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Foto: A. Zuchold
#Kolumne – Baby Boomer Böhling
15. Februar 2026

Dein Freund und Helfer

Unser Kolumnist Dirk Böhling erinnert an sein Detektivbüro "Holiwod".

Unser Kolumnist Dirk Böhling erinnert an sein Detektivbüro "Holiwod".

Als Kind kannte ich die Straßen von San Francisco besser
als die von Berlin, und da war ich wohl nicht der Einzige!
Nach dem amerikanischen TV-Western-Boom der
1960er-Jahre kam in den 1970ern die Krimi-Schwemme über
den großen Teich zu uns. Wo gestern noch Marshall Matt Dillon
mit rauchendem Colt für Recht und Ordnung gesorgt hatte,
fuhren plötzlich große Autos mit schrillenden Sirenen und
abnehmbaren roten Rundumleuchten durch die Wohnzimmer.
In diesen Limousinen saßen Zivilpolizisten, die wegen ihres
Dienstgrades mit Lieutenant oder Chief-Inspektor angesprochen
wurden. Da gab es Lolli lutschende Glatzköpfe in Manhattan,
knollennasige Mantelträger in San Francisco und scheinbar
schusselige Trenchcoat-Ermittler. Später gesellten sich drei
engelhafte Damen dazu, die für einen gewissen Charlie arbeiteten

Die uniformierten Polizisten fuhren in weißblauen Riesenkarren
oder standen an einer Straßenkreuzung und hatten immer
einen lockeren Spruch drauf. So wie Sergeant Berry, der im
richtigen Leben Klausjürgen Wussow hieß, vorher als Kurier der
Kaiserin gearbeitet hatte und später im Glottertal auf Chefarzt
umschulte. Hierzulande sahen die Ordnungshüter ganz anders
aus … Unsere Polizeiautos waren grün, machten „tatütata“
und in ihnen saßen ebenso grün gekleidete Wachtmeister mit
Schirmmützen und Strafzettelblöcken.

Gut, im Fernsehen hatte man den einen oder anderen Polizisten in Privatklamotten gesichtet, wie den schwarzweißen Kommissar

 

Keller mit Robert, Walter und Harry (damals noch ohne Wagen) oder Hauptkommissar Köster, den man den „Alten“ nannte, weil er bereits einen Rentenbescheid in der Tasche hatte, als er seinen Dienst antrat.

Unsere Polizisten wurden uns als „Deine Freunde und Helfer“ vorgestellt, und in ihren Reihen gab es einen Verkehrskasper, der uns auf Kassette oder von der Puppenbühne herab erklärte, worauf man auf den Straßen zu achten hatte. Manchmal kam ein richtiger Polizist in die Grundschule, und man konnte seinen
Fahrradführerschein machen.

Meine Vorbilder waren trotzdem die amerikanischen Mattscheibenhelden – besonders die Privatdetektive. Einer von ihnen lebte in einem Wohnwagen, und ein Anrufklingeln genügte, damit sein Anrufbeantworter ansprang. Ein anderer war Anwalt und baute die ganze Serie hindurch ein Haus, und ein dritter war
dick und hieß hinten wie eine Fotokamera.

Auch ich hatte ein Detektivbüro! Das war der Garagenboden
meiner Großeltern, und ich hatte ihm einen klangvollen Namen
gegeben. Auf der Tür des Garagenbodens stand „Holiwod“ und
darunter „Detektivbüro“. Dort bearbeiteten Kai Uwe Smith und
Dirk Jones ihre Fälle – zwei Namen, die ich aufgeschnappt hatte.
Später hatten wir auch eine Polizeimarke und hießen Starsky
und Hutch. Die Marke entstand mit einem „Heiermann“ – also
einem Fünfmarkstück – und einem Stempelkissen. Wir haben
übrigens alle unsere Fälle gelöst und sogar den „Schatz vom alten
Erich“ gefunden – aber das ist eine andere Geschichte.

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