Bremen im Radsportfieber
Interview mit SIXDAYS-Projektleiter Mario Roggow
Die SIXDAYS Bremen stehen vor der Tür und versprechen, zum Auftakt des Veranstaltungsjahres wieder ein sportliches und unterhaltsames Highlight zu werden. Mario Roggow, langjähriger Projektleiter der SIXDAYS Bremen, ist schon voller Vorfreude. Im Interview begründet er die Faszination des Radsports und stellt für die SIXDAYS 2026 Höhepunkte und Neuheiten in Aussicht.
Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes SIXDAYS-Erlebnis?
Meine ersten Erinnerungen an die SIXDAYS reichen zurück bis in meine Kindheit. Ich war damals drei oder vier Jahre alt und ging mit meinem Opa zur Veranstaltung. Ich war sofort fasziniert: davon, wie die Fahrer über die Bahn rasten und es richtig krachen ließen. Das Geräusch des Holzes und das Getöse, wenn 24 Fahrer gleichzeitig über die Bahn fahren, haben mich total begeistert. Zu Hause habe ich das Ganze dann nachgespielt. Als ich endlich Fahrrad fahren konnte, habe ich mir meine eigene kleine Bahn auf die Straße gemalt und bin im Kreis gefahren. Natürlich habe ich immer gewonnen (lacht). Bis heute begeistert mich bei den SIXDAYS in Bremen die einzigartige Mischung aus Sport und Unterhaltung.
Party-Area oder Rennsport-Oval? Wo trifft man Sie?
Eindeutig beim Sport. Vom ersten Moment bis zum Überqueren der Ziellinie im Finale fiebere ich gespannt an der Bahn. Der Sport ist in Bremen zum Glück nie zur Nebensache geworden.
Also begeistert Radsport nach wie vor?
Es gab tatsächlich das geflügelte Wort: „Das Einzige, was bei den SIXDAYS stört, sind die Fahrer.“ Vor etwa zehn Jahren haben wir deshalb beschlossen, den Fokus bei den Bremer SIXDAYS stärker auf den Sport zu legen, da sie zuvor eher als Feierveranstaltung angesehen wurden. Unsere Idee: Wir wollten den Sport verständlicher machen und dem Publikum näherbringen. Dazu haben wir innovative Ideen wie beleuchtete Fahrräder, die Einbeziehung der Frauen-Elite und der U19-Nachwuchsfahrer („Andy-Kappes-Cup“) umgesetzt. Diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass das Verständnis und das Interesse für den Sport gesteigert wurden, was wiederum zu mehr Spannung, Emotionen und einer längeren Verweildauer geführt hat.
Mario Roggow privat: E-Bike oder Rennrad?
Ich bin bekennender E-Bike-Fahrer, fahre aber auch gerne klassisch Rennrad. Bei mir kommt es immer auf die Stimmung an. Manchmal habe ich Lust, ins Gelände zu gehen und mich einfach querfeldein auszutoben, und manchmal habe ich eher Lust, zweieinhalb Stunden Strecke zu machen – dann nehme ich das Rennrad.
Wo radeln Sie in Bremen am liebsten?
Ich fahre sehr gerne rund um die Weser oder den Werdersee. Auf der einen Seite trifft man hin und wieder Radfahrer, die fröhlich grüßen, da hat man gleich so ein Wir-Gefühl. Man kann aber auch weite Strecken fahren, ohne jemandem zu begegnen.
Wie wäre es mit einer Fahrt durch das SIXDAYS-Oval?
Das habe ich leider noch nicht geschafft, obwohl es mich reizt. Aber immer, wenn die Bahn aufgebaut ist, arbeite ich. Abgesehen von der fehlenden Zeit wäre es ungünstig, wenn ich mich dann abledern und mit gebrochenem Bein im Krankenhaus liegen würde, während die SIXDAYS laufen. Und wenn die vorbei sind und wir kurz durchatmen, ist die Bahn meistens schon wieder abgebaut. In Oberhausen bin ich allerdings schon auf der Bahn gefahren.
Ihr persönlicher SIXDAYS-Moment?
Ein unvergesslicher Moment für mich war, als Semino Rossi 2015 die Veranstaltung eröffnete. Wir waren unsicher, wie sein Auftritt bei den Zuschauern ankommen würde, aber am Ende war es ein voller Erfolg. Besonders berührend war es, als er „Rot sind die Rosen“ sang und die gesamte Halle mitsang, unabhängig von Alter und Grund des Besuchs.
