, dass darin eine Chance für Bremen liegt.