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Matthias Höllings. Foto: Frank Pusch
#Kolumne – Matthias Höllings
24. Juli 2024

Der übende Peter

Warum Peter Maffay und Matthias Höllings beim Telefoninterview keine Freunde wurden ...

Warum Peter Maffay und Matthias Höllings beim Telefoninterview keine Freunde wurden ...

Als Peter Maffay mit 20 sein „Du“ in die Kameras schmetterte, konnte ich als Beatles-Fan mit diesem Schlagertypen nichts anfangen. Trotzdem habe ich damals bei seinen ersten Konzerten als Aufbauhelfer für ihn gearbeitet. Ich brauchte das Geld. Heute, ein halbes Jahrhundert später, muss ich – gar nicht mal so betrübt – feststellen, dass ich den Typen bis heute nicht mehr losgeworden bin.

Und das kam so: In den 1980er Jahren sollte ich mit Herrn Maffay im Vorfeld seines Bremer Stadthallenkonzerts ein Telefoninterview machen. Morgens um acht Uhr über Festnetz. Möglich gemacht hatte das der Bremer Konzertveranstalter Lothar Behnke, ein Freund von Peter Maffay. Noch unausgeschlafen, aber pünktlich, ließ ich es in der fensterlosen „Werkstatt“, Maffays Red-Rooster-Tonstudio am Starnberger See, klingeln und erwartete am anderen Ende die Stimme seiner Sekretärin. Doch der Meister selbst war am Apparat und ich legte sofort ziemlich unhöflich los: „Im Vergleich zu den anderen bist du ein lausiger Gitarrist. Warum stehst du da vorne eigentlich auf der Bühne?“ Viele, sehr viele Sekunden Funkstille am anderen Ende, dann seine Antwort:

Peter Maffay 1986 im Radio-Bremen-Studio. Foto: Matthias Höllings

„Du hast recht, ich bin ein lausiger Gitarrist"

„Du hast recht, ich bin ein lausiger Gitarrist. Aber ich muss da stehen, denn ich bin der Boss und bezahle die anderen!“ Wir wurden an diesem Tag am Telefon keine Freunde mehr. Nach seinem Bremer Konzert lud mich Veranstalter Behnke zum Meet and Greet mit Maffay ein. Als ich den Raum betrat, schien Behnke Maffay etwas ins Ohr zu flüstern und streckte dabei seinen Arm in meine Richtung aus. Umkehren wäre feige gewesen, weshalb ich direkt auf die beiden zuging und und mich Peter Maffay als den Typen vom Telefon vorstellte. Maffay: „Ich weiß, wer du bist und du kannst dich beruhigen. Ich habe in der Zwischenzeit geübt.“

In den nächsten mehr als 30 Jahren sollte das unser gemeinsamer Running Gag werden. Ob auf Pressekonferenzen in Hotels, oder auf dem Hamburger Flughafen zusammen mit Eros Ramazotti, oder bei den späteren Tabaluga-Tourneen, immer liefen wir uns über den Weg und Peter Maffay versicherte mir, dass er geübt habe. Mittlerweile hatte er den Schlager hinter sich gelassen. Er war mir sympathischer geworden. Fast immer trafen wir uns bei seinen vielen Terminen in Bremen. Eine Stadt, zu der Peter eine ganz besondere Beziehung entwickelt hat, weil dort ein paar alte, sehr gute Freunde von ihm arbeiten.

Einer davon ist besagter Veranstalter Lothar Behnke, mit dem Peter seit Karrierebeginn eng verbandelt ist. Der zweite ist Radio-Bremen-Regisseur Jörg Sonntag, der mit Maffay 1989 und 1991 Livekonzerte für die ARD produzierte. Jörg Sonntag führte auch Regie im ehemaligen „Up’n Swutsch-Studio“. Bei einer dieser Sendungen war aufs Neue Peter Maffay zu Gast und ich durfte ihm die einstündige Wartezeit bis zu seinem Auftritt mit einem Hütchenspiel verkürzen. Selbst im Mallorcaurlaub erkannte er mich und fragte vor dem Café Español auf dem Marktplatz von Pollença: „Hey, ist es dir in Bremen zu langweilig geworden?“ Aktuell ist Peter auf Abschiedstournee, weil er mehr Zeit mit seiner Tochter Anouk und Frau Hendrikje verbringen möchte. Er wird wohl in Bremen wie sonst auch im Parkhotel dasselbe Zimmer bewohnen, einen Spaziergang im Bürgerpark machen und sich ein klein wenig zu Hause fühlen. Ich gehe da mal hin und sage ihm „Tschüss“. Ich hoffe, er hat geübt …

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