Warum sind die SIXDAYS so wichtig für Bremen?
Sie sind für Bremen aus mehreren Gründen von großer Bedeutung. Die Veranstaltung hat eine 60-jährige Tradition und ist fest mit der Bremer Wirtschaft, den Sponsor:innen und dem Publikum vewurzelt. Sie markiert seitdem den Beginn des Jahres und ist außerdem ein fester Bestandteil im internationalen Radsportkalender. Die SIXDAYS Bremen ziehen eine vielfältige Gruppe von Menschen an, die entweder für den Sport, das Feiern oder das Netzwerken kommen. Dazu dienen sie als Plattform für Unternehmen, um Teamgeist und sportliche Werte zu vermitteln. Der Kids Day ist ebenfalls beliebt: Bis zu 10.000 Kinder feuern mit Trillerpfeifen um den Hals das Fahrerfeld an. Genauso hat die SIXDAYS-Euphorie auch bei mir angefangen. Dazu kommt der touristische Mehrwert, die Fans kommen unter anderem aus Holland, Frankreich, Schweiz, Dänemark sowie Belgien und bleiben das gesamte Wochenende in der Stadt. Kurzum: Wenn du nicht da warst, hast du etwas verpasst!
Wie nehmen die Sportler:innen die Veranstaltung wahr?
Der Ruf der Bremer SIXDAYS war immer sehr gut. Wir hatten noch nie Probleme, Fahrer:innen für Bremen zu gewinnen. Es sind eher die organisatorischen und terminlichen Hürden, die überwunden werden müssen. Es hat sich wohl herumgesprochen, dass wir viel dafür tun, damit sich die Fahrer:innen bei uns wohlfühlen. Dazu zählen auch die kurzen Wege zwischen dem Hotel für die Fahrer:innen und der Halle. Darüber hinaus beziehen wir sie in unsere Programmplanung mit ein. So stehen wir zum Beispiel mit Radsportlerin und Olympiasiegerin Franziska Brauße wegen des Frauensportprogrammes im Austausch. Sportlich gesehen ist natürlich unsere extrem kurze Bahn eine Herausforderung – sie ist nur 166 Meter lang und hat über 53 Grad Kurvenneigung. Das ist einmalig in Deutschland.
Was sind Ihre SIXDAYS-Highlights 2026?
Das Finale am Montagabend ist immer mein persönliches Highlight, auf das ich vom ersten Tag an hinfiebere. Dieses Mal werden Friederike „Fritzy“ Kromp, Frauenfußballtrainerin von Werder Bremen, und Schlagersänger Peter Wackel die SIXDAYS anschießen. Seinen Song „Wo war ich in der Nacht von Freitag auf Montag“ hat er ja extra auf unsere Veranstaltung umgetextet. Peter Wackel ist persönlich mit Marcel „Baller“ Barth befreundet, einem ehemaligen Radrennprofi, der in diesem Jahr zusammen mit weiteren DJs in der Halle 3 auflegen wird. Dazu kommt die Cover-Soul-Band Watch Your Steps erneut zu uns. Und dann haben wir natürlich wieder ein hochkarätig besetztes Fahrer:innenfeld, angeführt von Nils Politt, meinem persönlichen Favoriten. Als Titelverteidiger kommt er bestimmt nicht, um Zweiter zu werden.
Was ist neu?
Die wichtigste Veränderung ist, dass die SIXDAYS kompakter werden. Das heißt, wir verabschieden uns von der Halle 4. Dafür gibt es eine Bühne in Halle 2 mit DJ Toddy und weiteren Acts. Dazu wird es im Foyer eine weitere Bühne geben, die Antenne-Schlagerbühne. Außerdem haben wir mit Franco Marvulli und Robert Bengsch zwei ehemalige SIXDAYS-Fahrer als Sportsprecher gewinnen können.
Welche Botschaft steckt hinter den SIXDAYS?
Die SIXDAYS zeigen: Man muss sich nicht zwischen Sport, Feiern und Networking entscheiden. Dazu ist der Radsport ein niedrigschwelliger Sport, der Menschen verbindet. Man kann sich schon mit einem günstigen Fahrrad ohne teure Ausrüstung und Trainer sportlich betätigen. Es steht allen offen, sich einer Trainingsgruppe anzuschließen oder auf Leistungsebene aktiv zu werden. Somit ist es einfach, in den Radsport einzusteigen und Spaß zu haben.