Die schönen Millionen
Unser Kolumnist Jean-Julien Beer blickt auf lukrative Investitionen in der Fußball-Bundesliga.
Wer plötzlich mehr Geld hat, muss damit auch umgehen können. Das gilt im Privaten, aber auch im Profifußball. Wobei die Summen im Fußball in aller Regel sehr viel größer sind als im Privatleben. Der Hauptstadtklub Hertha BSC, der ein „Big City Club“ auf der Weltkarte des Fußballs werden wollte, brachte es fertig, mehr als 250 Millionen Euro an Investorengeldern sinnlos zu verpulvern. Manche sagen, es wären sogar mehr als 300 Millionen gewesen. Heute ist die Berliner Hertha in der 2. Bundesliga, der „Big City Club“ spielt dort mit Fußballzwergen wie Elversberg, Fürth oder Münster.
Geld sollte man sich im Fußball verdienen und es dann sinnvoll vermehren, wie der FC Bayern es allen anderen in Deutschland über Jahrzehnte vormachte. Bayern-Patron Uli Hoeneß hat es einmal provokant, aber treffend formuliert: „Wenn wir 50 Millionen abgeben und an die 17 anderen Vereine der Liga verteilen – meinen Sie, dann würde auch nur einer von denen besser?“
50 Millionen durch 17: Das wären knapp drei Millionen für jeden Verein, das ist im Fußball eher wenig. Was könnte Werder mit drei Millionen machen?
Zum Beispiel ein Talent aus Argentinien holen, oder aus Frankreich, oder aus England. Hoppla! Ja, genau: Das haben die Bremer ja getan, nur halt mit eigenem Geld. Sie holten Julian Malatini aus Südamerika, Skelly Alvero aus Frankreich und den Norweger Isak Hansen-Aarøen von Manchester United. Im Schnitt kostete jedes der drei vermeintlichen Top-Talente weniger als besagte drei Millionen, aber vermehrt wurde das Geld nicht: Keiner der drei half Werder wirklich weiter, keiner schien gut genug für die Bundesliga.
Was Werder da probierte, war nichts anderes als das Gießkannenprinzip: Als durch regionale Investoren plötzlich 38 Millionen Euro in die leere Werder-Kasse flossen, gab der Verein einen Teil davon breit gestreut für diese drei „Potenzialspieler“ aus – in der Hoffnung, einer von ihnen würde so gut, dass er für ein Vielfaches verkauft werden könnte. Dumm nur, dass Werder sich bei allen drei schwer verguckte. Man muss Geld eben richtig investieren, sonst wird es nicht mehr, sondern weniger. Werder wäre, siehe oben, leider nicht der erste Verein, der sich über Investorengelder freute und dann in die 2. Bundesliga abstieg.