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Foto: A. Zuchold
#Kolumne – Baby Boomer Böhling
12. März 2026

Berufsberatung am Samstag

Unser Kolumnist Dirk Böhling erinnert an seinen einstigen Berufswunsch "Showmaster"

Unser Kolumnist Dirk Böhling erinnert an seinen einstigen Berufswunsch "Showmaster"

Als kleiner Junge hatte ich meinen späteren Berufswunsch
fest im Blick – und das an jedem Samstagabend, manchmal
aber auch donnerstags und montags! So etwas wie
diese Herren da im Fernsehen wollte ich werden. Showmaster
schien mir der geeignete Broterwerb für mich zu sein – und das
aus mehreren Gründen. Zunächst einmal dachte ich mir, jeder
Showmaster im Fernsehen hätte einen Butler. Das hatte ich bei
Herrn Kulenkampff so gesehen. Außerdem durften und konnten
diese Herren, denn außer Gisela Schlüter und Anneliese
Rothenberger gab es ja keine Damen in der Unterhaltung, Dinge
tun, die sonst niemandem gestattet waren.

Einer von ihnen konnte sogar zaubern! Wenn der begeistert
war, sprang er in die Luft, rief „Spitze“ und blieb dann einige Sekunden
in der Luft stehen! Ein anderer tat nichts weiter, als kleine
Kärtchen mit Nummern bis zur Zehn umzudrehen und Fünfmarkstücke
in ein Sparschwein zu stecken – eine Stunde lang,
und man schaute trotzdem nicht weg! Andere kamen eine große
Showtreppe hinunter, und das Fernsehballett stand Spalier. Dann
begrüßten sie einen Dirigenten, und das ganze Orchester stand
auf! Herr Fuchsberger hatte einen Schimpansen, Herr Carrell traf
berühmte Leute von Bud Spencer über Jerry Lewis bis Louis de
Funès, und Herr Alexander durfte umsonst ins Disneyland!

Ganz klar – für mich stand fest, ich wollte Showmaster werden.
Dann habe ich eine Assistentin, ich stelle schlaue Fragen, die
mir vorher einer aufgeschrieben hat, und wenn ich reinkomme,
dann klatschen alle!

Vielleicht müssen bei mir irgendwelche Leute
stundenlang mit einer Armbrust auf Äpfel schießen – ich stehe
vor einer großen Wand und sage immerzu „Riiiisikooo“ – oder ich
bitte montags Leute, irgendwelche Sachen zu malen, und andere
müssen raten, was das wohl sein könnte. Vielleicht spiele ich
aber auch unwitzige Sketche und präsentiere am Samstagabend
die angesagtesten Bands, oder ich begrüße das Publikum in der
Grugahalle in Essen und lasse meine Kandidaten so lange Aufgaben
lösen, bis einer gewonnen hat – mir doch egal, ob danach
noch was anderes im Fernsehen kommt!

„Showmaster – das isses“, dachte ich mir! Ein- bis zweimal im
Monat Quatsch machen, dafür kommt man dann auf das Titelbild
der HÖRZU. Und wenn ich Geld brauche, mache ich einfach Werbung
für den VW-Käfer oder 4711 Echt Kölnisch Wasser – fertig!

Leider konnte mir keiner sagen, wo man sich zum Showmaster
ausbilden lassen konnte. Gab es da eine Showmaster-Schule
– vielleicht in 65 Mainz 500? Konnte man bei Peter Frankenfeld
ein Praktikum machen und bekam dann eine Teilnahmeurkunde,
mit der man vielleicht bei „Spiel ohne Grenzen“ den Punktestand
ansagen durfte? Oder sollte ich einfach Postbeamter werden und
warten, bis Walter Spahrbier in Rente geht und meine Chance
kam? Meine Eltern waren in dieser Angelegenheit auch nicht
besonders hilfreich! Wenn ich meinen Berufswunsch erwähnte
und fragte, wohin ich denn dafür müsste, bekam ich meistens zur
Antwort: „Jetzt essen wir erstmal, und dann sehen wir weiter!“

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